Deana Zinßmeister - " Das Lied der Hugenotten" (Foto: Goldmann)

"Das Lied der Hugenotten"

Ulli Wagner   16.01.2017 | 10:16 Uhr

Deana Zinßmeister ist eine äußerst erfolgreiche Autorin historischer Romane. Am 16. Januar kommt ihr elfter Roman auf den Markt – der heißt: „Das Lied der Hugenotten". Die Premierenlesung fand am 15. Januar in der Martinskirche in Köllerbach statt, die mit 200 Premierengästen aus allen Nähten platze.

Die Martinskirche zu Kölln ist einer der ältesten Sakralbauten des Saarlandes und war lange Zeit auch Simultankirche. Sie wurde also von Protestanten und Katholiken genutzt und wenn Mauern reden könnten würden wir in dieser Kirche viel erfahren über die zum Teil gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Religionen. Welcher Ort wäre also besser geeignet gewesen, „Das Lied der Hugenotten“ zum ersten Mal zu hören? "Dieses Gebäude an sich ist ja schon was besonders, dieser Ort, das berührt einen schon sehr, hier lesen zu dürfen", sagt die Autorin. Begleitet wurde die Lesung vom Vokalensemble CHORisma, das Hugenottenlieder präsentierte.

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Premierenlesung: "Das Lied der Hugenotten"
[Audio, SR 3, Ulli Wagner, 16.01.2017, Länge: 5:32 Min.]
Premierenlesung: "Das Lied der Hugenotten"

Deana Zinßmeister lebt und arbeitet im Saarland. Und sich von hier aus hat sich sich intensiv mit ihrem Stoff auseinandersetzt, der Hexenverfolgung zum Beispiel und – ganz aktuell – dem Schicksal der Hugenotten, die in der Bartholomäus-Nacht im Jahre 1572 vom König quasi zum Abschuss freigegeben wurden. 3.000 kamen allein in Paris ums Leben in dieser Blutnacht, mehr als 10.000 sollen es Frankreichweit gewesen sein.

In ihrem Roman erzählt sie die Geschichte von Jacon Desgranges. Seine Frau Catherine wird in dieser Nacht ermordet, ihre beiden kleinen Kinder kann sie gerade noch verstecken. Der Vater will mit ihnen nach La Rochelle, der heimlichen Hauptstadt der Hugenotten. Weil die Neugeborene aber schwer krank ist, bleibt er in einem katholischen Ort hängen und arrangiert sich.

„Das Lied der Hugenotten“ spielt zwischen 1572 und 1587 – also vor rund 450 Jahren – und zwar in Frankreich. Haupt-Schauplätze sind Paris, La Rochelle und ein kleiner Ort namens Vernou-sur-Brenne. Diese Orte sind real und im Roman wie in der Wirklichkeit war La Rochelle lange die heimliche Hauptstadt der Hugenotten.

Die Lieder der Hugenotten

DAS Lied der Hugenotten gibt es übrigens nicht  - sondern es gibt viele Lieder. Sie sind aber anders, als wir es gewohnt sind, denn sie haben eine Silbe-Ton-Verbundenheit. "Pro Silbe gibt es nur einen Ton und es gibt ansonsten keine Schleifen, keine Melismen. Dadurch klingt es sehr spröde. Aber weil die Musik sehr dicht ist, ist es eine sehr ansprechende und erhebende Musik", sagt Pfarrer Prof. Dr. Joachim Conrad. Und weil diese realen Lieder so besonders sind, hat Deana Zinßmeister daraus fiktiv eine Art Parole gemacht, also eine Möglichkeit, sich untereinander als Hugenotten erkennen zu geben.

Recherche in historischen Quellen

Auch bei diesem 11. Roman wurde Zinßmeister von vielen Wissenschaftlern und Kirchen-Historikern in ihrer Arbeit unterstützt. Ratgeber für sie zu sein, ist eine Freude, sagt Joachim Conrad, denn Deana Zinßmeister hat "ein unglaubliches Interesse und mit jedem Satz, den man sagt, löst man eine neue Frage aus und ein neues Interesse. Man spürt einfach die Begeisterung bei ihr."

Und Zinßmeister ihrerseits ist für jeden Hinweis, jeden Buchtipp und erst recht für historische Unterlagen dankbar. "Das sind Quellen, die ihresgleichen suchen und die einzigartig sind, in die man sich so richtig reinknien kann", sagt sie.

Reise zu den Orten der Handlung

Aber Deana Zinßmeister recherchiert nicht nur von zuhause, vom Schreibtisch aus. Immer wieder reist sie auch zu den Orten ihrer Handlung, geht Wege ab – so hat sie für diesen Roman den Fluchtweg von Jacon Desgranges nachvollzogen. Und sie hat Tage auf den Spuren der Hugenotten in La Rochelle verbracht. "Das bringt mir das Schmecken, Fühlen, Sehen, das ich nicht von zuhause vom Schreibtisch aus empfinden kann."

Und diese intensive Recherche, die verändert nicht nur den Blick auf viele Themen und Entwicklungen, sondern auch den auf historische Gebäude und Denkmäler. So erging es jedenfalls Deana Zinßmeister, als sie kürzlich wieder einmal in Paris war und vor dem Louvre stand. "Ich hab geschaut, welcher Balkon hätte es gewesen sein können, auf dem Karl IX stand und auf die Hugenotten geschossen hat."


Auf einen Blick


Deana Zinßmeister - " Das Lied der Hugenotten" (Foto: Goldmann)

Deana Zinßmeister
„Das Lied der Hugenotten“

Goldmann Verlag
TB, 576 Seiten
ISBN-13: 978-3442484096
Preis: 9,99 Euro

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