Die Volontäre 2002

Die glorreichen Sieben

 

Die Volontärinnen und Volontäre von 2002, drei Frauen und vier Männer, wurden aus über 70 Bewerberinnen und Bewerbern ausgewählt. Bis Ende März 2004 lernten sie die Redaktionen des Saarländischen Rundfunks kennen und konnten dabei auch persönliche Schwerpunkte setzen. Woher die sieben kommen, was sie vorher gemacht haben und was ihnen zum Thema Volontariat so einfällt, zeigen ihre Kurzporträts.


Die Volontäre im Überblick


Carmen Finzel

Die Sache mit dem Dialekt

Unter uns: Eigentlich bin ich ja keine waschechte Saarländerin. Mit dem Dialekt hatte ich anfangs so meine Probleme. Aber mittlerweile hab´ sogar ich einen "saarländischen" Pass, mein Auto ist auf Saarbrücken zugelassen und meine Hausratversicherung deckt Schäden in meiner 50 Quadratmeter-Wohnung in der Landeshauptstadt ab.

Und warum? Weil ich momentan Volontärin beim SR bin und damit ein kleiner Traum für mich in Erfüllung gegangen ist. Zugegeben: Das Volontariat ist anstrengend. Aber es macht auch jede Menge Spaß.

Jetzt kann ich das Saarland mal aus ganz anderer Perspektive sehen. Mit kritischem Blick, journalistischer Neugier und manchmal mit einem kleinen Augenzwinkern. Dazu hat das Volontariat bei einem kleinen Sender den Vorteil, dass man alle und jeden kennen lernt, in den täglichen Redaktionsablauf eingebunden wird und sich per „learning by doing“ richtig ausprobieren darf. Klar, dass kleine Misserfolge nicht ausbleiben. Wer tolle O-Töne für ein Hörfunk-Seminar gesammelt hat und erst später merkt, dass das Aufnahmegerät die ganze Zeit auf Pause stand, weiß, wovon ich rede.

Aber: Gott sei Dank hab ich vorher fünf Jahre hier studiert, sonst würde ich manche O-Töne auf "Saarlännisch" immer noch nicht verstehen. Alles in allem spricht mir der SR-Werbeslogan "Mein Land. Mein Sender." schon fast aus der Seele.
Allerdings: Meinen Dialekt wieder rauszukriegen, ist jetzt Sache der Sprecherzieher....


Frank Grundhever

Eine halbe Stunde Fernsehen in einer Woche

Es ist noch gar nicht lange her und es hallt auch heute noch heftig nach. Auch in mir... Der Horror, der Pascal und den anderen Kindern in Saarbrücken-Burbach begegnet ist, hat ganz Deutschland im Innern getroffen.

Und ich – ich ging zu jener Zeit meiner Tagesarbeit in der Nachrichtenredaktion "aktuell" nach. Bis ich überraschend gefragt wurde, ob ich an einem Fernsehfeature über den "Fall Pascal" mitarbeiten könnte. Mit Rüdiger Mörsdorf, einem renommierten Autor von Dokumentationen. Da mein Herz schon immer für die "längeren Fernsehbeiträge" schlug, war die Entscheidung leicht!

So fürchterlich die Geschichte um die missbrauchten Kinder war und ist, journalistisch gehört die Zusammenarbeit mit Rüdiger Mörsdorf und der Redaktion beim SR zu den Highlights meiner bisherigen journalistischen Arbeiten. Aber dann stellte sich irgendwann auch die Frage nach der Moral. Kann man eine Art von Spaß an einer Arbeit dieses Themas haben? Ja – ich konnte es. Aber erst, nachdem ich das ganze Ausmaß des Schreckens zu erkennen glaubte. Dann war für mich klar: Es macht Sinn, einen solchen Film zu drehen! Dass sich das Feature fernab von reißerischen Stilmitteln bewegte, bestärkte mich noch mehr in meiner Entscheidung, dabei zu bleiben.

Wir haben unzählige Interviews geführt, Drehorte gesucht, am Aufbau gefeilt... Und es gab nicht wenige Momente, in denen wir uns gegenseitig disziplinieren mussten, damit das Geschehene nicht zu nah an uns heran kommt. Denn: Wir wollten diesen Film machen – für die Zuschauer, für die Menschen in Burbach, für uns. Der Film ist gelaufen, der Schrecken ist noch da. Und ich hab' viel gelernt. Über journalistische und filmische Arbeit, über Menschen – und – über mich. So was ist möglich – in einem Volontariat.


Tatiana Kasprzyk

Drei Tage, drei Nächte und ein Kaffeeautomat

Mein schönstes Erlebnis im Volontariat? Der Moment als mir zwei Wochen nach dem Auswahlverfahren telefonisch mitgeteilt wurde, dass ich von nun an zu den Volontären gehören würde. Mein schlimmstes? Als ich am SR-Kaffeeautomaten die falsche Taste drückte und plötzlich frisch aufgebrühte Gemüsesuppe im Kaffeebecher vorfand.

Doch zurück zum Auswahlverfahren: Im August 2002 fanden sich 18 Journalimus-Begeisterte aus der ganzen Bundesrepublik auf dem Halberg ein, um drei Tage lang getestet zu werden. Am Schluss sollten sieben davon übrig bleiben.

Der erste Tag begann damit, dass ich zu spät kam (aber das nur am Rande). Dann: einen Wissenstest ausfüllen, eine Nachrichtenmeldung verfassen, einen Fernsehfilm kritisch beurteilen. Am Nachmittag mussten wir eine Hörfunk-Reportage anfertigen. Mein Thema: "Saarbahn". Und darin verbrachte ich die nächsten Stunden, um mir ein eigenes Bild zu machen.

Am nächsten Tag musste eine Internet-Seite entworfen werden. Die zweite Aufgabe: Gemeinsam mit anderen Mitbewerbern bei einer improvisierten Redaktionskonferenz eine Sendung auf die Beine stellen.

Nach drei Nächten, die sich mit dem Wort "schlaflos" perfekt zusammenfassen lassen, folgte nun am dritten Tag der Höhepunkt: Es wurde zu Einzelgesprächen geladen. Adrenalin-Ausschüttung inbegriffen. Eine Kommission von acht Personen stellte jedem Bewerber eine halbe Stunde lang Fragen. Und dann: Warten. Bis zum erlösenden Telefonanruf.

Jetzt lerne ich beim Saarländischen Rundfunk in den verschiedenen Redaktionen den Journalisten-Alltag kennen.... inklusive Kaffeeautomaten! Und die krieg ich auch noch in den Griff.


Marc Langels

AC/DC, die DEG und ich

Mit neun Jahren fand ich mein musikalisches Schicksal. Ich hatte eine recht ansehnliche Musik-Kollektion, die vor allem die Werke von AC/DC und KISS umfasste. Von diesem Zeitpunkt an musste meine Musik laut sein. Aber das alleine konnte der Sinn des Lebens noch nicht sein (obwohl.....). Nein, ich brauchte eine Beschäftigung. Da es die anerkannte Sportart des Luft-Gitarren-Spielens nicht gab, widmete ich mich anderen Formen der Leibesertüchtigung – der Erfolg war dürftig. Und was machen Menschen, die keinen Erfolg als aktive Sportler aufzuweisen haben? Sie schreiben darüber. So auch ich.

Vier Spielzeiten lang verdiente ich mir mein studentisches Zubrot dadurch, dass ich Deutsche, Nordamerikaner, Finnen, Schweden, Tschechen, Russen und Italiener über Eishockey ausquetschte. Welch eine Freude. Zudem wurde mir mein Dasein durch Arbeitskarten (was für ein Widerspruch in sich: Eishockey und Arbeit), VIP-Zelt-Aufenthalte und ähnliches versüßt. Aber irgendwie packte mich meine Rastlosigkeit, und ich brauchte einen Luftwechsel.

So schnürte ich meinen Ranzen, verließ das heimische Düsseldorf und ging in den Süden der Republik. Genauer gesagt nach München. Das Deutsche SportFernsehen (DSF) war mein Ziel. Doch finanzielle Widrigkeiten – für die ich nicht die Verantwortung übernehme – und mein Interesse, mich nicht auf ein Medium festlegen zu wollen, veranlassten mich dazu, den Weg zu einem öffentlich-rechtlichen Sender zu suchen. Da erschien mir das Saarland in einem Traum (es kann auch im Internet gewesen sein) und überzeugte mich mit seinen Reizen (und einem Ausbildungsvertrag).

Ich konnte nicht „Nein!“ sagen und so fand meine Odyssee einen ruhigen Hafen in den Armen des Saarländischen Rundfunks. Wohin die Weiterreise führt, vermag ich noch nicht zu sagen. Aber wer weiß? Vielleicht werde ich ja tatsächlich endlich sesshaft. Nur eines fehlt mir hier doch arg: meine Düsseldorfer EG.


Jochen Marmit

Die Ferne und das Saarland

Eigentlich träumt doch jeder (irgendwo) von den ganz großen Städten: Berlin, Hamburg, München. Dort leben und arbeiten - das wäre schon Klasse. So hoffte ich auf einen Volontariats-Platz in einer deutschen Metropole.

Nun, das Leben ist ein lustiger Geselle - die Zusage kam aus einer ganz anderen Himmelsrichtung, nämlich aus dem Grenzstädtchen im Südwesten: Saarbrücken. Um Himmels Willen, dachte ich: nach "Saarbrigge"? Wenn schon klein, dann wenigstens schön, so à la Heidelberg, Freiburg oder Schwerin. Mit der Vermutung, dass sich die Welt (wahrscheinlich) auch in Saarbrücken weiter drehen wird, zog ich dann schließlich doch mit Sack und Pack an die Saar.

Und um ehrlich zu sein: Auch in Saarbrücken dreht sich die Welt. Hauptsächlich dreht sie sich natürlich um das Volontariat. Seminare und Stagen, Redaktionen und Reportagen: So wahnsinnig viel Zeit, Stadt und Umland zu erkunden, bleibt eigentlich nicht. Ich gebe zu: Schade. Denn, in der Stadt ist immer was los, und die Umgebung ist klasse: Frankreich, Luxemburg oder auch die Pfalz - für jeden was dabei.

Sorry, ich möchte nicht ins Schwärmen kommen. Schließlich sind Berlin und Hamburg meine Lieblingsstädte. Doch hier in Saarbrücken hat das Leben auch so seine Vorzüge. "Saarvoir vivre" - auf alle Fälle eine Versuchung wert.

Naja, und wenn das Fernweh mal wieder zu stark wird - es gibt ja noch die Korrespondenten-Stagen in Berlin, Paris....


Marko Muhar

Wenn das Telefon nicht klingelt

Noch zwei Minuten bis zur ersten Livereportage. Übungshalber die ersten Sätze sprechen, verdammt, schon verhaspelt. Noch eine Minute. Natürlich klappt das. Komisch, das Mikro in meiner Hand zittert. Wie war der Einstieg noch mal? Auf den Kopfhörern das Radioprogramm, der letzte Refrain, dann die Stimme des Moderators, seine Frage, los geht’s. Geht’s? Es geht.

Der Fall Pascal. O-Töne sammeln in Burbach. "Wie fühlen sie sich, jetzt, wo so etwas in ihrer Nachbarschaft passiert ist?". Nach der Einstiegsfrage wird es kritisch: "Kannten sie den Jungen?". Vorher die rein journalistische Überlegung, ob man so nach Gefühlen graben (geiern?) darf. Und vor Ort die Feststellung: Man darf. Hatte ich mich vorher schon auf eine gebrochene Nase oder ein blaues Auge eingestellt, war ich vor Ort überrascht über die Offenheit und Herzlichkeit der Menschen in diesem so genannten "sozialen Brennpunkt".

Das Telefon bleibt stumm. Niemand ruft zurück. Was denken die Kollegen, wenn ich hier stundenlang blöd am Schreibtisch sitze? Für drei Minuten Radio drei Tage lang recherchieren. Und immer noch keinen Gesprächspartner an der Angel. Die anderen liefern so ein Stück nach wenigen Stunden ab. Wie blöd bin ich eigentlich?

Und außerdem: Sprints, wenn der Fernsehbeitrag erst in letzter Sekunde fertig wird. Lachflashs mit den Volontärskollegen, wenn die Anspannung nach 15 Stunden Dreh, Schnitt und Sendung abfällt. Staunen, wie gut manche sind. Sich auf die Auslandsstage freuen und auf Berlin. Abends nach Hause kommen und der Tag ist gelaufen. Hoffen, dass das Volontariat weiter aufregend, langweilig, lehrreich, unnötig, anstrengend, locker, frustrierend und witzig bleibt. Volontär sein eben.


Ricarda Wackers

Der Berg ruft

Der SR-Berg hatte immer eine besondere Anziehungskraft auf mich. Schon während des Studiums in Saarbrücken, bei dem man bekanntlich auf einem anderen Berg sitzt. Und so versuchte ich recht bald, von dem einen Berg aus Verbindung zu dem anderen Berg herzustellen.

Da ich eine Schwäche für die so genannte „klassische“ Musik habe, landete ich in der Abteilung E-Musik. Dort habe ich dann Blut in Sachen Rundfunk und Journalismus geleckt. Mit der Zeit wuchs der Wunsch, mehr davon zu sehen und zu lernen – und das kann man am besten während eines Volontariats.

Jetzt bin ich also „Volo“ auf dem Halberg. Gepäppelt mit Seminaren und Übungen im „geschützten Raum“ wurden wir Volos im Januar 2003 schließlich auf die Welt losgelassen und finden uns jetzt in den verschiedenen Redaktionen und damit im realen Journalistenalltag wieder. Und hier zeigt sich die ganze bunte Palette dieses Berufs, bei dem das Schönste ist, dass man am Morgen nie genau weiß, was der Tag so bringt.

Für mich gab es sehr viel Neues in den vergangenen Monaten. War ich vorher eher im Kultur-Bereich aktiv, habe ich jetzt vor allem den Komplex Nachrichten und das tagsaktuelle Arbeiten kennen gelernt – im Hörfunk wie im Fernsehen. Ungewohnt war besonders das Medium Fernsehen, aber hat man sich erst einmal damit beschäftigt, lässt es einen so schnell nicht wieder los.

Alles in allem: eine tolle Zeit. Und was noch besser ist: die Neugier auf das Kommende wird immer größer.

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