Center Parc am Bostalsee (Foto: Uwe Jäger)

Wie lockt man die Center Parcs-Gäste ins Umland?

Stephan Deppen   12.09.2017 | 16:30 Uhr

Der Ferienpark Center Parcs am Bostalsee ist ein touristischer Magnet - für den Betreiber, aber auch für das Saarland, das so hunderttausende zusätzliche Gäste ins Land bekommt. Letzteres stimmt jedoch nur bedingt, denn die meisten der Center Parcs-Gäste besuchen kaum das Umland. Und Ziele wie Saarbrücken, Völklinger Hütte oder Saarschleife spielen ebenfalls keine große Rolle. Woran liegt das? Und was muss man ändern?

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Die Hauptgäste: Familien mit kleinen Kindern

Studie zum Ferienpark Center Parcs Park am Bostalsee
Wenige Ferienpark-Gäste besuchen Umgebung (21.08.2017)
Die meisten Besucher des Center Parcs Ferienpark am Bostalsee halten sich überwiegend im Park selbst auf. Weniger als die Hälfte von ihnen unternimmt Ausflüge in die Region. Das ist ein Ergebnis der Befragung von über 1000 Center-Parcs-Gästen durch Studenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Saarbrücken.

Saarbrücken spielt als Ausflugsziel für die Center Parcs-Gäste keine große Rolle, ebensowenig die Völklinger Hütte und die Saarschleife. Dass die Landeshauptstadt oder das Weltkulturerbe für die Park-Gäste keine großen Anziehungspunkte zu sein scheinen, sieht Birgit Grauvogel, die Geschäftsführerin der Tourismuszentrale des Saarlandes (TZS), vor allem darin begründet, dass es häufig Familien mit kleineren Kinder seien, die im Park Urlaub machen. Bei der Saarschleife hingegen sieht sie noch Potenzial.

Ein weiterer Aspekt ist: Die Gäste des Ferienparks kommen nicht in erster Linie ins Saarland, sondern in die Anlage des Center Parcs - ohne spezielle Kenntnis des Saarlandes und seiner Attraktionen. Und die Völklinger Hütte ist vielleicht nicht das, was die Gäste suchen, denn die Hauptzielgruppe seien nun mal Familien mit eher kleinen Kindern, sagt Esther Puma, die Leiterin des Ferienparks. Es liege weniger an der Werbung: "Da passt das Ziel nicht so zur Zielgruppe."

Mehr familienfreundliche Angebote

Kleiner Trost: Je länger die Gäste im Ferienpark bleiben, desto größer die Bereitschaft, auch das Saarland zu erkunden. Gefühlt hat die Zahl der auswärtigen oder ausländischen Besucher zugenommen - ob an der Saarschleife, auf dem Schaumbergturm oder in St. Wendel. Aber klar sei auch: Für Familien müsse man mehr tun, sagt TZS- Geschäftsführerin Grauvogel. Es müsse ein Angebot geben, das für Familien mit noch nicht schulpflichtigen Kindern passend und zudem wochenendorientiert sei - "zumindest mal in der Zeit Osterferien, Sommerferien, Herbstferien, und dann müssen wir die Angebote auch noch kommunizieren."

Werbung für das Saarland erst vor Ort

Dass die Regale mit den Prospekten für saarländische Attraktionen mitunter zerfleddert aussehen - geschenkt. Da werde künftig häufiger hingeschaut, so alle Beteiligten. Schwerer wiegt da schon, dass Center Parcs selbst zunächst einmal mit Trier und Luxemburg statt der saarländischen Landeshauptstadt wirbt. Das räumt Esther Puma ein. Zur Bewerbung eines Parks im Internet gehörten nun mal seine Alleinstellungsmerkmale und das sei im Fall Bostalsee "ganz klar Trier". Den richtigen Zeitpunkt für die Bewerbung von Ausflugszielen im Saarland sieht Puma vor allem dann, wenn die Gäste vor Ort im Park am Bostalsee sind.

An diesem Punkt setzt Birgit Grauvogel an: Seien die Gäste erst mal hier, dann müsse man sie auch aus dem Park ins Umland locken: "Wenn 60.000 den Park auch nur für ein paar Stunden verlassen - das ist die Chance", sagt sie.

Esther Puma ist mit den ersten vier Jahren Ferienpark am Bostalsee zufrieden: 600.000 Übernachtungen, 76 Prozent Auslastung im zu Ende gehenden Berichtsjahr - das sei mehr, als erwartet worden war. Und vor allem: Alle, ob im oder außerhalb des Parks, arbeiteten zusammen an der Zufriedenheit der Besucher.

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Nachmittag" am 12.09.2017 auf SR 3 Saarlandwelle berichet.

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