Bettwanzen (Foto: Bettwanzen)

Urlaubsmängel richtig reklamieren

Yvonne Schleinhege   09.08.2017 | 10:40 Uhr

„Erholsamer Traumurlaub im Top-Hotel“ – so stand es im Katalog. Aber dann ist das Zimmer klein wie eine Abstellkammer, der Blick fällt auf den Parkplatz statt aufs Meer, das Frühstück ist mickrig, abends wummern die Bässe der Disko nebenan oder man teilt sich mit dem örtlichen Ungeziefer sein Bett. Als Urlauber ist man schnell enttäuscht. Doch wie reklamiert man solche Mängel richtig? Der Verbrauchertipp von Yvonne Schleinhege.

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Verbrauchertipp: Urlaubsmängel richtig reklamieren
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 09.08.2017, Länge: 05:12 Min.]
Verbrauchertipp: Urlaubsmängel richtig reklamieren

Alptraum statt Traumurlaub: Ihre Rechte

Ausspannen und die Seele baumeln lassen. Den Rundum-Service einer Pauschalreise genießen statt sich über die Arbeit ärgern. So soll der perfekte Urlaub eigentlich aussehen. Doch am Ende kann es auch dort Ärger geben: Kakerlaken im Zimmer, ein verdreckter Pool oder Baulärm neben dem Hotel – auch bei der Verbraucherzentrale melden sich derzeit viele Urlauber, die Mängel reklamieren wollten berichtet Eva Ludwig.

Reisemangel oder Unannehmlichkeit!?

Als Verbraucher muss man einen Reisemangel von einer bloßen Unannehmlichkeit unterscheiden. Wird neben dem Hotel täglich mehr als 5 Stunden gebaut, ist das ein Reisemangel. Stört hingehen die Animation im Hotel bis zum späten Abend, ist das eine Unannehmlichkeit.

Grundsätzlich gilt:
Ein Reisemangel ist gegeben, wenn die Reiseleistung des Veranstalters von den Vereinbarungen im Reisevertrag abweicht. Entscheidend ist, was in der Prospektbeschreibung oder in der Reisebestätigung steht.

Mängel direkt anzeigen

Wichtig ist: sich nach dem Ende des Urlaubs beim Reiseveranstalter über den Reisemangel zu beschweren reicht nicht aus. Vielmehr muss man ihn bereits direkt am Urlaubsort bei dem Reiseleiter melden. Der Reiseveranstalter muss vor Ort die Möglichkeit bekommen, den Mangel innerhalb einer bestimmten Frist zu beseitigen, so die Verbraucherrechtsberaterin Eva Ludwig. Wichtig sei, dies schriftlich zu tun. Außerdem ist es ratsam Fotos oder Videos als Beweis zu machen.

Auf der Internetseite der Verbraucherzentrale oder des ADAC gibt es Musterformulare für eine Mängelanzeige am Urlaubsort. So ein Formular sollte man sich vom Reiseleiter unterschreiben lassen und entsprechende Beweise sichern. Wurden die Mängel während der Urlaubsreise nicht behoben, kann man Ansprüche auf eine Entschädigung nach dem Urlaub bei Reiseanbieter geltend machen.

Vier Wochen Frist

Der Baustellenlärm am Pool geht auch nach der Anzeige beim Reiseleiter vor Ort weiter. Ein guter Grund nach dem Urlaub eine Reisepreisminderung bei Reiseveranstalter anzuzeigen, so Eva Ludwig von der Verbraucherzentrale Saarland. Dafür hat man vier Wochen Zeit.

Seine Ansprüche macht man am besten schriftlich geltend. Dafür sollte man die Mängel auflisten und genau beschreiben. Im Idealfall legt man noch ein Foto oder ähnliches als Beweis dazu.

Mustertabellen online

Wichtig ist: man muss selbst die Summe beziffern, die man als Entschädigung vom Reiseveranstalter verlangt. Hier kann man sich an entsprechenden Gerichtsurteilen orientieren, so die Rechtsexpertin Eva Ludwig. Eine Mängeltabelle gibt zu Bespiel beim ADAC, im Internet findet man auch die sogenannte Frankfurter Tabelle.

Bei Schimmelpilzbefall kann man zwischen 3 und 30 Prozent des Reisepreises zurück fordern, bei einer defekten Klimaanlage 10 Prozent oder ist der versprochene Strand am Hotel nicht benutzbar sind es 20 Prozent. Wichtig ist, dass man als Kunde hartnackig bleibt, so die Erfahrung der Verbraucherberatung. Im Zweifelsfalle kann man Hilfe bei der Verbraucherzentrale bekommen.

Ärger mit dem Flug

Bei der Pauschalreise kann es aber nicht nur Ärger mit dem Hotel geben, sondern auch mit dem Flug. Als Verbraucher habe ich hier zwei Möglichkeiten Schadenersatz zu bekommen, so Eva Ludwig. Entweder man wendet sich an die Fluggesellschaft oder an den Pauschalreiseveranstalter. Wende ich mich an die Airline gilt die sogenannte EU-Fluggastrechteverordnung. Ab drei Stunden Verspätung stehen Urlaubern hier je nach Flugstrecke zwischen 250 und 600 Euro zu. Wendet man sich an den Reiseveranstalter gilt eine Verspätung von über vier Stunden als Reisemangel.

Der Tipp der Expertin: bei Flugverspätung sollte man sich besser direkt an die Airline wenden. Auf Grundlage der EU-Fluggastrechteverordnung sei es oft einfach eine Entschädigung zu bekommen. Das gilt aber nur für den Flug.

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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