My name is Legion: Melanie Lambrou, Randolph Ward, Francesco Vecchione, Dean Biosca (Foto: Bettina Stöß)

Der Ballettabend Konjetzky_Barros am SST

Michael Schneider   20.02.2017 | 08:00 Uhr

Diese Premiere war auch für ihre Macherinnen etwas ganz Besonderes. Am 18. Februar gab es in der Alten Feuerwache des Staatstheaters gleich zwei Ballettchoreografien an einem Abend zu sehen: "ground" von Anna Konjetzy und "My Name is Legion" von Liliana Barros. Für die eine war es die erste Arbeit an einem Staatstheater, für die andere sogar die erste größere Choreografie überhaupt.

"ground"

Fünf Tänzer auf der Bühne, die taumeln, hin und her schwanken, sich beieinander anlehnen, um dann doch zu fallen. In Anna Konjetzys Choreografie „ground“ geht es viel um Instabilität und den Kampf gegen die Elemente.

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Premierenkritik: Der Ballettabend Konjetzky_Barros
Audio [SR 2/3, 19.02.2017, Länge 3:02 Min.]
Premierenkritik: Der Ballettabend Konjetzky_Barros

Wer in Physik aufgepasst hat, dürfte das eine oder andere wiedererkennen: Fliehkräfte, Impulserhaltung oder Schwingungen, die auf und mit den Körpern der Tänzer spielen. Zur grollenden und dröhnenden Musik von Sergej Maingardt bewegen sie sich in einem Spannungsfeld zwischen Verzweiflung, Wut und Trotz.

Ausdrucksstarker Tanz, der schweißtreibend ist und fast körperlich spürbar macht, wie die Gruppe die widrigen Umstände in eine ganz eigene Energie umwandelt.

„My Name is Legion“

Im zweiten Stück dieses Abends geht es bunter zu – und vor allem: tänzerischer. Liliana Barros Choreografie „My Name is Legion“ ist nicht so brachial, die Tänzer wirbeln zur Musik von Martin Mitterstieler mit viel Leichtigkeit über die Bühne.

Auch hier geht es um Gemeinschaft. Anfangs ist die Gruppe noch ein verknäulter Körper, der sich atmend und fließend bewegt. Doch schon bald bricht sich der Wunsch nach Individualismus die Bahn – es gibt einzelne Ausbrüche, Alleingänge, aber auch Sehnsucht nach dem Zusammenhalt der Gruppe.

Das Stück schlägt um, als eine Außenstehende dazustößt – und sich die Gruppe der Tänzer in eine Wand aus gesichtslosen Figuren verwandelt, die den Neuankömmling skeptisch umkreisen. Der gebürtigen Portugiesin Liliana Barros ging es um den Themenkomplex Migration, Integration und Bewegung in der Gemeinschaft.

Diese zweite Choreografie ist eingängiger, verspielter, aber auch weniger kraftvoll als die Aufführung von Anna Konjetzy.

Fazit

Generell gilt: Wer mit lauter, abgehackter Musik, einem spärlichen Bühnenbild und modernem Ausdruckstanz wenig anfangen kann – für den ist dieser Abend schwere Kost. Für alle anderen ist ein ein Fest des modernen deutschen Tanzes.

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