Ein künstlich begradigter Flusslauf (Foto: imago/chromorange)

Saar-Gewässer in schlechtem ökologischen Zustand

Thomas Braun   16.06.2017 | 13:48 Uhr

Auch wenn fast alle saarländischen Gewässer seit Jahren Bestnoten als saubere Badegewässer bekommen, sieht es um die ökologische Qualität nicht gut aus: Nach Angaben der Bundesregierung ist kein einziger von 113 untersuchten Flüssen und Bächen in einem sehr guten Zustand, mehr als die Hälfte wird sogar als schlecht bewertet. Laut Umweltministerium steigt die Qualität allerdings.

Im Saarland erhielten nur acht von 113 bewerteten Gewässern ein "gut", kein einziges ein "sehr gut". Darüber hinaus wurde der ökologische Zustand von 60 Fließgewässern im Saarland als "schlecht" eingestuft. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor. Diese Zahlen hat Deutschland demnach 2015 an die EU berichtet. Angaben zu einzelnen Gewässern enthält die Antwort nicht.

Als Badeort gut, als Lebensraum nicht

SR 3 - Tressel zur Wasserqualität im Saarland
Audio [SR 3, Gerd Heger, 16.06.2017, Länge: 03:37 Min.]
SR 3 - Tressel zur Wasserqualität im Saarland

Um den ökologischen Zustand eines Gewässers zu beurteilen, untersuchen die Behörden nicht nur die chemische Zusammensetzung, sondern auch andere Punkte, die Form und Fließverhalten der Gewässer beeinflussen - sogenannte "hydromorphologische Komponenten". Trotz guter Wasserqualität kann die Ökologie eines Baches oder Flusses schlecht sein, wenn beispielsweise das Ufer zugebaut ist und so natürliche Lebensräume für Tiere fehlen. So erklärt sich auch der vermeintliche Widerspruch, dass die Badequalität zwar gut, die ökologische Qualität allerdings schlecht sein kann.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Markus Tressel sieht dringenden Handlungsbedarf, damit die Artenvielfalt in den Flüssen und Seen wieder zunimmt. Er kritisiert, dass CDU und SPD im Saarland zumindest laut Koalitionsvertrag allerdings keinen weiteren Handlungsbedarf sehen.

Wasserqualität besser als vor 40 Jahren

Offenbar hat sich bei der Wasserqualität in den vergangenen Jahrzehnten im Saarland bereits einiges getan - auch wenn ein Langzeitvergleich aufgrund anderer Messmethoden nicht ohne weiteres möglich ist. Nach dem alten Messverfahren hat sich die Gewässergüte zwischen 1975 und 2008 deutlich verbessert. Waren 1975 knapp zwei Drittel der saarländischen Gewässer stark oder sogar übermäßig verschmutzt, waren es 2008 nur noch elf Prozent. Mit der alten Messmethode konnten allerdings keine hydromorphologischen Defizite oder eine chemische Belastung abgebildet werden.

Außerdem teilte das saarländische Umweltministerium mit, dass selbst erfolgreiche Maßnahmen Jahre brauchen, bis sich Flora und Fauna wieder entwickelt haben. Bereits die vorangegangene Landesregierung habe ein umfangreiches Paket mit 449 Maßnahmen beschlossen. Die Gemeinden, der EVS, das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz und die anderen zuständigen Behörden sollen diese in den nächsten Jahren umsetzen.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 16.06.2017 berichtet.

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