Peter Maffay - Erinnerungen (Foto: Sony)

Peter Maffay: "Erinnerungen"

  10.09.2017 | 18:00 Uhr

Für viele ist er der Rocker mit Tätowierungen, Motorrad und sehnigem Körper. Die größten Erfolge feierte Peter Maffay jedoch mit ruhigen Nummern. Für sein Album „Erinnerungen – die stärksten Balladen“ hat er 18 Songs aus vier Jahrzehnten ausgewählt. Unser CD-Tipp der Woche.


CD der Woche vom 11. bis 16. September 2017


Peter Maffay - Erinnerungen (Foto: Sony)

Peter Maffay: "Erinnerungen

Label: Sony
Bestellnummer: 7443241
Erscheinungstermin: 28.7.2017


„Ich bin extrem weich. Und ich lege Wert darauf, weich zu bleiben, nur dann bin ich nämlich ich selbst.“ Diese Innenansicht präsentierte Peter Maffay dem Tagesspiegel im Jahr 2015 auf die Frage, ob sein Image als harter Kerl Selbstschutz sei – und zeigte damit, was ihm bei aller optischen Kantigkeit tatsächlich wichtig ist.

Zu Beginn seiner Karriere war Maffay alles andere als ein harter Kerl. Bei seinem ersten Auftritt in der ZDF Hitparade präsentierte er sich 1970 noch im Samtanzug, doch im Verlauf des Jahrzehnts änderte sich nicht nur der Look sondern auch der Sound – und mit ihm die Texte. Zur ersten Kontroverse erwuchs 1976 „Und es war Sommer“, in dem Maffay die körperliche Liebe eines 16-Jährigen und einer erwachsenen Frau thematisierte. Man kann sich heute nicht mehr vorstellen, warum dieser Text für einen kleinen Skandal sorgte, doch damals waren derartige Beziehungen noch per Gesetz verboten – und damit auch kein Thema für ein erfolgreiche Ballade. Nicht so bei Peter Maffay. Der Song stieg bis auf Platz fünf der Charts und läutete seine Wandlung zum Rockmusiker ein.

Anfang der 1980er-Jahre suchte und fand Maffay Themen abseits der Liebe – seine zweite Frau Chris Heinze war politisch engagiert und gab dem Sänger dadurch neue Impulse. In dieser Phase komponierte er mit „Eiszeit“ eines seiner bekanntesten und beliebtesten Lieder. Maffay erinnert sich: „Es gibt Songs, die werden nicht alt. ‘Eiszeit’ ist auch durch die Thematik ein Lied, das nicht an Gewicht verloren hat. Es ist einer unserer Key-Songs.“ Die Nummer entstand, kurz nachdem Maffay sein Haus in Tutzing erworben hatte – und das innerhalb einer Nacht. „Ich saß mit [Pianist] Jean-Jacques Kravetz oben im Haus. Es war schon spät, und wir hatten ein bisschen was getrunken. Es war die Zeit der Aufrüstung. Man konnte sich ausmalen, was passieren würde, wenn einer auf den Knopf drückt und der ganze Erdball in die Luft fliegt. Diese Angst bei vielen Menschen hat dazu geführt, dass die ganzen Demos stattgefunden haben. Wir haben versucht, sie in dieses Lied hinein zu projizieren. Als es fertig war, waren wir glücklich über diesen Wurf. Eiszeit bedeutet ja nichts anderes, als dass alles versagt. Jegliche Kommunikation wird ausgesetzt, und dann passiert, was niemand wirklich haben will.“

Seitdem hat Peter Maffay zahlreiche erfolgreiche Alben – von der ersten „Tabaluga“-Scheibe 1983 bis zum letzten Studiowerk „Wenn das so ist“ aus dem Jahr 2014 – geschrieben und veröffentlicht. Bei aller Rock-Attitüde waren Balladen stets ein wesentlicher Teil seiner Musik. „Wenn das so ist“ endet mit „Halleluja“, das Maffay als ein schönes Gebet mit einem zuversichtlichen Text beschreibt – auch wenn er anfangs zögert, das Titelwort in den Mund zu nehmen. Doch der Titel „Halleluja“ ist dabei weniger im christlichen Sinn von „Lobet der Herrn!“ zu verstehen, sondern als ein Ausdruck der Befreiung, wenn sich zwei Dialogpartner gegenüber stehen, die sich nicht mehr austauschen und dadurch nicht mehr weiterkommen. Auch hier sieht Maffay in der vermeintlich weichen Position den Weg zur Lösung: „Wer den ersten Schritt tut, ist der Souveränere – weil er keine Bedenken hat, in eine solche Perspektive zu investieren, auch auf die Gefahr hin, dass diese Investition ins Leere läuft.“

Quelle: www.rock.de (Claudius Röther)

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