Die Volontäre 2008

Neun auf einen Streich

 

2008 haben gleich neun "Freiwillige" ihre Ausbildungszeit beim SR angefangen, um Redakteur oder Redakteurin zu werden: Sechs Frauen und drei Männer. Während ihrer 18 Monate dauernden Ausbildung werden sie nicht nur sämtliche Programmbereiche des Saarländischen Rundfunks kennenlernen und in den Redaktionen mitarbeiten, sondern auch das Netzwerk der ARD unter die Lupe nehmen - und auch dort gilt das Prinzip "Learning by doing".

Was die "wackeren Neun" vor ihrem Leben in Saarbrücken gemacht und was sie zu ihrem aktuellen Lebensabschnitt zu sagen haben, beschreiben sie in persönlichen Kurzporträts.

Und wer wissen will, was die Volos so bewegt, der schaue einfach mal im "Voloblog" 'rein...


Die Volontäre im Überblick


Julia Becker

Mit den Erdbeeren fing es an

"Du kannst schreiben und reden, geh’ zur Zeitung!". Diesen liebenswürdigen Rat gab mir einst mein Vater und mit süßen 14 Jahren schrieb’ ich dann während meines Praktikums bei der Saarbrücker Zeitung in der Merziger Lokalredaktion meinen ersten Zeitungsartikel: Zehn Zeilen über ein Erdbeerfest! Daraus wurde dann eine intensive Mitarbeit für "JUMP", die Saarlouiser Jugendseite der SZ und der innige Wunsch, nach dem Abi sofort für immer bei einer Zeitung zu arbeiten.

Gott sei Dank kam es dann doch anders… Ich begann am 11. September 2001 ein Praktikum bei Radio Salü und habe meine große Liebe kennengelernt: Radio Gaga! Nicht neben dem Studium jobben, sondern Studium neben dem Radio war mein Lebensinhalt.

Nach einigen nicht-journalistischen Gastspielen nach der Privatfunk-Zeit drohte das Pflänzchen Julia zu verwelken. Doch auf dem Halberg wurde ich wieder gegossen. Ich durfte mich über’s Wochenende und während der Tour de France in der Sportredaktion nützlich machen und bei 103.7. Unser Ding eigentlich alles tun, was mir gefiel: Radio! Danke!!

Für mich gab es während des Studiums nur ein ein Ziel: das Volo! Also bin ich ganz optimistisch im Dezember 2007 nach Saarbrücken gezogen und habe gehofft, im Auswahlverfahren zu überzeugen: Es hat geklappt! Ich wache täglich auf in dem Bewusstsein, meinen Traumjob ausüben zu dürfen.

Ich bin glücklich darüber, in den nächsten Jahren alles ausprobieren zu dürfen, was eine ARD-Anstalt zu bieten hat. Endlich wird die Journalistin in mir zu Ende gebacken!

Falls ich nicht gerade arbeite, findet man mich mit Sicherheit in einem Musical-Theater in Köln, Stuttgart, Wien, Zürich, London oder Hamburg!

Mein nächstes großes Ziel: Die Fußball- WM kommentieren. Im Radio? Nee, für’s Fernsehen! ;-)


Tilla Fuchs

En direct de la lune

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit bewerbe ich mich um eine Stelle als Volont... ach nein, das ist ja schon getan. Entschuldigung, aber manchmal geht alles so schnell. Nun bin ich schon seit einiger Zeit Volontärin des Saarländischen Rundfunks und ich muss sagen, anfänglich ist es mir schwer gefallen: als frei, freie am freiesten Mitarbeiterin durfte ich zwei Tage lang schöne Töne aufnehmen, zwei Tage schöne Töne in Form bringen und dann einen Tag lang versuchen, die schönen Töne über eine wackelige Internetleitung aus meinem improvisierten Pariser Dachwohnungsstudio Richtung Osten zu beamen. Was ankam, wurde gesendet.

Und plötzlich sollte ich von heute auf morgen um 9 Uhr im Büro sein, um 9h30 wieder rausfahren und um 11h senden? Das war neu, das war schnell und ich war zu langsam. Aber das kann ja noch kommen. „Vielleicht werdet ihr am Ende des Volontariats genau das machen, was ihr nie für möglich gehalten habt.“ Dieser Satz hallt mir aus der Bewerbungsphase nach.

Wenn ich genau überlege, dann fallen mir einige Tätigkeiten ein, die mir heute unmöglich erscheinen: live über die Frankfurter Börse zu berichten beispielsweise, eine dieser Castingshows zu moderieren oder als Exklusivreporterin die Golfweltmeisterschaften zu kommentieren. So unmöglich etwa, wie als ständige Korrespondentin vom Mond zu senden. Andererseits: vielleicht entdecke ich plötzlich eine nie geahnte wirtschaftliche Leidenschaft, vielleicht erfindet das öffentlich-rechtliche Fernsehen intelligente Casting-Formate oder vielleicht wird Michael Ballack bei der nächsten WM die Sportart wechseln?

Was ich sagen möchte, meine Damen und Herren, ich freue mich darauf, überrascht zu werden. Ici la lune - à vous SR!


Kerstin Gallmeyer

Wie man einen Berg erobert

Als Hannoveranerin aus dem norddeutschen Flachland ist das Saarland landschaftlich gesehen für mich ja fast schon Voralpengebiet. Und da ich Hügel in der Stadt einfach nicht gewöhnt bin, muss ich mit meinem Fahrrad leider jeden Tag vor dem Fuße des Halbergs kapitulieren – noch!

Meine erste Bergbesteigung lässt sich ziemlich genau auf mein drittes Semester an der Saar-Uni datieren. Zusammen mit dem Leiter des Seminars für Medien in Deutschland und Frankreich und 15 wackeren Kommilitonen erklomm ich zum ersten Mal den Halberg – zu Fuß, versteht sich. Bei äußerst unfreundlichem Novemberwetter kämpften wir uns die gefühlten 150 Stufen hoch.

Dieser mir damals ziemlich beschwerlich erscheinende Weg schreckte mich aber nicht ab. Ich kam sogar wieder. Zunächst als Praktikantin in der Diagonale-Redaktion, gleich danach bei UnserDing. Ein Kulturschock, den ich bei den Dingern langsam wieder auskurierte. Als Nachrichtenfrau entdeckte ich dort meine Leidenschaft dafür, möglichst kluge und wohl formulierte Sätze möglichst fehlerfrei ins Mikro zu sprechen.

Zum Glück darf ich das und viele andere spannende Dinge während des Volos weiterhin tun. Und dafür nehm’ ich auch gerne jeden Tag den Weg hinauf zum Halberg in Kauf. Im Moment immer noch zu Fuß – aber vielleicht ja auch irgendwann mit dem Fahrrad.

P.S.: Lieben Dank an die ganzen Kollegen, die mich morgens früh immer im Auto mit hochgenommen haben. ;-)


Verena Klein

Hessin mit ausgeprägtem Futterneid

Nach Angaben des Saarländischen Rundfunks hat Verena Klein ein Volontariat des Senders erhalten. Die 28-Jährige Hessin war der Rundfunkanstalt schon länger bekannt. In den Redaktionsräumen von SR 1 soll sie seit 2005 regelmäßig gesichtet worden sein. Augenzeugen berichten von hämmerndem Tippen an sämtlichen Redaktionscomputern bis zu lautstarken Auseinandersetzungen mit Mikrofonen und Aufnahmegeräten. Übung dafür holte sich die Wahl-Saarbrückerin in diversen Praktika beim SWR, SR und dem ZDF.

Der SR teilte mit, die Volontärin habe noch leichte Schwierigkeiten mit dem saarländischen Dialekt. Neben dem Integrationskurs "Richtig Schwenken“ und "Lyoner-Variationen für Laien“ besuche sie deshalb nun auch den "Oleck, das dòò versteh' isch nie“-Kurs.

Neben ihren Dauer-Lieblingen, den Vierbeinern mit Schweif und Mähne, reise Verena Klein auch schon mal asiatischen Zwerg-Ottern bis ans andere Ende der Welt hinterher. Außerdem habe die Hessin auch eine Vorliebe für die saarländische Köstlichkeit "Geheirade“. Diese führt bei ihr unweigerlich zu ausgeprägtem Futterneid. Der Sender warnt deshalb davor, an Tagen, an denen es "Geheirade“ in der Kantine gibt, dem Teller von Verena Klein zu nah zu kommen.

Nach Angaben der Intendanz gibt es aber derzeit Überlegungen, statt eines Anti-Futterneid-Programms das Ausbildungsgehalt der Volontärin in saarländischen Hauptspeisen auszuzahlen.


Diana Kühner

Liebe auf den zweiten Blick…

So lässt sich mein Verhältnis zum Saarland wohl am besten beschreiben. Unsere erste Begegnung war geprägt von endlosen Regengüssen und großen Verständigungsdefiziten. Aber ich hatte einen Studienplatz in Saarbrücken, also packte ich 600 km entfernt von meiner sächsischen Heimat die Koffer aus und blieb - für ein Semester, wie ich zunächst dachte…

Die Zeit verging, der Regen ließ nach, und schnell weihten mich nette Menschen in die Tiefen saarländischen Vokabulars ein. Die Liebe zwischen dem Land und mir fing langsam an zu sprießen.

Über ein Uni-Seminar fand ich schließlich meinen Weg zum SR, genauer gesagt, zum SAARTEXT. Dort malträtierte ich neben meinem Studium ganze fünf Jahre lang die Tastatur. Während dieser Zeit lernten wir uns dann so richtig kennen, das Saarland und ich. Abstecher zu SR 3 Saarlandwelle und dem Aktuellen Bericht verfestigten nicht nur unsere Beziehung, sondern auch den Wunsch in mir, nach dem Studium dem Journalismus treu zu bleiben.

Dass dieser Wunsch sich erfüllt hat und ich nun eine von neun (!!!) SR-Volontärinnen bin, habe ich nicht zuletzt dem Esprit eines Saarländers, wie er im Buche steht, zu verdanken. Mit Fleischkäsweck in der Hand und ausufernder Leidenschaft für schnelle Autos lieferte er mir im Volo-Auswahlverfahren eine Steilvorlage für meine Reportage über die Scheidter Autowaschanlage (Herzlichen Dank auf diesem Weg!).

Nächstes Jahr feiern wir Rosenhochzeit, das Saarland und ich. Zehn Jahre sind das. Bis dahin will ich viel lernen – über Recherche, Dreh, Schnitt und stilvollendetes Texten. Und sicher entdecke ich dabei auch noch viele neue Seiten am Saarland. Manchmal vielleicht erst auf den zweiten Blick.


Wolfram Jung

Manchmal sollte man einen guten Rat annehmen…

Es passiert bei mir ja ganz selten, dass ich einen guten Rat annehme. Noch seltener nehme ich einen guten Rat von Menschen an, die laut Organigramm meine Vorgesetzten sind ("Auf den Chef hören? Is doch was für Weicheier").

Nachdem mir allerdings gefühlte eine Million SR-Mitarbeiter (vom Hörfunkdirektor bis zum Vogelfreien) gesagt haben: "Wolfram, du musst unbedingt ein Volontariat machen", kam mir die zündende Idee: "Hmm, ich könnte ja ein Volontariat machen."

Und obwohl der SR gewarnt war – schließlich arbeite ich ja schon lange genug hier – wurde ich tatsächlich genommen (anscheinend hatte sich mein innovativer Umgang mit Regelwerken und Anweisungen nicht bis zur Auswahlkommission rumgesprochen). Puh! Gerade noch mal Glück gehabt.

Jetzt bin ich also drin im Regelapparat – geregelte Arbeitszeiten, geregelte Strukturen, verschiedene Formate, die bedient werden wollen – um ehrlich zu sein: Bis jetzt hat es mir noch nicht geschadet ;)

Nur eins muss ich zugeben: Es ist zu spät.... Also ich bin zu spät, denn dieser Text hätte schließlich schon vor einem Monat fertig sein sollen. Aber damit, dass ich mich an die Deadline halte, hat doch bei mir wohl eh keiner gerechnet, oder?

Und zum Abschluss noch ein paar Volo-Weisheiten:

  • "Solange man noch sagen kann „ich kann nicht mehr“, da kann man noch!"
  • "Der Sequoia triggert den Digas nur, wenn die Ramp gecued ist!"
  • "Alles ist gut. Die Welt spielt zwar verrückt, doch das ist nicht so schlimm, spiel einfach nicht mit."


Carolin Ott

Ohne Plan B

"Ohne Plan B", das ist das Motto des neuen deutschen Casting-Superstars. Auch ich bin ja irgendwie eine Casting-Siegerin, eine von acht glücklichen Gewinnern bei DSSDSV – Das Saarland sucht den Super-Volo. Und auch mein Motto lautete: Ohne Plan B! Eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, etwas anderes zu machen als zu schreiben, zu reden, zu formulieren, zu recherchieren, zu informieren, zu schneiden, zu texten, zu drehen. . .

Umso glücklicher bin ich, dass ich das Volontariat beim SR bekommen habe und mich jetzt 18 Monate lang ausprobieren darf. Auch wenn es ein langer Weg bis hierhin war. An seinem Anfang standen Kreuze, Marienbilder, Talare und Predigtmappen – die Auslage im Saarbrücker Kunsthaus Kopp. Ein Devotionaliengeschäft war so ziemlich das letzte, was ich als Thema für die Probereportage erwartet hatte. Aber irgendwie ist dann doch noch eine Geschichte draus geworden, die die Auswahljury überzeugt hat.

Mal sehen was für Themen in den nächsten 18 Monaten auf mich zukommen. Eins ist jedenfalls jetzt schon klar: ich freue mich drauf. Auf Stagen in Redaktionen, die ich bisher noch nie von innen gesehen habe und von denen im Zuge des Umbaus auch keiner mehr so genau weiß, wo sie sich eigentlich gerade befinden. Auf Fernsehen bei Aktuell, beim AB, bei SaarLorLüx, dem Kulturspiegel oder Bonus. Auf Radio bei SR3, SR2, SR1. Auf Schreiben beim Saartext und sr-online. Auf vier Wochen in der Hauptstadt und hoffentlich auch auf einen Abstecher nach Paris.

Auf das dortige savoir vivre kann ich mich jedenfalls in meiner Wahlheimat Saarbrücken schon mal bestens vorbereiten – ohne Plan B!


Boris Theobald

Metalfan mit Sprachbegabung

Die ersten 22 Jahre sind schnell erzählt: Aufgewachsen im rheinfränkisch schwätzenden Teil des Saarlandes. Schon früh in Berührung gekommen mit Fremdsprachen wie Moselfränkisch und Hochdeutsch. Schon zu Jugendzeiten auch Grundkenntnisse in Klingonisch, dann Französisch und Englisch, später auch Bayrisch.

Ausgeprägte Leidenschaften entwickelt für Schwarzen Tee (bekennender Tee-ist), Stubentiger, blau-schwarz getarnte, unterklassig spielende Malstatter Fußballmannschaften und eine Bayrin. Und für guten Rock und Metal, den zu hören ich oft quer durch die Republik fahre. Sogar ins pfälzisch, hessisch und schwäbisch sprechende Ausland.

Ab 2003 ging dann alles ganz schnell. Mein erstes Mal Halberg durch eine Hospitanz beim SAARTEXT. Fortan jahrelanges Leben in 3 x 5 Zeilen à 39 Anschläge. Journalistisches Blut geleckt, Hospitanzen gemacht bei der Saarlandwelle und beim Aktuellen Bericht.

Ende 2007 Bewerbung bei der beliebten SR-Sendung „Wer wird Volontär“. Auf den Stuhl geschafft. Seitdem Langstrecken-Volo mit 42,3 km Anfahrt vom Land in die Saar-Metropole. Das reicht musikalisch für Dream Theater - „Images And Words“ auf der Hinfahrt und Rush „Moving Pictures“ auf der Rückfahrt.


Dejan Vilov

Von Werder und Welpen

Die erste Berührung mit Presse- respektive Rundfunkarbeit war in Speyer. Für Radio RPR1 aus Ludwigshafen und Radio Rockland aus Pirmasens habe ich sog. „Verkündigungssendungen“ gesprochen und / oder produziert.

Nach dem 2. Examen folgte die Ernennung zum Pfarrer und ein vierwöchiger Dienst als Gemeindepfarrer in Altenkirchen in der Westpfalz, der dann abrupt beendet wurde durch die Möglichkeit zum SR zu gehen.

In meiner Freizeit verfolge ich - wenn nicht gerade Sommerpause und EM ist - die Spiele des SV Werder Bremen oder ich versuche, unserem Labradorwelpen halbwegs Manieren beizubringen. Mein größter Erfolg in dieser Hinsicht ist es bisher, dass er „seine Geschäfte“ nicht mehr in unserem Hausflur, sondern in der freien Natur verrichtet.

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