Eine Laborantin prüft eine Multititerplatte mit DNA-Proben vor einer Messung. (Foto: dpa)

Pro und Contra Drittmittel

Florian Mayer   08.12.2016 | 12:55 Uhr

Das liebe Geld ist auch auf dem Unicampus ein großes Thema. Und da nicht nur die Lehre, sondern auch die Forschung Geld kostet, gibt es neben den Finanzen des Landes noch andere Quellen: die so genannten Drittmittel. Doch was ist das eigentlich? Woher sie kommen und was sie bringen sie.

Eine Universität kostet Geld. Die Grundfinanzierung erfolgt durch das Land: Rund rund 190 Millionen Euro sind es jährlich. Damit ist die Lehre weitgehend gesichert. Doch an einer Uni wird nicht nur gelehrt, sondern auch geforscht. Und diese Forschung kostet ebenfalls Geld. Das Geld für diese Forschung stammt inzwischen zum überwiegenden Teil aus Drittmitteln.

Thementag "Uni in Not": Pro und Contra Drittmittel
[Audio, SR 3, Florian Mayer, 08.12.2016., Länge: 2:53 Min.]
Thementag "Uni in Not": Pro und Contra Drittmittel

Unter Drittmittel versteht man die finanzielle Unterstützung für Forschung, die nicht vom Land, sondern von anderen Geldgebern stammen. Das können öffentliche Einrichtungen, Stiftungen oder auch private Einrichtungen und Unternehmen sein.

Rund 70 Millionen Euro hat die Saar-Uni an Forschungsdrittmitteln im vergangenen Jahr eingeworben. Weit über die Hälfte davon kamen aus Bundesministerien, Stiftungen, von der EU und der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 750 befristete Stellen wurden dadurch geschaffen. Für die Professoren sind diese Gelder daher enorm wichtig.

Spitzenforschung braucht Drittmittel

Beispiel: Andreas Zeller, der im Bereich Informatik forscht: "Drittmittel sind für mich essentiell, um die vielen Ideen umzusetzen, die an unserem Lehrstuhl entstehen." Die Informatik ist einer der stärksten Drittmitteleinwerber überhaupt: "Für jeden Euro, den Uni oder Land bei uns reinstecken, werben wir etwa fünf weitere Euro an Drittmitteln ein." Ohne diese Förderung wäre die Spitzenleistung, die die Informatik an der Saar-Uni bringe, nicht möglich.

Das sieht auch Uni Vize-Präsdient Thorsten Herfert so: "Fakultäten oder Fachrichtungen, die wirklich einen nationalen oder internationalen Spitzenruf haben, sind gleichzeitig die Fakultäten, die auch in der Drittmittel-Statistik die Erfolgreichsten sind."

Geisteswissenschaften haben eher das Nachsehen

Für Professorin Christiane Solte-Gresser ist das nicht unproblematisch. Sie forscht in der vergleichenden Literaturwissenschaft – für die Industrie eher uninteressant. Und auch Geldgeber wie der Bund oder Stiftungen suchen bevorzugt nach anwendungsorientierter Forschung. Für die Geisteswissenschaften ist das ein Teufelskreis: Große Forschungsprojekte gibt es durch viele Drittmittel – viele Drittmittel bekommt aber nur, wer durch große Forschungsprojekte auffällt.

Solte-Gresser hat es trotzdem geschafft, ein großes Förderprojekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft nach Saarbrücken zu holen – ein sogenanntes Graduiertenkolleg. "Das ist eine Art Doktorantenschule, ein Kolleg, das den Rahmen bietet, dass zehn bis 18 Doktoranten zu einem bestimmten Thema forschen können." Drei Millionen Euro gibt es dafür über einen Zeitraum von vier Jahren. Im Vergleich zu Beträgen, die sich in Bereichen von 40, 50 oder 60 Millionen Euro bei Informatikern und Co. abspielen, sind das allerdings eher "Peanuts".

Aber ob Informatik oder Geisteswissenschaft – eines ist allen Professoren gemein: Sie stehen unter ständigem Erwartungsdruck, der mit Drittmitteln verbunden ist.

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