Eine Kündigung liegt im Büro auf einem Kalender. (Foto: dpa)

Kündigung trotz Krankheit?

Was Arbeitnehmer wissen müssen

Karin Mayer   05.07.2017 | 10:40 Uhr

Viele sind davon überzeugt: Wer krank ist, kann nicht gekündigt werden. Ein Irrglaube, denn die Kündigung ist sowohl während als auch wegen Krankheit möglich.

Kündigungen dürfen während einer Krankheit ausgesprochen werden. Dabei gelten aber die Regeln des allgemeinen Kündigungsschutzes, betont Timm Lau von der Arbeitskammer des Saarlandes. Betriebe mit mindestens zehn Beschäftigten müssen die Kündigung sozial gerechtfertigt durchführen.

Krankheit als Kündigungsgrund

Eine Krankheit kann auch Kündigungsgrund sein. Ein Dachdecker, der wegen Schwindels nicht mehr auf Dächer steigen kann, muss nicht weiterbeschäftigt werden. Ganz einfach ist die Kündigung wegen Krankheit aber nicht. Dazu müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Negative Zukunftsprognose - Das bedeutet, der Arbeitnehmer wird weiter wegen der Krankheit ausfallen oder kann seine Arbeit auch in Zukunft nicht mehr erledigen.

  • Es kommt wegen der häufigen Fehlzeiten zu Störungen im Betrieb. Das ist vor allem in kleineren Unternehmen der Fall.

  • Es muss eine Wiedereingliederung versucht worden sein. Zudem geht es um die Frage, ob der Arbeitnehmer in einem anderen Bereich eingesetzt werden kann. Das ist in Großunternehmen eher möglich als in kleineren Betrieben.

Nicht nur eine Langzeiterkrankung kann ein Kündigungsgrund sein. Wer sich häufig für kurze Zeit krank meldet und dadurch über das Jahr verteilt mehr als sechs Wochen fehlt, kann ebenfalls gekündigt werden. Vorausgesetzt, der Ablauf im Betrieb wird durch die Fehlzeiten gestört und es gibt wenig Aussicht auf Besserung.

Krank zur Arbeit?

Nach Angaben der Arbeitskammer des Saarlandes wird immer häufiger eine Kündigung wegen Krankheit ausgesprochen. Lau erklärt das mit der geänderten Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes zum Urlaubsanspruch nach Krankschreibung. Demnach können Arbeitnehmer ihre Urlaubsansprüche länger geltend machen. Dadurch kommen zusätzliche Kosten auf die Unternehmen zu, was wiederum zu einem Anstieg der Kündigungen wegen Krankheit führt.

Wer krank ist, sollte trotzdem nicht zur Arbeit gehen, sagt Lau. Man tue den Kollegen nichts Gutes, wenn man sie ansteckt. Anders sieht es aus, wenn es um eine "Unpässlichkeit" geht. Wenn schon mehrere Kurzerkrankungen vorliegen, sollte man überlegen, ob man sich nicht zusammenreißen kann, so Lau.

Im vergangenen Jahr waren Arbeitnehmer in Deutschland im Durchschnitt 15,2 Tage im Jahr krank. Das geht aus dem Gesundheitsreport 2017 der Techniker Krankenkasse hervor.

Kündigung bei Schwerbehinderung

Schwerbehinderte können grundsätzlich nur gekündigt werden, wenn das Integrationsamt zustimmt. Nach Angaben der Arbeitskammer ist das ist nicht ausgeschlossen, aber schwer. Schwerbehinderte haben meist schon einen leidensgerechten Arbeitsplatz. Er kann angepasst werden, wenn sich eine Krankheit verschlechtert, dafür können Arbeitgeber Zuschüsse bekommen.

Über dieses Thema wurde auch auf SR 3 Saarlandwelle in den Buten Funkminuten berichtet.

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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