Der Hashtag metoo auf einem Smartphone (Foto: dpa)

Wo fängt sexuelle Belästigung an?

Nadine Thielen   19.01.2018 | 06:25 Uhr

Seit Oktober 2017 läuft die „metoo-Debatte“ mittlerweile. Millionen von Frauen haben mit dem Hashtag „metoo“ Internet öffentlich gemacht, wie sie sexuell belästigt wurden. Und ob wir wollen oder nicht: man spürt schon, dass diese Debatte was mit uns macht. Entscheidend dabei ist die Grenzziehung. Denn oft nehmen Frauen und Männer das Thema sexuelle Belästigung sehr unterschiedlich wahr.

Eigentlich ist es doch ganz einfach: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu – die goldene Regel. Damit ließe sich doch jedes Missverständnis zwischen Männern und Frauen schnell ausräumen. So sieht das auch die Frauenbeauftragte der Stadt Saarbrücken Petra Messinger. Sie beschäftigt sich vor allem mit dem Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz.

Doch wo fängt sexuelle Belästigung an? Wo hört sie auf? SR 3- Reporterin Nadine Thielen hat einen Versuch gemacht:

Audio

Sexuelle Belästigung: wo fängt sie an?
Audio [SR 3, Nadine Thielen , 19.01.2018, Länge: 01:34 Min.]
Sexuelle Belästigung: wo fängt sie an?

Flirt, Kompliment oder Übergriff?

Gegen Flirts oder nettes Miteinander-Umgehen, Komplimente am Arbeitsplatz sei überhaupt nichts einzuwenden, so Messinger. Man gehe davon aus, dass beide Seiten damit einverstanden sind. Der Unterschied zum Übergriff sei der, dass die Frau nicht mehr einverstanden ist. Und diesen Unterschied spüre jeder Mann und jede Frau, sagt Messinger.

Männer und Frauen haben ein Recht darauf, nicht durch eine bestimmte Berührung belästigt zu werden. Das regelt seit vergangenem Jahr §184i im Strafgesetzbuch. Am Arbeitsplatz muss es nicht einmal eine Berührung sein, die rechtliche Folgen haben kann. Im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz wird sexuelle Belästigung als unerwünschtes, sexuell-bestimmtes Verhalten definiert. Das kann schon bei Pinup-Kalendern in der Kaffeeküche anfangen.

Belästigung im Alltag und am Arbeitsplatz

Für viele Frauen fängt es aber vor allem da an, wo die Kollegen eine bestimmte Grenze überschreiten. Meist passiere das in ganz alltäglichen Situationen, erklärt Messinger: „Ein Chef steht hinter ihnen – hinter der Sekretärin jetzt mal als Klischee – und greift über die Schulter an Stellen, wo er nicht hingreifen soll. Dann wendet er sich wieder weg, sodass die Frau erstmal total irritiert ist und ihrer eigenen Wahrnehmung nicht mehr traut.  Also der Übergriff ist dann schwer fühlbar. Die Frau weiß natürlich genau, das war ein Übergriff. Aber sie ist verunsichert durch diese Schnelligkeit, die da auch drin steckt.“

Gerade am Arbeitsplatz ist sexuelle Belästigung ein Thema –  weil es dabei um Macht geht. Vor allem Frauen sind betroffen. Die Kollegin klein halten, Konkurrenz ausschalten. Das können Motive von Belästigern sein. Bei körperlichen Übergriffen ist das klar erkennbar.

Bei Worten sei das schwieriger, sagt der Saarbrücker Sexualtherapeut Michael Sztenc:  Hier fehle es manchmal am Gespür für die Grenzen anderer. Da hilft meist nur reden, um den anderen seine Grenze zu zeigen. Und wenn es um Machtspielchen geht und darum zum Beispiel jemanden kleinzuhalten, umso mehr!


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Über dieses Thema wurde in der Sendung "Guten Morgen" am 19.01.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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