Ein Kunde tankt Diesel (Foto: dpa)

Diesel-Debatte: Diesel schnell verkaufen oder nicht?

Yvonne Schleinhege   26.07.2017 | 10:40 Uhr

Der Diesel-Skandal in Deutschland zieht immer weitere Kreise. Fahrverbote für Diesel in Großstädten, neue Umweltplaketten, aufwendiges Nachrüsten – das alles steht zur Debatte. Stellt sich für aktuelle Diesel-Fahrer natürlich eine Frage: Soll ich jetzt schnell verkaufen oder nicht? Dazu im Studiogespräch SR 3-Wirtschaftsredakteurin Yvonne Schleinhege.

Schon jetzt zeigten sich erste Auswirkungen des Diesel-Skandals am Automobilmarkt. Besonders bei den Neuzulassungen geht die Zahl der Diesel-Fahrzeuge zurück. Nach aktuellen Zahlen (Juni 2017) des Kraftfahrtbundesamtes ist die Zahl der Neuzulassungen an Diesel-PKW im Vergleich zum Vorjahresmonat um rund 18 Prozent zurückgegangen. Die Neuzulassungen bei den Benzinern sind um rund 7 Prozent gestiegen.

Audio

Verbrauchertipp: Diesel - Verkaufen oder nicht?
Audio [SR 3, Studiogesrpäch: Christian Job / Yvonne Schleinhege, 26.07.2017, Länge: 05:25 Min.]
Verbrauchertipp: Diesel - Verkaufen oder nicht?

Gebrauchtwagenmarkt: Mehr Diesel auf dem Markt

Schaut man sich den Gebrauchtwagenmarkt an, kann man bisher noch nicht feststellen, dass die Preise für Diesel-PKW dramatisch fallen. Allgemein kann aktuell wohl die These aufstellen werden, dass das Angebot an gebrauchten Diesel steigt, die Preise bisher aber eher leicht zurückgehen. So sind auch die Zulassungszahlen an gebrauchten Diesel-PKW noch nicht dramatisch eingebrochen. Nach Zahlen der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) bekam ein Halter eines drei Jahre alten Diesels im Juni 2017 einen Restwert von rund 54,9 Prozent des Listen-Neupreises; im Juni 2016 lag dieser ähnlich hoch. Der Trend insgesamt ist allerdings abnehmend. Die Gebrauchtwagen-Portale im Internet beobachten, dass es wesentlich länger dauert bis Diesel-PKW verkauft werden. 

Fahrverbote, Neue Plaketten? Was nun?

Die Devise für alle Diesel-Fahrer lautet: Ruhe bewahren. Noch gibt es von Politik und den Autobauern keine ganz klaren Entscheidungen, welche Konsequenzen es wirklich gibt. Die saarländische Landesregierung hatte zuletzt deutlich gemacht, dass man im Saarland keine Fahrverbote will. Entscheidend wird auch die Frage sein, ob die Autobauer Diesel-Fahrzeuge umrüsten müssen und wer am Ende welche Kosten tragen wird.

Expertentipp: Jetzt nichts überstürzen

Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Verbraucherportals Finanztip, rät Kunden, die sich sowieso aktuell ein neues Auto anschaffen wollen, nun zu handeln und vielleicht die Chance zu nutzen bevor klar wird, welche Konsequenzen der Abgas-Skandal für Dieselfahrer hat und die Preise für Diesel-Autos weiter fallen.  Wer vor hat sein Auto noch länger zu fahren, und eher der Typ ist, der sein Auto „lebenslänglich“ fährt, sollte lieber abwarten. Jetzt einen neuen Diesel zu kaufen, davon rät der Verbraucherexperte ab. Wer ein Auto des VW-Konzerns mit manipulierter Software besitzt, könne jetzt die die Gelegenheit ergreifen, das Auto einfach zurückzugeben und auf Entschädigung zu klagen.

Nachrüsten: Was kommt auf Dieselfahrer zu?

Welche Autos nachgerüstet werden können und müssen, darüber wird aktuell viel diskutiert. Möglich ist, dass davon nicht nur die EURO5- Diesel betroffen sind, sondern auch neuere EURO6-Diesel. Wer letztendlich dafür aufkommt, darüber verhandelt gerade die Politik. Technisch scheint es nach Aussagen des Portal Finanztips  wahrscheinlich möglich zu sein, Diesel mit Euro-5 auf Euro-6 aufzurüsten. Experten gehen, laut Finanztip, von Kosten von etwa 1500 bis 2000 Euro aus. Etwa 40 Prozent aller Diesel fallen in die Kategorie Euro-5. Allerdings ist das in Expertenkreise das Umrüsten nicht unumstritten. Auch hier heißt daher der Rat: Abwarten.


Mehr zum Thema

Saarland
Diesel, Diesel, Diesel
Diesel-Abgasaffäre und Diesel-Gipfel. Die Beiträge zum großen Diesel-Thema gibt es hier in einer Übersicht.

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen