Patienten im Strömungskanal einer Reha-Klinik (Foto: SR)

Nicht nur für Senioren: Einfach zur Kur

Yvonne Schleinhege   28.06.2017 | 11:50 Uhr

Manchmal raubt der Alltag mehr Kraft als ein Mensch aufbringen kann: Stress bei der Arbeit und mit dem Familienleben kommen oft zusammen. Aber auch Rückenschmerzen, Übergewicht oder Herz-Kreislaufbeschwerden können Gründe sein, sich frühzeitig um seine Gesundheit zu kümmern. Eine Option sind ambulante oder stationäre Vorsorgekuren. Welche Kuren es gibt und wie man sie richtig beantragt, klärt der SR 3-Verbrauchertipp.

Ein Ortswechsel kann der richtige Weg sein, wieder Kräfte zu sammeln, gesund zu werden oder einer Verschlimmerung von Beschwerden vorzubeugen. Klassische Kuraufenthalte an anerkannten Kurorten, sind hier eine Option. Auch wenn es den Begriff „Kur“ schon seit einigen Jahren nicht mehr gibt, so ist er doch umgangssprachlich immer noch geläufig. Fachleute sprechen hingegen von Vorsorge und von Rehabilitation.

Anlass: Vorsorge oder Reha

Beide sprechen unterschiedliche Anwendungsbereiche und Ziele an. Vorsorgeanwendungen wie die ambulante oder stationäre Vorsorgekur sollen die Gesundheit erhalten. Die Reha soll die Gesundheit nach einer Operation oder einem Unfall wiederherstellen. Letztere verordnet der Arzt, wenn die Krankheit bereits eingetreten ist. Sie soll schwerwiegende Spätfolgen, Behinderungen oder eine Verschlimmerung der Krankheit vermeiden. Neben der Reha und Vorsorge gibt es noch spezielle Kuren für Eltern (Mutter-Kind-Kur) oder Vorsorgekuren für pflegende Angehörige.

Grundsatz: Ambulant vor Stationär

Ganz grundsätzlich gelte im Kurwesen die Formel „ambulant vor stationär“, so Eugénie Zobel-Kowalski von der Finanztest. In der aktuellen Ausgabe (Juli 2017) haben die Verbraucherschützer Kuren genauer unter die Lupe genommen. Mit ambulant sind in der Regel einzelne, ambulante Maßnahmen am Wohnort des Patienten gemeint. Reicht diese nicht aus oder sind diese Anwendungen bereits ausgeschöpft, kann der Hausarzt ambulante oder stationäre Vorsorgekuren verschreiben. Bei der Reha gilt: Genügen ambulante Maßnahmen nicht, kann ein stationärer Reha- Aufenthalt verordnet werden.

Ambulante Vorsorgekur

Egal ob erschöpfter Student, rückengeplagter Schichtarbeiter oder athrosegeplagter Rentner – ganz grundsätzliche können alle in Ansprache mit dem Hausarzt einen Antrag auf eine Kur stellen. Bescheinigt der Arzt, dass eine ambulante Vorsorgekur medizinisch erforderlich ist, erstatten die Krankenkassen oftmals auf Antrag bestimmte Kurkosten. Wichtig ist, bei der ambulanten Kur muss der Versicherte Urlaub nehmen. Die Krankenkasse übernimmt einen Großteil der Kosten für den Kurarzt und die Kurmittel; die Verpflegung und Unterkunft zahlt der Versicherte selbst, denn er ist nicht in einer Kurklinik untergebracht. Ziel ist es, dass der Patient lernt mit seinen gesundheitlichen Problemen umzugehen und das sich Krankheiten nicht verschlimmern.

Stationäre Vorsorgekur

Einen Schritt weiter als die ambulante Vorsorgekur geht die stationäre Vorsorgekur. Der Versicherte ist während dieser Kur arbeitsunfähig geschrieben und wird in einer anderkannten Kureinrichtung oder -klink behandelt. Er wohnt und isst dort und hat dort auch alle Anwendungen und Therapien. Im Gegensatz zur ambulanten Variante übernimmt die Krankenkasse alle Kosten, bis auf eine sehr geringe Selbstbeteiligung. Voraussetzung sind in der Regel chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, Atemwegsprobleme, Allergien oder psychosomatische Probleme. Wie bei der ambulanten Kur beantragen der behandelnde Arzt und der Patient die Kur bei der Krankenkasse.

Schritt für Schritt zur Kur

Jeder gesetzlich Versicherte kann grundsätzlich alle drei oder vier Jahre eine Vorsorgekur in Anspruch nehmen. Antragsformulare gibt es bei den Krankenkassen. Der erste Gang führt den Kurwilligen dann zum Hausarzt, dieser muss die Kur aus medizinischer Sicht befürworten und geeignete Behandlungen empfehlen. Wichtig ist, dass die Kur gut begründet wird. Sinnvoll kann es sein, dass der Versichterte auch einen persönlichen Bericht schreibt. Antrag und Nachweise werden bei der Krankenkasse eingereicht, diese leitet beides meist an den Medizinischen Dienst (MDK) zur Überprüfung weiter. Gibt der Grünes Licht, ist die Kur bewilligt. Bei der ambulanten Vorsorgekur muss der Arbeitnehmer dann schnellstmöglich Urlaub einreichen.

Richtig Widerspruch einlegen

Unter Umständen kann die Kur aber auch abgelehnt werden. Krankenkassen begründen dies zum Beispiel mit der nicht gegeben medizinischen Indikation. Dennoch kann es sinnvoll sein Widerspruch einzulegen, so die Spezialistin von der Finanztest, denn ein Drittel der Widersprüche waren 2015 erfolgreich. Der Versicherte und der Arzt haben einen Monat Zeit dieses zu tun. Hilfreich kann ein Blick in das Gutachten des MDK sein um darin Anhaltspunkte für die Begründung zu finden. Hilfreich kann zudem ein persönlicher Bericht oder eine Stellungnahme eines weiteren Arztes sein. Letzter Schritt ist eine Klage; Gerichtskosten fallen hier in der Regel nicht an.

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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