Universität des Saarlandes, Saarbrücken (Foto: Imago/Becker & Bredel)

Uni erforscht virtuelle Therapie gegen Spinnenangst

Stefan Eising   07.08.2017 | 09:45 Uhr

Bis zum Altweibersommer ist es nicht mehr lange - und das bedeutet auch Spinnenzeit. Doch woher kommt die Angst vor Spinnen und was kann man dagegen tun? An der Universität des Saarlandes wird eine neue, virtuelle Therapiemethode erforscht. SR 3-Reporter Stefan Eising hat sie sich angeschaut.

Eine Spinne nicht selbst wegmachen können... für jemanden, der keine Angst vor Spinnen hat, klingt das schon außergewöhnlich. Tatsächlich geht es noch viel extremer, sagt Sarah Schäfer, Psychologin an der Universität des Saarlandes. Sie erforscht neue Therapiemethoden und sagt: die Angst vor Spinnen mache manchen Betroffenen das Leben wirklich schwer. Sie mieden Keller, Waldspaziergänge oder Campingausflüge. Dies schränke für die Betroffenen natürlich auch ein, erklärt Schäfer.

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Uni testet virtuelle Therapie bei Spinnenangst
Audio [SR 3, Stefan Eising, 07.08.2017, Länge: 04:58 Min.]
Uni testet virtuelle Therapie bei Spinnenangst

Woher kommt die Angst?

Wer eine richtige Spinnenphobie, eine sogenannte Arachnophobie hat, braucht gar keine Spinne, die in diesem Moment an der Wand sitzt. Der Gedanke reicht schon. Das klingt im ersten Moment nach Urinstinkt. Aber warum haben manche Menschen diese Angst und andere nicht?

Die Evolution habe den Menschen mit einer Veranlagung ausgestattet, "dass wir schnell Angst vor Spinnen lernen", erklärt die Psychologin Sarah Schäfer: Und da komme es darauf, was man erlebe – also ob einem zum Beispiel als Kind im Zeltlager eine Spinne über das Gesicht krabbelte. So könnte sich eine Angst vor Spinnen entwickeln.

Die genetische Anlage ist also bei jedem Menschen da. Die Angst an sich muss aber erst geweckt werden. Das muss aber gar nicht durch ein traumatisches Erlebnis passieren. "Oft erlebt man vielleicht schon bei der Mutter, bei der Oma, dass so eine Spinne eklig ist. Auch das reicht aus. Also muss ich nicht dieses eigene Erlebnis mit der Spinne gehabt haben.", erklärt Schäfer.

In jedem einzelnen von uns ist also zumindest die Anlage, Angst vor Spinnen zu entwickeln, in den Genen vorhanden. Ob wir diese Angst dann aber auch wirklich entwickeln, hängt von unseren eigenen Erlebnissen ab und von der Erziehung im Kindesalter.

Aber selbst wer von klein auf Angst vor Spinnen hat, müsse nicht sofort daran arbeiten, solange keine lebenseinschränkenden Probleme auftreten, sagt Sarah Schäfer.

Uni testet virtuelle Therapie

Doch was, wenn es doch nicht ohne Therapie geht? Der wahrscheinlich größte Horror für Patienten bei einer Spinnenangst-Therapie: “Sitzt da dann eine echte Spinne vor mir auf dem Tisch?” Im Normalfall wäre das so. Bei der virtuellen Therapie sieht der Patient die Spinne auf einem Computermonitor.

Hierbei wird man an diverse Sensoren angeschlossen und sieht sich eine ganze Reihe von Testvideos an. Gleichzeitig muss man darauf achten, ruhig zu atmen. Die Hoffnung der saarländischen Forscher ist es, so die Hemmschwelle zu senken, dass man aber trotzdem ein realistisches und wirksames Erlebnis simuliere - ein möglicher Anreiz für Menschen, die so große Angst vor Spinnen haben, dass sie sogar die Therapie mit echten Spinnen scheuen.

Aber die virtuelle Therapie hat noch einen ganz anderen Vorteil: Denn für die Therapie mit richtigen Spinnen, wie sie auch an der Uni erforscht wird, brauche man nun mal...Spinnen, so Schäfer: "Wenn hier Patienten herkommen, dann geht eine Woche vorher die ganze Abteilung auf Spinnensuche." Denn für eine realistische Therapie braucht man nicht die Spinnen aus der Zoohandlung, sondern die aus dem Keller. Da klingen die virtuellen Spinnen schon praktischer.

Zusätzlich erproben die Forscher an der Uni verschiedene Entspannungsübungen. Diese könnten die Patienten zuhause selbständig durchführen und damit den Effekt der virtuellen Spinnen verstärken. Außerdem sollen in Zukunft auch VR-Brillen eingesetzt werden, die den Betrachter in eine virtuelle Realität eintauchen lassen.

Keine Wunderheilung

Aber auch die virtuelle Therapie wird eine Spinnenphobie nicht zu 100 Prozent auslöschen, sagt Sarah Schäfer. Man arbeite darauf hin, dass "der Patient am Ende eine Spinne, die vielleicht an seiner Wand sitzt, einfach mit Glas und Postkarte einfangen kann und auf die Terrasse bringen kann."


Über dieses Thema wurde in der Sendung "Bunte Funkminuten" am 07.08.2017 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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