Ein Tagpfauenauge  (Foto: dpa)

Immer weniger Schmetterlinge in Deutschland

Felicitas Fehrer   15.04.2018 | 10:07 Uhr

Sie schillern bunt, sind lautlos und sanft: Schmetterlinge sind die wohl beliebtesten Insekten Deutschlands. Umso trauriger ist es, dass die Anzahl der bunten Falter in den letzten Jahren dramatisch gesunken ist. Auch 2018 soll wieder ein schlimmes Jahr für die Flatterwesen werden.

Interview: "Die Landschaft hat sich dramatisch geändert“
Audio [SR 3, Gerd Heger, 16.04.2018, Länge: 03:51 Min.]
Interview: "Die Landschaft hat sich dramatisch geändert“

Seit den 70er Jahren hat sich die Zahl der Tagfalter-Arten um 73 Prozent verringert. Auch Nachtfalter, also Motten, gibt es nur noch halb so viele. Das hat eine Studie der Deutschen Wildtierstiftung ergeben, die in Zusammenarbeit mit Josef Reichholf durchgeführt wurde, einem der bekanntesten Biologen Deutschlands.

Auch im Saarland werden immer weniger Schmetterlinge gesichtet – logischerweise. „Momentan werden hier nur drei Arten gesichtet: der Zitronenfalter, das Pfauenauge und der kleine Fuchs", sagt Rainer Ulrich, Schmetterlingsspezialist und Autor aus Eppelborn. Schuld daran sei hauptsächlich der lange Winter. Insbesondere die eisigen Temperaturen im Februar haben den Schmetterlingsraupen nicht gut getan. „Viele Tiere sind gestorben, bevor sie sich überhaupt erst entwickeln konnten. Wir rechnen mit einem schmetterlingsarmen Jahr 2018.“

Artenrückgang gefährdet Ökosystem

Der extreme Artenrückgang ist nicht nur traurig, sondern auch gefährlich. Denn Schmetterlinge haben eine wichtige Funktion für das gesamte Ökosystem. Sie bestäuben Pflanzen und sind eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel und Säugetiere.

Ein "Kleiner Fuchs" auf einer Sommerflieder-Blüte. (Foto: Pixabay/der-bilderknipser)
Ein "Kleiner Fuchs" auf einer Sommerflieder-Blüte.

Doch nicht nur das kalte Wetter ist Schuld am Schmetterlingssterben. Laut Reichholf liegen die Ursachen auch bei der Landwirtschaft. Denn durch den enormen Maisanbau und die Überflutung der Felder mit Düngemittel werden die Lebensräume der Schmetterlinge zerstört.

Allein im Jahr 2016 wurden in Deutschland mehr als zweieinhalb Millionen Hektar Land mit Mais bebaut. Die meisten Wiesen sind laut Reichholf viel zu überdüngt. Botanische Vielfalt suche man dort vergeblich.

Da sich Schmetterlingsraupen aber von bestimmten Pflanzen ernähren und auch ausgewachsene Schmetterlinge den Nektar ganz bestimmter Blüten zum Überleben brauchen, ist es also ein Problem, wenn es eben diese Pflanzen einfach nicht mehr gibt.

Was können Gartenbesitzer tun?

Um den Faltern zu helfen, können Gartenbesitzer zu Hause Blumen säen. Besonders geeignet sind hierfür Sommerflieder oder Lavendel. Denn von Blütenreichtum profitieren Insekten generell. Reichholf empfiehlt auch, die ein oder andere Brennnessel-Pflanze stehen zu lassen, da sich dort oftmals Schmetterlingsraupen festsetzen.

Ein weiterer Tipp: Seltener Rasenmähen.Falls mehrfach gemäht werden soll, dann möglichst nur auf Teilflächen und zeitversetzt. Zum Beispiel ein Viertel im Mai, eines Ende Juni und eines im August“, sagt Reichholf.

Über dieses Thema wurde auch in der Region am Nachmittag am 16.4.2018 berichtet.

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