Software (Foto: pixababy (CC0))

Intelligente Datenanalyse am Beispiel "Panama Papers"

Patrick Wiermer   20.10.2016 | 16:30 Uhr

Die "Panama Papers" hatten für mächtig Wirbel gesorgt. Wer besitzt in Panama eine Briefkastenfirma - möglicherweise mit dem Ziel, Steuern zu hinterziehen? Die Journalisten hatten für ihre Recherche einen unglaublichen Berg an Daten zur Verfügung. Diese Daten haben Forscher der Saar-Uni nochmals unter die Lupe genommen mit einer eigens entwickelten Software. Dabei gab es einige interessante Ergebnisse.

Johannes Hoffart ist Informatiker und einer von fünf Gründern der Firma Ambiverse, die eine Software entwickelt hat, mit der extrem große Datenmengen intelligent ausgewertet werden können.

Intelligente Saar-Software analysiert Panama-Papers
[Audio, SR 3, Patrick Wiermer, 20.10.2016, Länge: 3:16 Min.]
Intelligente Saar-Software analysiert Panama-Papers
Die "Panama Papers" hatten in diesem Frühjahr für mächtig Wirbel gesorgt. Eine weltweite Gruppe von Journalisten hatte Politiker, Sportler, Prominente aufs Korn genommen und enthüllt, wer eine Briefkastenfirma in Panama besitzt – möglicherweise mit dem Ziel, Steuern zu hinterziehen. Die Journalisten hatten für ihre Recherche einen unglaublichen Berg an Daten zur Verfügung. Diese Daten haben Forscher der Saar-Uni nochmals unter die Lupe genommen mit einer eigens entwickelten Software. Dabei gab es einige interessante Ergebnisse.

Software, die Zusammenhänge versteht

Die Software ist in der Lage, Zusammenhänge zwischen den zu Daten erkennen, zum Beispiel zwischen Wörtern und Sätzen. Sie arbeite im Grunde wie das menschliche Denken, sagt Hoffert. Wenn man zum Beispiel die Eilmeldung "Müller schießt ein Eigentor" lese und sich ein kleines bisschen für Fußball interessiere, dann könne man diese Meldung sofort richtig einordnen, nämlich dass es sich um Fußball und vermutlich um Thomas Müller oder Gerd Müller handle. Die neu entwickelte Software könne dies auch, also Namen verstehen und sie konkreten Personen zuorndnen - und zwar abhängig vom Kontext.

Testbeispiel "Panama Papers"

Ein Beispiel dafür sind die Datenlisten der "Panama Papers". Sie sorgten im April 2016 für einen weltweiten Skandal. Sie zeigten, dass bekannte Politiker, Sportler und Künstler Briefkastenfirmen in Panama besaßen, mutmaßlich, um Steuern zu hinterziehen. Grundlage der Enthüllung waren eine ungeheure Mengen an Daten: E-Mails, Faxe, Adressen, Namen, Zahlen, die von einer weltweite Gruppe von Journalisten ausgewertet wurden.

Die Saarbrücker haben nun mit ihrer neuen Software ebenfalls diese Daten analysiert und sie unter anderem mit Wikipedia, dem weltweit größten Online-Lexikon, verglichen. Dabei kamen interessante Ergebnisse heraus. Es waren nicht Politiker, die die meisten Briefkastenfirmen unterhielten, sondern Sportler. Und ein weiteres Ergebnis war: "Von den über 200.000 Personen, die ein Konto in Panama hatten, waren nur knapp 7000 wirklich bekannte Personen", sagt Hoffart.

Software - irgendwann so gut wie ein richtiger Assistent

Die Technologie von Ambiverse steckt zurzeit jedoch noch in den Kinderschuhen. Über die praktische Anwendungen soll sie nach und nach verbessert werden. Das Ziel: Die Maschine soll soweit gebracht werden, dass sie irgendwann wie ein Assistent bei der Informationsrecherche unterstützen kann.

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