Die Volontäre 2000

Die acht Auserwählten

  02.12.2015 | 11:20 Uhr

Oktober 2000 begann für acht Volontäre das anstrengende Leben auf dem Halberg. Woher die Acht kommen, was sie vorher gemacht haben und was ihnen zum Thema Volontariat so einfällt, zeigen ihre Kurzporträts.


Die Volontäre im Überblick


Dorothee Scharner

Radfahren im Internet?

Dorothee Scharner war bei ardtour.de

Eine der besten Erfahrungen während meines Volontariats war sicher die Arbeit für ardtour.de während der Tour de France. Da ich eh Radsportfan bin, war das natürlich die ideale Verbindung zwischen Job und Interesse.

Dazu kam die abwechslungsreiche Arbeit im Internet. Texten fürs Web, Fotos aussuchen und bearbeiten, Videofiles schneiden und einstellen, mit dem Live-Ticker die Radsportfans im Büro im Minutentakt auf dem Laufenden halten und und und.

Das war manchmal stressig - alles will gleichzeitig erledigt sein - hauptsächlich aber spannend und spaßig. Und ganz nebenbei habe ich noch mitbekommen, was man im Web als Journalistin alles machen kann.


Armgard Müller-Adams

Gasmasken in der U-Bahn

Armgard Müller-Adams über ihre Stage in London

Die Außenstage in London war für mich eine der wichtigsten Stationen während des Volontariats. Einerseits, weil mein zweiter Arbeitstag dort der 11. September 2001 war und ich sah, wie viel näher - und deswegen wohl auch unkritischer - die Briten den Amerikanern sind.

Außerdem werde ich nie vergessen, wie am rechten Rand des Fernsehbildschirms über meinem Schreibtisch das zweite Flugzeug auftauchte. Wie ich zwischen den Bildern von den einstürzenden Türmen und dem zerstörten Pentagon versuchte, meinen Beitrag "Geschichte der Britischen Presse" zu strukturieren.

Wie meine Londoner Freunde auf mich in der Hotellobby warteten - besorgt, weil ich nicht - wie sie - aus meinem Büro evakuiert worden war. Oder wie in den folgenden Tagen die Menschen in der U-Bahn neben der unvermeidlichen Zeitung auch eine Gasmaske dabei hatten.

Andererseits war London wichtig, weil ich gemerkt habe, dass ich auch in "fremder" Umgebung und relativ auf mich gestellt, sendbares Material absetzen kann. Das machte mich für meine Folgestagen wesentlich gelassener.


Katja Preißner

Interview mit einer Diva

Katja Preißner und Brigitte Mira

Das Volontariat war - zumindest bis jetzt - die spannendste Zeit meines Lebens. Blut, Schweiß und Tränen, keine Frage. Aber auch viele Highlights. Mein liebstes? Die Begegnung mit Brigitte Mira. Denn auch echte Diven verirren sich mal ins Saarland. In diesem Fall ein zartes Persönchen, das mir nicht mal bis an die Schultern reichte. Zerbrechlich, aber mit beinhartem Willen und überwältigender Ausstrahlung.

Meine Fragen hat sie mehr als Stichwort-Pool betrachtet, aus dem man sich rausgreift, was einem so gefällt. "Frau Mira, Sie waren immer eine emanzipierte Frau, aber mit dem Begriff ´Emanzipation´ wollen Sie nichts zu tun haben." - "Ja, ich muss immer zu tun haben. Das hält mich jung." Mit der Nummer hätten wir auftreten können! Bis heute rätsele ich, ob sie wirklich so schwerhörig war, wie ihr Manager versicherte. Denn auf halblaut gemurmelte Bemerkungen konnte sie mitunter sehr präzise antworten. Wenn sie wollte...?

Es gibt aber - das darf hier nicht verschwiegen werden - für Volontäre noch ein anderes Highlight: nämlich die erste Nacht vor einer Live-Reportage, die man entspannt durchschläft....


Christian Otterbach

11. September in Washington

Christian Otterbach über seine Auslandsstage

Drei Jahre als "studentischer Mitarbeiter" beim SR – ich wusste also in etwa, worauf ich mich einlassen würde, als ich das Volontariat anfing.

Was ich aber damals noch nicht ahnen konnte: In der ersten Woche meines einmonatigen Aufenthalts in einem ARD-Auslandsstudio kam ich morgens in die Redaktion, ziemlich unausgeschlafen. Fernseher einschalten, Zeitung lesen. Ich hatte einen Hörfunkbeitrag in Arbeit, der eigentlich bis zum Nachmittag fertig sein sollte. Noch mal ein Blick auf den Fernsehschirm: CNN. Das World Trade Center in New York. Ein Flugzeug? Was? Noch eins? Die Müdigkeit ist wie weggewischt.

Kurze Zeit später beginnen die Telefone zu klingeln. Die Funkhäuser rufen an. Frankfurt, Berlin, Potsdam, Saarbrücken. Interviews zur Lage. Nur wenige Minuten später die Meldung: Weiteres Flugzeug aufs Pentagon in Washington gestürzt. Jetzt bist du mittendrin, denke ich. Es ist der Morgen des 11. September 2001 im Hörfunkstudio von SR, HR, ORB und SFB in Washington DC.

"Über Themen brauchen Sie sich jetzt wohl keine Gedanken mehr zu machen", sagt Studioleiter Hans-Peter Riese vom HR. Er nimmt die Katastrophe erst mal von der professionellen Seite. Für mich ist das Ganze ein Zusammentreffen von Traum und Albtraum. Ein grauenhaftes Ereignis, fast vierhundert Menschen sterben keine fünf Kilometer Luftlinie entfernt – und ich soll darüber berichten.

Andererseits habe ich die Möglichkeit, ganz nah an einem Ereignis dran zu sein, das die Welt verändern wird – so mancher Kollege wird mich beneiden. Im Studio wird es hektisch. Live-Interviews mit SR1 und SR3, später mit dem SR-Fernsehen. Seltsam. Die Kollegen fragen mich, wie ich mich denn jetzt fühle. Keine Ahnung, ehrlich gesagt.

Am Nachmittag mache ich mich mit einem Aufnahmegerät auf den Weg in die Stadtmitte von Washington – soweit es die Absperrungen eben zulassen. Ich befrage Menschen, die nach Hause gehen. How do you feel now? Sie haben Angst. Das Pentagon brennt, das Kapitol ist evakuiert, das Weiße Haus und das Außenministerium ebenfalls. Mir ist ein bisschen mulmig zumute.

Erst abends, als der aufregendste Tag meines Volontariats zu Ende geht, komme ich zum Nachdenken. Ist das jetzt „berufliches Glück“? Darf man angesichts so vieler Toter so etwas überhaupt sagen? Eins weiß ich sicher: Die Auslandsstation meiner SR-Volontariatszeit werde ich nie vergessen.


Peter Weitzmann

Aus Reichstag und Kanzleramt

Peter Weitzmann über seine Stage in Berlin

Im Volontariat empfand ich die 4-wöchige Außenstage im Hauptstadtstudio der ARD als ein wirkliches Highlight. Dort kann man in der Hörfunk-Gruppe des SR mal so richtig das Leben als Hauptstadtkorrespondent miterleben. Nachrichtenminuten und lange Beiträge müssen meist unter hohem Zeitdruck produziert werden. Aber daran gewöhnt man sich schneller, als man es sich vorgestellt hätte.

Immerhin hat man "zu Hause" ja schon Schulungen gemacht und in den Redaktionen praktische Erfahrungen gewonnen. Wenn man Glück hat kann man dann in Berlin die Themen bearbeiten, für die man sich schon immer interessiert hat - bis hin zur ganz hohen Politik.

Und: Man kommt an Orte an die man als Normalsterblicher nicht hinkommt. Ein Spaziergang durch den Reichstag - jenseits der Touristenschlangen - oder Pressekonferenzen im Kanzleramt, ein Interview mit dem Außenminister auf den Treppen des Reichstages? Alles inklusive. Abends und am Wochenende stellt man dann fest, warum Berlin eben doch die einzig wahre deutsche Metropole ist. Theater und Programmkinos in Hülle und Fülle, Szenelokale in Kreuzberg und am Prenzlauer Berg usw.


Jochen Müller

Mit dem Tross durch Frankreich

Jochen Müller war bei der Tour de France

Ich erzähle euch watt vum Schpocht, d. h. meiner "Stage" dort (an dieses aus dem Französischen entlehnte Wort für "Station" oder so müsst ihr euch beim Frankreich-kompetenten SR - das ist jetzt ausnahmsweise mal keine Ironie - gewöhnen).

In der Sportredaktion kannte ich mich schon recht gut aus. Da traf es sich gut, dass ich vier Monate vorher im Mai - während meiner Stage bei RFI (Radio France International) - angeboten bekam, doch die letzten beiden Tour de France-Wochen für die deutsche Redaktion von RFI zu begleiten (Live-Reportagen und auch gebaute Stücke).

Da habe ich dann auch nicht "Nein" gesagt, und die Zeit war wirklich klasse: Es ging zwar richtig zur Sache und nach den 14 Tagen war der Akku sowas von leer, aber mit diesem Tour-Tross durch Frankreich zu tingeln, so nah an den Sportlern und mit so vielen Kollegen - das ist schon etwas ganz Besonderes...

Das war natürlich ein absolutes Highlight während der 18 Monate SR-Volontariat, aber erstens steht mir noch die Auslands-Stage (Madrid) ins Haus, und zweitens war es in jeder Redaktion spannend: ob Hörfunk-Nachrichten oder Fernseh-Kultur, HF-Region oder FS-Wirtschaft, HF-Unterhaltung oder FS-Aktuelles, HF-Feature oder Online-Redaktion - man nimmt überall was mit. In diesem Sinne...


Sascha Klein

Kurze Wege

Sascha Klein über die Vorteile eines kleinen Senders

Als ich mit dem Volontariat anfing, war ich in den Bereichen Hörfunk und Fernsehen noch ziemlicher Neuling. Da ist die trimediale Ausbildung beim Saarländischen Rundfunk natürlich genau das Richtige für mich. Das Volontariat beim SR bietet mir nämlich die Möglichkeit, mich nach meinen Print- und Online-Erfahrungen mit Hörfunk und Fernsehen vertraut zu machen.

Aber beim Volontariat geht es nicht nur darum, verschiedene Medien kennen zu lernen. Ich durchlaufe in Radio, Fernsehen und Online sehr verschiedene Bereiche. Der Vorteil ist klar: Ich komme in viele Redaktionen, die sich in der Arbeitsweise zum Teil stark unterscheiden. Da kann ich dann "am lebenden Objekt" heraus finden, was mir am meisten Spaß macht. Das Volontariat dient mir also auch als neuerliche Orientierungsmöglichkeit.

Nun zählt der Saarländische Rundfunk bekanntermaßen zu den kleineren ARD-Anstalten. Aber genau darin sehe ich auch einen großen Vorteil: Die Wege sind kurz, man kann z.B. schnell mal bei einem Ausbildungsbeauftragten vorbei gehen, wenn man eine Frage oder ein Problem hat. Der "kleine" SR hat auch nicht so viele Redaktionen wie eine große Anstalt. Dafür kriege ich aber fast alle Stationen des Hauses im Rahmen meiner Ausbildung zu Gesicht. So bekomme ich vielleicht ein umfassenderes Gesamtbild vom Sender, als meine Kollegen in den großen Rundfunkanstalten.


Sven Behrmann

Schwerpunkte gesetzt

Sven Behrmann zwischen Info und Satire

Journalistisch interessieren mich vor allem mögliche Schnittmengen von Information und Unterhaltung. Satire finde ich klasse und kann sie stundenlang anschauen, anhören, darüber lachen und reden. Beim Volontariat habe ich meine Wahlstationen dann auch in diesen Bereich gelegt.

Für meine Auslandsstage hatte ich Paris gewählt. Da ich dort schon studiert hatte, kannte ich Stadt und Sprache bereits sehr gut. So konnte ich schnell loslegen. Leider war der Zeitpunkt im Nachhinein ungünstig gewählt, denn die politische Aufmerksamkeit richtete sich im Oktober 2001 nach Afghanistan. Deshalb habe ich hauptsächlich kulturelle und Unterhaltungsbeiträge gemacht.

Richtig gefordert war ich, als einmal alle Paris-Korrespondenten beim deutschen Botschafter waren - außer mir, weil ich ihn zwei Tage zuvor bereits interviewt hatte. So war ich der Einzige, der schnell auf die Nachricht vom Tod der Prinzessin Soraya reagieren konnte. So war ich ARD-weit zu hören.

Und es ist auch gar nicht schlecht, dass der SR ein kleiner Sender ist: Die Redaktionen sind immer froh, wenn sie den Volontär kräftig einsetzen können. Praxis en masse also. Und bei welchem anderen ARD-Sender wird ein Volontär vom Programmdirektor auf dem Flur namentlich - freundlich - gegrüßt?!

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