Eine Feuerwehrausrüstung hängt an einem Pfosten. (Foto: dpa/Swen Pförtner)

Druck und Personalprobleme bei der Berufsfeuerwehr

Nadine Thielen   11.08.2017 | 12:30 Uhr

Dass es innerhalb der Saarbrücker Berufsfeuerwehr – der einzigen Berufsfeuerwehr im Saarland – nicht rund läuft, ist nichts Neues. Es gibt Kritik an der Führung rund um den Feuerwehrchef und den zuständigen Dezernenten Harald Schindel. Genau deshalb hat die Oberbürgermeisterin erst am 4. August einen Wachmannschaftsbeirat ins Leben gerufen. Jetzt aber gibt es neue Vorwürfe: Die Situation sei brenzliger als gedacht – zum Teil soll die Sicherheit von Feuerwehrwehrleuten und von der Bevölkerung nicht mehr gewährleistet sein.

Saarbrücker Feuerwehr - Druck und Personalprobleme
Audio [SR 3, Nadine Thielen, 11.08.2017, Länge: 03:50 Min.]
Saarbrücker Feuerwehr - Druck und Personalprobleme
Personalnot bei der Saarbrücker Berufsfeuerwehr soll nach Meinung einiger Feuerwehrleute dazu führen, dass die Feuerwehrleute aber auch die Bevölkerung bei Gefahr unter Umständen nicht sicher sind. Die Stadt bestreitet das.

Die Vorwürfe wiegen schwer, und sie gehen weit über das hinaus, was bisher über die Berufsfeuerwehr zu hören war – und das nicht erst seit gestern. Ende Juni klingelt das Telefon in der SR-Redaktion. Ein Mitglied der Saarbrücker Berufsfeuerwehr ist am Apparat – er ist aufgeregt und will unbedingt mit uns sprechen. Die Zustände bei der Feuerwehr seien so nicht mehr hinnehmbar. Ich treffe mich mit dem Anrufer, spreche persönlich mit ihm. Seinen Namen und seine Stimme möchte er im Radio nicht hören – zu groß ist die Angst vor den Folgen.

" (…) Es gab Tage, da haben nicht nur vier Mann, sondern sechs, sieben Mann gefehlt. Da schaffen Sie auch keinen kritischen Wohnungsbrand mehr. Wenn Sie da drei, vier Leute in dem Wohnraum haben, die gerettet werden müssen, sind Sie sprichwörtlich mit dem Arsch an der Wand. (…) . Die Sicherheit ist für die Berufsfeuerwehrleute nicht gewährleistet - definitiv nicht mehr. Und für die Bevölkerung nur noch teilweise."

Das Problem: Die beiden Feuer- und Rettungswachen der Berufsfeuerwehr in Saarbrücken seien oft nur mangelhaft besetzt. Zwar seien die Dienstpläne schon Wochen im Voraus ausgefüllt – aber immer wieder fielen Mitarbeiter wegen Krankheit aus. Die Folge: Die Fahrzeuge blieben leer.

Nach Recherchen des SR geht es konkret vor allem um die Tanklöschfahrzeuge – auf ihnen fahren bei der Saarbrücker Berufsfeuerwehr die Sicherheitstrupps mit – also diejenigen Feuerwehrleute, die ihre Kameraden aus einem Haus retten, wenn nichts mehr geht. Genau diese Fahrzeuge sollen in den vergangenen Wochen immer wieder nicht besetzt gewesen sein, heißt es intern. Dazu der Feuerwehrmann:

Wir sind personell komplett unterbesetzt und da ist unser Chef mit dran schuld. Das darf und kann nicht sein. Und wenn Sie Personal wieder einstellen, das Personal muss erst ausgebildet werden - das dauert mehrere Jahre. Zwei Jahre zum Brandmeister, dann noch mal zwei bis drei Jahre zum Rettungsassistent/ Notfallsanitäter plus dann noch die ganzen Sonder-Ausbildungen. Wir sind wirklich hier schon mit dem Rücken an der Wand und so kann es nicht weitergehen. 

Vor allem der Feuerwehrchef stand wegen seines Führungsstils in der Kritik. Und dies sei - nach Auffassung des Feuerwehrmannes - auch ein Grund dafür, dass viele wegen Krankheit ausfallen. Diese Querelen rund um den Feuerwehrchef sollen mit dem erst Anfang August angekündigten Wachmannschaftsbeirat aufhören. Das zumindest hofft Bernd Schumann, Vorsitzender des Personalrats der Stadt Saarbrücken:

Der durch Dienstanweisung unserer Oberbürgermeisterin eingesetzte Wachmannschaftsbeirat ist aus meiner Sicht dazu geeignet,den autokratischen Führungsstil zu beenden und durch eine Führung mit einvernehmlichen Entscheidungen zwischen Mannschaft und Führung zu ersetzen. Ich meine auch, dass das Schönreden, Abstreiten unter den Teppich kehren und das Märchen von einigen wenigen Querulanten bei der Berufsfeuerwehr hat letztlich niemandem geholfen und ist jetzt hoffentlich beendet.

Im Wachmannschaftsbeirat wird zwar in Zukunft auch der Feuerwehrchef sitzen, dazu allerdings auch 17 weitere Mitglieder aus Reihen der Feuerwehr, ihrer Leitungsebene und aus Reihen der Stadt. Dazu kommt: Der eigentlich zuständige Sicherheitsdezernent Harald Schindel ist gar nicht erst im Beirat vertreten. Das Signal ist deutlich – und trotzdem: Eine schnelle Lösung für die Personalnot bei der Berufsfeuerwehr wird der neue Beirat wohl kaum bringen.

Die Stadt Saarbrücken bestreitet indes jedes Sicherheitsrisiko. Schriftlich teilt sie mit:

"Die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in der Landeshauptstadt Saarbrücken war und ist gewährleistet. Auch die Sicherheit der Einsatzkräfte ist durch die strikte Einhaltung der Einsatzgrundsätze der einschlägigen Feuerwehrdienstvorschriften in jedem Einsatz gewährleistet."

Vor dem Mikrofon wolle sie dazu aber nichts sagen – es sei rund um das Thema Berufsfeuerwehr bereits alles gesagt, hieß es auf SR-Anfrage.

Über dieses Thema wurde auch in "Guten Morgen" und der "Region am Mittag" am 11.08.2017 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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