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Ernährung als Glaubensfrage

Birte Olig   16.06.2017 | 11:36 Uhr

Für viele Menschen ist Essen einfach Genuss. Sie greifen beherzt zu, ohne darauf zu achten, wie viele Kalorien sie da gerade zu sich nehmen oder ob das, was sie gerade essen, ihrem Körper gut tut. Andere wiederum üben sich in Verzicht, ihrer Gesundheit oder etwa dem Tierwohl zuliebe. Essen wird immer mehr zur Glaubensfrage - im Rahmen der ARD-Themenwoche 2017 "Was glaubst du" unser Thema in "Kappes, Klöße, Kokosmilch".

Sendung: Samstag 17.06.2017 11.00

Fragt man die Menschen auf der Straße nach ihren Ernährungs-gewohnheiten, bekommt man ein buntes Potpourri zu hören. Doch immer mehr Menschen entscheiden sich ganz bewusst für einen ganz bestimmten Ernährungsstil. Vegetarisch oder vegan – also fleischfrei oder tierproduktfrei – sind da noch die gängigsten Modelle. Es gibt aber noch mehr.

Essen nach Modell

Paleo- oder Steinzeitdiätler:  Sie essen ausschließlich Nahrungsmittel, die schon unsere frühen Vorfahren zu sich nahmen. Also Beeren, Wildfleisch, Gemüse oder Nüsse. Sie meiden dagegen industriell hergestellte Lebensmittel.

Frutarier:  Sie essen nur pflanzliche Produkte und achten dabei darauf, dass die Pflanzen nicht beschädigt werden. Sie ernähren sich von Pflückbarem, also Obst, Samen und Nüssen.

Foodies:  Sie legen Wert auf qualitativ hochwertige Speisen, die sie oft auch selbst zubereiten. Essen in Gesellschaft  wird zur einer Art Hobby.

Audio

Kappes, Klöße, Kokosmilch: Ernährung als Glaubensfrage
Audio [SR 3, Birte Olig, 17.06.2017, Länge: 04:52 Min.]
Kappes, Klöße, Kokosmilch: Ernährung als Glaubensfrage

Lebenshalt am Supermarktregal

Für viele, sagt der Göttinger Ernährungspsychologe Thomas Ellrott, sei die Entscheidung für einen Ernährungsstil vor allem eine Glaubensfrage:

 Ernährung kann heute tatsächlich fast als Ersatzreligion verstanden werden. Es gibt zunehmend Menschen, bei denen der Kauf im Bio-Supermarkt den Kirchgang ersetzt. Glaube nimmt an Bedeutung ab und die Leute suchen nach ähnlichen Kontaktmöglichkeiten, ähnlichen Erfüllungen. Manche entdecken dafür den Ernährungsstil.“

In einer immer komplexer werdenden Welt böte der bewusst gewählte Ernährungsstil dem Menschen das Gefühl, einen bestimmten Bereich seines Lebens unter Kontrolle zu haben, so Ellrot. In seinen Ernährungsgewohnheiten finde man Halt - Halt am Supermarktregal, sozusagen.

Gesünder ohne Fleisch, Gluten und Lactose?

Nicht nur die Zahl der Vegetarier oder Veganer ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Auch die Anzahl derjenigen, die sich bewusst für ein Leben ohne gluten- oder lactosehaltige Lebensmittel entscheiden, ohne dass sie an einer Unverträglichkeit leiden, wächst. Doch wie gesund ist das eigentlich alles?

Thomas Ellrott, Ernährungspsychologe an der Uni Göttingen, beschäftigt sich seit Jahren mit derlei Fragen. Ob dieser Verzicht neben der gefühlten auch reale Gesundheit mit sich bringt, habe die Wissenschaft bisher allerdings nicht klären können, sagt Ellrott.

Auch die Frage, ob Vegetarismus, Veganismus oder andere Ernährungsstile gesünder oder ungesünder seien als die ganz normale Küche, könne man nicht pauschal beantworten. Für Elliot haben diese Ernährungsstile mehr sozialen und ökologischen als gesundheitlichen Nutzen. Seiner Meinung nach gehe es hier eher um "gefühlte Gesundheit".

Ganz grundsätzlich empfiehlt er, einige wenige Punkte zu beherzigen, um sich ausgewogen und gesund zu ernähren: kalorienarme Getränke, mehr Gemüse und Obst, mehr Vollkornprodukte und 300 bis 600g Fleisch pro Woche - 300g für Frauen, 600g für Männer. Dies empfehle auch die Deutsche Gesellschaft für Ernähungswissenschaft, kurz DGfE. Dies sei letztlich ein guter Kompromiss zwischen Geschmack auf der einen und Nachhaltigkeit auf der anderen Seite.


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Die Kochsendung "Kappes, Klöße, Kokosmilch" - immer samstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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