Grenzkontrolle (Foto: dpa)

Studiengang "Border Studies"

Patrick Wiermer / Onlinefassung: Christian Spöcker   12.09.2017 | 16:55 Uhr

Als Saarländer ist man offene Grenzen gewohnt. Zur Arbeit nach Luxemburg oder nach Frankreich zum Einkaufen? Kein Problem! Doch weltweit werden viele Grenzen wieder geschlossen. Donald Trumps Traum von einer Mauer zwischen den USA und Mexiko ist nur ein Beispiel für diese Rolle rückwärts. Ab sofort können sich Studenten im Fach „Border Studies“ mit der Frage befassen, welche Auswirkungen Grenzen haben.

"We`re going to build a wall", so hat es US-Präsident Donald Trump seinen Wählern versprochen und besteht auf einer Grenzmauer zwischen den USA und Mexiko. Doch auch in der Europäischen Union besteht eine Tendenz zu klaren Grenzen. Das belegen stärkere Kontrollen an den Innen- und Außengrenzen und Grenzzäune zwischen Ungarn und Serbien. „C ést un retour a l´arrière, c´est rückwärts", sagt Alexandre, 23 Jahre, aus Thionville. Aus seiner Sicht also "ein Weg zurück".

Alexandre ist ein Kind der Großregion und daher mit offenen Grenzen aufgewachsen. „Für mich existieren die Grenzen eigentlich nur noch auf der Landkarte. In der Realität fallen sie mir gar nicht mehr auf. Ich fahre durch Luxemburg, Frankreich und Deutschland, als ob es ein Land wäre", sagt er bei der Eröffnung des Studiengangs im luxemburgischen Schengen.

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Audio [SR 3, (c) SR - Patrick Wiermer , 12.09.2017, Länge: 03:08 Min.]
SR 3-Reporter Patrick Wiermer war bei der Eröffnung im luxemburgischen Schengen dabei.

Zusammen mit 14 weiteren Studenten der „Border Studies“ aus Luxemburg, Frankreich, Deutschland und Kamerun wird sich Alexandre mit Grenzen aus verschiedenen Perspektiven befassen. Dabei geht es beispielsweise um sprachliche, kulturelle oder wirtschaftliche Aspekte: „Wozu dienen sie? Wie wird damit umgegangen? Wen blockieren sie? Was ermöglichen sie?“ - das seien Fragen, denen die Studenten nachgehen, so die Amerikanistin Astrid Fellner, eine der Koordinatorinnen der „Border Studies“.

Grenzen - nicht per se schlecht

Dabei seien nicht alle Grenzen per se schlecht, sagt der Geograf Peter Dörrenbächer: Sie könnten bereichernd sein durch die Andersartigkeit derer, die auf der anderen Seite leben, sagt er. Das merke man beispielsweise im Saarland am Nachbarland Frankreich, das gleiche gelte für Lorraine. Das Abgrenzen, das Anderssein, habe also durchaus seinen Reiz. Problematisch seien die Grenzen jedoch, wenn man den anderen nicht mehr kennenlernen könne, sagt Geograf Dörrenbächer. Und um das gegenseitige Kennenlernen gehe es neben der Forschung auch im Studiengang "Border Studies".

Gemeinsamer Studiengang der Großregion

Beim Einführungswochenende sollen spielerische Übungen mit einem Teambuilder die Studenten aus den verschiedenen Kulturen zusammenbringen. Studiert wird in Deutsch, Französisch und Englisch. Und dann ist da noch die Studienpraxis: Wie lebt und studiert es sich in einem anderen Land? Das werden die Studenten in der tagtäglichen Praixs selbst erfahren, sagt Dörrenbacher. Denn "Border Studies" ist ein gemeinsamer Studiengang der Universitäten der Großregion, also ein Verbund der Unis in Metz, Luxemburg, Saarbrücken und Kaiserslautern. Im ersten Semester wird an drei Tagen pro Woche in Luxemberg und an zwei Tagen in Metz studiert.

Grenzraumkompetenzen

Der Transport der Studenten per Shuttle dauert rund eine Stunde. Gerade der sehr lückenhafte, grenzüberschreitende Verkehr und die Suche nach einer kurzfristigen Unterkunft in den vier Uni-Städten sind für die Studenten zwar eine echte Herausforderung, doch die Mühe lohne sich, ist sich Peter Dörrenbächer sicher. Viele Unternehmensverbände hätten ihm versichert, „dass eine große Nachfrage besteht nach Absolventen, die sich Grenzraumkompetenzen angeeignet haben“. Darauf hofft auch Alexandre: „Vielleicht werde ich Beamter, als `attaché territorial`. Oder ich arbeite in Deutschland oder Luxemburg.“

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Nachmittag" am 12.09.2017 berichtet.

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