Tschaikowskys „Dornröschen“ am Saarländischen Staatstheater (Foto: Bettina Stöß)

"Dornröschen" am SST

Barbara Grech   02.10.2017 | 12:55 Uhr

Das Handlungsballett "Dornröschen" gehört zum Standardrepertoire auf den großen Bühnen. Der Ballett-Chef des Saarländischen Staatstheaters, Stijn Celis, hat nun seine Fassung von "Dornröschen" inszeniert. Am 30. September war Premiere im Großen Haus. Ein kurzweiliger, spannender Ballett-Abend, sagt SR 3-Theaterkritikerin Barbara Grech.

Dornröschen - die Geschichte der jungen Prinzessin, die aufgrund eines bösen Fluchs sich an einer Rosendorne sticht und in einen langen Schlaf fällt - dieses Märchen der Brüder Grimm kennt fast jeder. Und "Dornröschen" ist nicht nur bei uns, sondern auch in anderen Ländern und Kulturen populär. Kein Wunder also, dass sich der Komponist Peter Tschaikowsky vor über 120 Jahren von "Dornröschen" inspirieren ließ und eine der berühmtesten Ballett-Musiken geschrieben hat.

Audio: Premierenkritik "Dornröschen"

Premierenkritik: "Dornröschen"
Audio [SR 3, Barbara Grech, 02.10.2017, Länge: 03:02 Min.]
Premierenkritik: "Dornröschen"

Mit einem romantischen Dornröschen hat die Ballett-Fassung in Saarbrücken jedoch wenig zu tun. Es ist ein düsteres Märchen. Eine Allegorie auf die Ängste der menschlichen Seele, auf Neid, Zwietracht, Verlustangst und nicht erwiderte Liebe. Auf emotionale Abhängigkeit und das Schillernde des Bösen.

Die Inszenierung von Stijn Celis beginnt mit dem Auftritt von Carabosse - einer Art bösen Urmutter, eine Mischung aus Belzebub und außerirdischem Monster. Das Böse ist gesät. Aber soviel Übereinstimmung mit unserem gewohnten Dornröschen gibt’s dann doch: Die Sache geht erst mal gründlich schief, obwohl Königin und König ihre Tochter Aurora, also Dornröschen, hegen, pflegen und beschützen.

Ein grandioses Bühnenbild

Es sind wunderschöne Bilder, die uns die Inszenierung von Stijn Celis bietet. Auch dank des grandiosen Bühnenbildes von Jann Messerli - fast schon der Höhepunkt dieses Ballett-Abends. Da wird aus einem flatternden, weißen Tuch, das von der Decke hängt, eine Baby-Wiege. Da werden Rosen-Pfeile auf die Bühne geworfen, die wie Dolche in die Bühne gerammt werden und rauschende Vorhänge lassen die Szenen wie aus dem Nichts enstehen und wieder verschwinden. Grandios.

Gewagte Kostüme und eine konsequent moderne Inszenierung

Tschaikowskys „Dornröschen“ am Saarländischen Staatstheater (Foto: Bettina Stöß)
Tschaikowskys „Dornröschen“ am Saarländischen Staatstheater

Dazu gibt es sehr gewagte Kostüme von Catherine Voeffray, die eine irre Mischung aus Oskar Schlemmers triadischem Ballett und einer abgedrehten Gothic-Show sind.

Stijn Celis fragmentiert die Musik, die Dirigent Stefan Neubert ganz im Sinne Tschaikowskys dirigiert, und inszeniert das Märchen konsequent modern.

Tänzerisch ist Alexandra Christian als Mutter von Dornröschen eine Augenweide. Mit offenem Haar und Eleganz schwebt sie über die Bühne und gräbt dem allzu burschikosen Dornröschen von Mahomi Endoh das Wasser ab.

Ein spannender Ballett-Abend mit kleiner Einschränkung

Dieser Ballett-Abend ist ein Parcour durch die menschliche Gefühlswelt inklusive einem Kehraus, in dem die Balletttruppe mit übergroßen Besen das Chaos von der Bühne fegt.

Damit wäre es dann auch gut gewesen, doch Celis hängt in seiner Inszenierung den Original-Schluss noch dran: Die Geschichte um Dornröschen, inklusive Aufenthalt in einer Art Nervenheilanstalt. Das ist eher überflüssig, ein schwaches Ende, der wunde Punkt dieser Ballett-Inszenierung. Ansonsten aber ist das Saarbrücker Dornröschen ein kurzweiliger, spannender Ballett-Abend.

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