Glosse: Legalize it?

Legalize it?

Erik Heinrichs Glosse über die Legalisierung von Cannabis in Kalifornien

  03.01.2018 | 08:50 Uhr

In Kalifornien ist Kiffen jetzt erlaubt. Keine Angst mehr vor Knast, dafür verdient der Staat kräftig mit am Cannabis. SR 2-Kolumnist Erik Heinrich will nun noch ganz andere Verbote fallen sehen... Eine Glosse.

Ich gestehe: Als junger Erwachsener habe ich den einen oder anderen Joint mit Freunden durchgezogen – "Ey, sach mal, kannst du Musik sehen?" - und nach dem Genuss von Marihuana-Keksen plötzlich festgestellt, dass ich schon seit Stunden dämlich und grundlos vor mich hinkicherte.

Ich habe damit aufgehört, als ich nach einer ziemlich dicken Tüte auf dem Nachhauseweg von der Party mit meiner alten Klapperkiste auf den Horror kam, weil ich das Gefühl hatte, dass zwei Doppeldecker-Busse versuchten, mich in die Zange zu nehmen. In Berlin ist vieles möglich, aber das war sicherlich ein Anfall von Paranoia.

In Kalifornien, das Hippies und Späthippies immer noch als Land der Verheißung gilt, ist Cannabis jetzt legal. Legal - illegal – scheißegal? Nicht wirklich.

Cannabis, die sanfte Droge, die gechilled und peaceful macht und lustige Gedanken im Kopf purzeln lässt, das ist ein Mythos. Junge Konsumenten von heute ziehen sich hochgezüchtetes Zeug mit einer Wirkstoffkonzentration rein, von der wir damals nur träumten. Ein Jugendlicher, als ich ihm erzählte, dass wir früher die ganze Pflanze einschließlich Stängel quarzten, lachte mich aus. Nee, nur die Blüten kommen rein. Und zwar meistens in die sogenannte Bong, eine dicke Wasserpfeife, die genau das hält, was ihr Name verspricht: Ein tiefer Zug und es macht Bong in der Birne des Nutzers, die für die nächsten Stunden ziemlich außer Funktion gesetzt ist.

Warnt man Jugendliche vor der Verharmlosung von Cannabis, bekommt man in der Regel die Antwort: Weißt du, wie viele kaputt gehen an der legalen Droge Alkohol? Kiffen ist Kult, da kannste nix machen. Außer zuschauen, wie große Teile einer Generation fröhlich verblöden.

Hand hält einen Joint (Foto: SR)

Da kann man sagen, was soll's, selig sind die geistig Armen und mit Kiffern kann man jedenfalls nicht in den Krieg ziehen. Aber die Welt verbessern kann man mit Konsumenten auch nicht. Nicht einmal verbindliche Verabredungen treffen. Schade.

Cannabis verbieten ist indes auch keine Lösung. Siehe Prohibition. Die Legalisierung bringt dem Staat sogar immense Steuereinnahmen, in Kalifornien werden eine Milliarde Euro jährlich erwartet. Man sollte eher auf positive Anreize setzen und in einem Zug mit Cannabis auch andere Dinge legalisieren, die bisher verboten sind: Das Selbstbrennverbot für Schnaps fällt zuerst! Viagra sollte es nicht nur auf Rezept, sondern im Bettelbereich an den Supermarktkassen geben. Und illegale Autorennen müssten gestattet werden – natürlich nur auf evakuierten Flächen und wenn die Fahrer vorher unterschreiben, dass sie ihre Organe spenden. - Bitte setzen Sie die Liste nach Belieben fort!

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Morgen" vom 03.01.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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