Büroarbeit am Computer (Foto: pixabay (CC0))

Private PC-Nutzung am Arbeitsplatz

Eva Lippold   08.09.2017 | 10:53 Uhr

„Kommst du mit in die Kantine?“ Für die meisten von uns ist es ganz normal, dem Kollegen während der Arbeitszeit eine Mail zu schreiben. Wenn man‘s ganz genau nimmt, ist sowas aber verboten, weil: Privatsache. Private Internetnutzung am Arbeitsplatz – für die meisten erschließt sich von selbst, dass das verboten ist. Aber wie genau das im eigenen Betrieb geregelt ist, und inwieweit der Arbeitgeber die PC-Nutzung kontrollieren darf – das wissen die wenigsten.

Nur nach Vorankündigung darf ein Arbeitgeber die Internetaktivitäten seiner Mitarbeiter am Arbeitsplatz überwachen -so ein aktuelles Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte: Ein Arbeitgeber hat demnach nicht das Recht, das Privatleben eines Mitarbeiters auf Null zu reduzieren. Doch wie hält man es in saarländischen Unternehmen mit dem Thema Datenschutz am Arbeitsplatz?

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Private PC-Nutzung am Arbeitsplatz
Audio [SR 3, Eva Lippold, 08.09.2017, Länge: 01:33 Min.]
Private PC-Nutzung am Arbeitsplatz
Mal Hand auf Herz: Wer nutzt den Arbeits-PC nicht auch mal für die Privat-Mail an Oma oder stöbert im Büro ein wenig bei Ebay oder Facebook? Ist doch ganz normal, oder? SR 3-Reporterin Eva Lippold hat sich mal umgehört, wie es die Saarländer mit der privaten PC-Nutzung am Arbeitsplatz halten.

Zwei Beispiele im Saarland

Bei der ZF Getriebe AG, mit rund 8400 Beschäftigten größter Arbeitgeber im Saarland, und der IKK Südwest mit 1500 Mitarbeitern ist die private Nutzung von E-Mail und Internet während der Arbeitszeit grundsätzlich verboten. In Ausnahmefällen darf der dienstliche PC privat genutzt werden – etwa in den Pausen. Dabei müssten aber bestimmte Spielregeln eingehalten werden, erklärt Robert Kos, Personalleiter bei der IKK Südwest. Bei der Internetnutzung könne man sich dann aus dem Zeiterfassungssystem ausloggen und dann in der Freizeit die dienstlichen Rechner nutzen. Die E-Mail dürfe hingegen außschließlich für dienstliche Zwecke verwendet werden.

Klare Regelung - eher die Ausnahme

Eine so klare Regelung bilde in saarländischen Unternehmen jedoch eher die Ausnahme, sagt Thomas Hau. In der Beratungsstelle für sozialverträgliche Technologiegestaltung e.V., kurz Best, berät er seit über zehn Jahren Betriebsräte und Mitarbeitervertreter zum Thema Datenschutz am Arbeitsplatz. "In den meisten Betrieben ist es so, dass irgendwas gemacht wird und es wird geduldet. Man hat nichts geregelt und man bewegt sich in einer unglaublichen Grauzone", sagt Hau.

Der Knackpunkt: die Information über Kontrollen

Sowohl bei der ZF als auch bei der IKK werden regelmäßig Kontrollen durchgeführt, dass diese Regeln auch eingehalten werden. Die ZF überwacht ihre Mitarbeiter „quartalsweise, stichprobenartig auf Konzernebene“, bei der IKK wird stichprobenartig der Mailverkehr anhand der Betreffzeile auf Auffälligkeiten überprüft. Und das könne auch ohne Ankündigung erfolgen, so Kos.

Die ZF konnte keine Angaben machen, inwieweit die Mitarbeiter über die Kontrollen informiert sind. Doch genau hier liegt der Knackpunkt. Denn um ihre Mitarbeiter zu überwachen, müssen diese Kontrollen den Mitarbeitern klar kommuniziert werden. "Ist nichts geregelt, darf es auch keine Kontrollen geben", sagt Hau.

Allerdings: Glaubt man den Unternehmen, sind Kündigungen wegen privater PC-Nutzung am Arbeitsplatz im Saarland die absolute Ausnahme. ZF-Unternehmenssprecherin Kerstin Markenstein waren auf Anfrage keine Fälle bekannt, ähnlich sieht bei der IKK aus. Thomas Hau glaubt jedoch, dass es eine Dunkelziffer gebe: "Nicht jede Kündigung wird in diese Richtung begründet. Zum Teil wird es auch arrangiert als freiwilliges Ausscheiden aus dem Unternehmen". Verlässliche Zahlen dazu gebe es aber nicht.

Über dieses Thema wurde auch in "Guten Morgen" am 08.09.2017 auf SR 3 Saarlandwelle berichet.

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