Einkaufen im Supermarkt (Foto: dpa)

Palmöl - trotz Kritik weit verbreitet

Eva Lippold   18.08.2016 | 10:44 Uhr

Palmöl steht in der Kritik. Durch den Anbau von Ölpalmen wird Regenwald zerstört, außerdem kann Palmöl krank machen. Trotzdem findet sich das durchaus schmackhafte Öl in jedem zweiten Produkt im Supermarkt - selbst dort, wo man es so gar nicht erwartet.

In den letzten 15 Jahren hat sich die Produktion von Palmöl fast verdreifacht. Mit 60 Millionen Tonnen pro Jahr ist es das am meisten verwendete Öl weltweit. Knapp zwei Drittel davon werden für Lebensmittel verwendet.

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SR 3 - Palmöl - auch da, wo man es nicht erwartet
[Audio, SR 3, Eva Lippold, 18.08.2016, Länge: 2:27 Min.]
SR 3 - Palmöl - auch da, wo man es nicht erwartet

Es gebe kaum noch weiterverarbeitete Produkte, in denen kein Palmöl enthalten sei, sagt Melanie Malter-Gnanou vom Netzwerk Entwicklungspolitik Saar. Dabei kann das schmackhafte Öl sogar krank machen. Schon 2011 warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung vor krebserregenden Folgen. Besonders wenn es hohen Temperaturen ausgesetzt wird, kann Palmfett krank machen. "Es entstehen so genannte Fettsäure-Ester, die - so hat man das im Tierversuch jedenfalls festgestellt - bei einem höheren Konsum zu Krebs führen können", sagt Barbara Schroeter von der Verbraucherzentrale des Saarlandes.

Tipp
Mit der kostenlosen Smartphone-App Codecheck.info lässt sich schnell erkennen, was hinter den verklausulierten Bezeichnungen auf der Packung steckt. Und die Internetseite label-online.de verrät, wofür Öko-Label und Siegel auf den Produkten tatsächlich stehen.

Von Pizza bis Ravioli

Und zu einem höheren Konsum kann es leicht kommen, denn in der Praxis ist es schwer, sich dem Öl zu entziehen. Eine Stichprobe im Supermarkt zeigt: Pizza, Schokocreme, Dosenravioli - kaum ein Fertigprodukt kommt ohne Palmöl aus. Der Grund: Es ist besonders billig in der Herstellung. Zudem gebe es geschmackliche Gründe, denn Palmöl schmecke ein wenig nach Butter, so Schroeter. "In Margarine zum Beispiel ein gewollter Effekt".

Verbraucherschützer empfehlen, beim Lebensmitteleinkauf auf das Kleingedruckte zu achten. Denn seit 2011 sieht das Lebensmittelinformationsgesetz immerhin vor, dass Palmöl auf der Packung ausgewiesen sein muss. Anders sieht das aber bei Kosmetik aus. Die Kosmetikverordnung sehe zwar eine Kennzeichnung der Inhaltsstoffe vor, nur sind die chemisch so verklausuliert, dass 'Otto Normalverbraucher' das schwer erkennen kann.

Palmölplantage (Foto: dpa)

 Monokulturen statt Regenwald

Die Folgen dieses stetig wachsenden Marktes seien auch für die Umwelt verheerend, sagt Melanie Malter-Gnanou. "Die Monokulturen, wie sie von Großkonzernen betrieben werden, sind ein Verbrechen", sagt sie. Der Regenwald werde im klimarelevanten Maßstab abgeholzt. Zwar gibt es Zertifikate, die einen besonders nachhaltigen Anbau garantieren sollen. Verbraucherschützer sehen diese aber kritisch. "Wie weit das eingehalten wird, das ist wieder Sache der Industrie, die sich da selber kontrolliert", sagt Schroeter von der Verbraucherzentrale.

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