Geräteturnen im Schulsport (Foto: imago)

Geräteturnen

Michael Friemel   09.10.2017 | 10:40 Uhr

Was haben Pauline Schäfer und ich gemeinsam? Wir sind beide Saarländer. Was trennt uns? Die Sache mit dem Geräteturnen. Ich hab mir in der sechsten Klasse mal beim Turnen die Nase dran gebrochen, Pauline ist am Wochenende Weltmeisterin geworden.

Glückwunsch Pauline, wir sind stolz auf Dich! Aber je mehr ich über mein Verhältnis zum Barren, und damit über meine Haltung zum Geräteturnen in der Schule generell nachdenke, umso mehr fange ich gerade wieder an, mich aufzuregen. Das ist grade so, als würde die Nase wieder bluten.

Was bitteschön haben Barren, Pferd und Co. im Schulsport verloren? Das frage ich mich heutzutage auch immer wieder, wenn meine Kinder mit ihren Geräteturnerfahrungen aus der Schule heimkommen? Warum müssen Kinder da etwas so Spezielles machen, wofür andere im Sportverein Jahrelang hart trainieren müssen. Do könnt ich mich graad schunn widder in Rage schaffe!

Wir sprechen hier ja nicht von Purzelbaum und Rolle rückwärts. Wir sprechen von großen, wie ich finde, für Laien durchaus gefährlichen Sportgeräten, an denen sich schon mehr als ein Kind den Kopf an- und die Lippe aufgeschlagen hat. Das sind dann die Monate im Schulsportjahr, in denen die drei Mädchen und zwei Jungs, die im Turnverein sind, jubilieren und mal brillieren können, während alle anderen die ganze Zeit denken: Wann ist dieses Schuljahr nur endlich vorbei?

Der verhinderte Profisportler, bei dem´s in der Notkombi mit Englisch dann doch nur für den Sportlehrer gereicht hat, gibt - wenn's gut geht - Hilfestellung, während ein trotteliger Schüler nach dem anderen Anlauf holt, und drei Kreuze schlägt, wenn er die Übung beulenfrei überstanden hat. Wenn´s mies läuft, isses einer von denSportlehrern, der die Hilfestellung an die Sportflachpiepen aus der Klasse delegiert, während er selbst eine Station weiter die Reckstangen für die nächste Disziplin in den Hallenboden rammt. Da steht dann die dünne Lisa bereit, um den dicken Malte beim Salto über den Kasten zu unterstützen, und sie bekommt schon Schweißperlen auf die Stirn, wenn das Paket in 50 Metern Entfernung zum Anlauf ansetzt.

Liebe Kinder, die ihr das alles noch mitmachen müsst: Was bin ich froh, dass ich nicht mehr in der Schule bin!

Michael Friemel


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