Nazi-Denkmal im Bitcherland (Foto: Copyright Le Républicain Lorrain)

Deutsche Neonazis betrieben in Frankreich Denkmal für Waffen-SS

red   08.01.2018 | 12:10 Uhr

Im französischen Eschviller nördlich von Bitche haben deutsche Neonazis offenbar ein Denkmal zu Ehren von SS-Soldaten betrieben. Inzwischen ist die Gendamerie dagegen vorgegangen.

Eschviller ist ein ruhiges Dorf im Bitcher Land - gerade mal 150 Einwohner leben hier. Gestört fühlen sich die Anwohner zunehmend von rechtsextremen Deutschen. Einige von denen hatten offenbar unweit des Ortes ein Denkmal zur Würdigung einer SS-Panzerdivision aufgestellt: "Zu Ehren den Gefallenen der 17. SS-Panzergrenadier Division - Drauf, dran und durch!". Historiker Rainer Hudemann: "Das ist ein ausdrückliches Bekenntnis zu nationalsozialistischen Kriegsverbrechen", sagt der emeritierte Professor der Saar Uni und der Pariser Sorbonne: "Es heißt nicht "Wir gedenken", sondern "Zu Ehren".

Anwohner sind fassungslos über Ehrung

Spaziergänger hatten sich über die Stele beschwert. Das Denkmal wurde mittlerweile von der französischen Gendamerie mit schwerem Gerät entfernt. Auf dem Privatgrundstück ist davon nur noch ein Loch mit einem Gedenkkranz zu sehen. Der Bürgermeister der Gemeinde erklärt, das Grundstück gehöre einem Deutschen aus dem Saarland, der einmal im Jahr mit Nazi-Freunden eine Feier abhalte. Die Anwohner von Eschviller sind über den Vorgang empört. Einer von ihnen sagt: "Diese SS-Division hat ein ganzes französisches Dorf ermordet ", er ist fassungslos, wie man solche Verbrecher mit einem Denkmal ehren könne.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Saargemünd ermittelt inzwischen wegen Verharmlosung von Kriegsverbrechen. Denn Militärhistoriker wie Rainer Hudemann sind sich sicher, dass die 17. SS-Panzerdivision "Götz von Berlichingen" höchstwahrscheinlich an dem Massaker in Maillé beteiligt war. Dort wurden über 120 Menschen von der SS ermordet, für Frankreich ein traumatisches Ereignis.

Rechtsextreme Party-Touristen aus Deutschland

Auch in weiteren Dörfern nördlich von Bitche treffen sich Neonazis, beispielsweise in Lengelsheim mit seinen 230 Einwohnern. In einer Scheune feierten sie im vergangenen Jahr lautstark einen angeblichen Geburtstag, Anwohner beschwerten sich über Nazi-Parolen. Aus Deutschland sollen 80 Autos mit rund vierhundert rechtsextremen Aktivisten gekommen. Der Lengelsheimer Bürgermeister versuchte, gegen die Feier vorzugehen. Doch von den französischen Behörden fühlt er sich zu wenig unterstützt.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Mittag" am 8. Januar 2018 berichtet.

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