eine Frau telefoniert mit ihrem Handy im Urlaub (Foto: imago/Action Pictures)

Roaming: Keine Kosten mehr fürs telefonieren und surfen im EU-Ausland

Yvonne Schleinhege   07.06.2017 | 11:47 Uhr

Rechtzeitig zum Beginn der Urlaubshochsaison fallen die EU-Roaming-Gebühren zum 15. Juni weg. Jahrelang hatte die EU darum gekämpft, nun kostet Telefonieren, SMS und Surfen im EU-Ausland genauso viel wie in der Heimat. Allerdings sollte man dennoch etwas umsichtig sein, denn es lauern weiterhin Kostenfallen.

Wer in diesem Sommer ins EU-Ausland in den Urlaub fährt, kann in der Regel relativ sorglos in die Heimat telefonieren oder unterm Sonnenschirm mit dem Smartphone surfen. Telekommunikationsanbieter dürfen künftig keine Extra-Kosten mehr verlangen; auch Flatrates gelten genauso wie im Heimatland.

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Innerhalb der EU: Telefonieren und Surfen wie Zuhause
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 14.06.2017, Länge: 01:48 Min.]
Innerhalb der EU: Telefonieren und Surfen wie Zuhause
Wer in Frankreich am Badesee unterwegs ist, der wird möglichweise direkt in den Genuss kommen: ab Donnerstag, 15. Juni, gibt es keine Roaming-Gebühren mehr. Telefonieren oder Surfen im EU-Ausland kostet dann genauso viel wie Zuhause. Europa zeigt damit: Es kann den Alltag der Menschen zum Besseren verändern – gerade hier in der Grenzregion.

Regelung gilt nur für EU-Staaten

Diese Regelung gilt für alle EU-Staaten sowie Island, Norwegen und auch Lichtenstein. Für Großbritannien gilt das kostenfreie Roaming, solange das Land noch Mitglied der EU ist. Außerhalb der EU, zum Beispiel in der Türkei oder der Schweiz, können weiterhin Roaming-Gebühren erhoben werden. Je nach Reiseland können die auch sehr teuer werden.

Neue Tarife mit nationaler Einschränkung

Für die Telekommunikationsanbieter war das Roaming natürlich eine gute Einnahmequelle. Entsprechend zähneknirschend haben sie die neue EU-Verordnung auch hingenommen. Es gibt daher Anbieter, die nun mit bestimmten, meist günstigen National-Tarifen locken, so Daniel Pöhler von der Finanztipp. Hier können dann Kosten für Telefonieren oder Surfen im Ausland anfallen. Meist erkenne man diese an dem Zusatz „National“ im Angebot. Ganz grundsätzlich dürfen Anbieter Tarife im Programm haben, die kein Roaming erlauben oder bestimmte Kapazitäten erlauben. Hier sollte man genau in die Vertragsdaten schauen.

Fair-Use-Grenze

Aber auch jenseits besonderer Tarife können Mobilfunkanbieter Kunden weiterhin Roamingaufschläge in Rechnung stellen, sofern der Nutzer die sogenannte Fair-Use-Grenze überschreitet. Mit dieser Maßnahme sollen, laut Bundesnetzagentur, zum einen eine missbräuchliche Nutzung und das Dauer-Roaming unterbunden werden – beispielsweise der Kauf einer günstigeren SIM-Karte im Ausland oder wenn der Kunde sich dauerhaft im Ausland aufhält, aber einen in seinem und für sein Heimatland abgeschlossenen Vertrag nutzt.

Grenzregionen nicht betroffen

Nach Angaben der Bundesnetzagentur können Anbieter Aufschläge verlangen, wenn man zum Beispiel mehrere Monate sein Handy im Ausland nutzt. Von dieser Fair-Use-Grenze ist man als Saarländer in der Grenzregion aber eher nicht betroffen. Wählt sich das deutsche Smartphone gelegentlich oder auch täglich in das französische oder luxemburgische Netz ein, ist das kein Problem, so Daniel Pöhler von der Finanztipp. Zum Beispiel auch, wenn man in Luxemburg arbeitet und tagsüber das deutsche Smartphone nutzt. Wichtig nur der Wohnsitz muss in Deutschland sein.

Auslandspakete kündigen?

Viele Grenzgänger haben bereits seit Jahren Auslandspakete in ihrem Mobilfunkvertrag dazu gebucht. Ganz grundsätzlich gilt: diese Pakete brauche ich ab dem 15. Juni nicht mehr. In der Regel sind die Anbieter auch verpflichtet ihre Kunden auf solche Pakete aufmerksam zu machen und man kann sie Problemlos kündigen. Entscheidend sind aber auch hier Vertragsdetails. Wer also schon länger Auslandsoptionen hat, sollte sich genau informieren.

Vorsicht bei Kreuzfahrten

Der Experte Daniel Pöhler hat aber noch einen besonderen Tipp: Vorsicht bei Kreuzfahrten. Auf Schiffen können für Verbraucher auch innerhalb der EU hohe Kosten anfallen. Für die auf vielen Schiffen eingerichteten Board-Funknetze gilt die EU-Verordnung nicht. Daher sollte man genau nachschauen, welches Netz man gerade nutzt und die automatische Netzwahl des Smartphones ausschalten. Manchmal ist es sinnvoll, die Landgänge zum Telefonieren zu nutzten.

Tipps für lange Fernreisen: Auslands-Sim

Wer sich über längere Zeit im Ausland außerhalb der EU aufhält, sollte sich vorab auch über einen Ausland-Sim informieren. Dafür gibt es spezielle Anbieter. Vor einigen Wochen hat die Finanztipp diese Anbieter getestet. Für die beliebtesten Reiseländer der Deutschen, USA, Australien, Thailand, Südafrika und China, bieten sich zum Beispiel die Auslands-Sim-Karten vom Holidayphone und Travsim an. Praktisch ist: diese Sim-Karten kann man sich schon vor dem Urlaub nach Hause schicken lassen.

Durchblick im Tarifdschungel

Grundsätzlich gilt: Durch die Abschaffung des Roamings wird der Tarifdschungel bei dem Smartphone-Verträgen noch undurchsichtiger. Verbraucher sollten also noch besser vergleichen und auch das Kleingedruckte studieren. Hilfe bietet dabei auch der Tarifrechner der gemeinnützigen Verbraucherplattform Finanztipp.

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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