Glosse: Die Stunde des Jogi

Die Stunde des Jogi

Eine Kolumne von Erik Heinrich

  21.11.2017 | 08:55 Uhr

Sondierungen geplatzt, GroKo keine Option, Neuwahlen oder Minderheitenregierung? Deutschland ist in Not, in großer Not sogar. So ein Kuddelmuddel hat es seit Kriegsende in Berlin noch nicht gegeben. Aber keine Panik - wir haben ja noch Jogi. Und - da ist sich SR 2-Kolumnist Erik Heinrich sicher: Wenn der's nicht schafft, schafft's keiner! Eine Glosse.

Deutschlands schwere politische Krise ist die Stunde des Staatsmanns. Nur einen gibt es, der die Deutschen, die Demokratie retten und eine schlagfähige Regierungsmannschaft in die Welt führen kann: Jogi Löw. Erhöre uns Jogi, die Not ischt groß, Du muscht ran, Mission Deutschland.

Noch ist alles ungewiss, aber falls es zu Neuwahlen kommt und infolgedessen zu einer ähnlichen Parteienkonstellation, kann nur ein erfahrener und psychologisch geschickter Trainer aus dem Haufen ein Team schmieden. Jogi bringt alles mit: Er fördert nicht nur Spieler von Bayern München, sondern Talente aus allen Regionen. Er kennt die Stärken und Befindlichkeiten aller Spieler und er hat die natürliche Autorität. Auch an seiner Sprachanomalie hat er in den letzten Jahren gearbeitet.

In ersten Interviews hat Löw bereits klar gemacht, dass in der Mannschaft kein Platz für Spieler ist, die nicht Verantwortung übernehmen, wenn der Anpfiff ertönt. Ein Libero wird im modernen Fußball eh nicht gebraucht. Und, in aller Deutlichekeit, so Jogi: Wer beim Team-Ausflug kurz vor Erreichen der Insel den Stöpsel vom Rettungsboot zieht, hat seinen Platz im Kader auf Jahre vergeigt.

Schon jetzt macht sich Jogi Gedanken über das Team der Zukunft: Wird Merkel wieder als bewährtes Zentrum zur Verfügung stehen, sie würde dann sehr gut mit der Doppel-Sechs Von der Leyen/Klöckner harmonieren und das Mittelfeld wäre solide. Die Nummer eins im Tor steht schon fest. Keiner eignete sich so wie Altmeier, der Mann, der im Stand 50 Prozent der Torfläche abdeckt und dem Jogi zutraut, seine Jungs von der Beton-Abwehr in den Griff zu bekommen, ob sie nun Seehofer/Dobrindt heißen oder Herrmann/Aigner.

Wer immer es werden sollte, Jogi hat bereits beschlossen, dass die Spieler vom Abwehr-Zentrum zuallererst auf die Streckbank des Physiotherapeuten müssen: Da gilt es einige Verhärtungen und Versteifungen wegzukneten! Für den Sturm und Drang sind der quirlige Özdemir und die bieder erscheinende, aber immer für eine taktische Überraschung gute Göring-Eckardt gesetzt.

Doch das Personal ist knapp, wenn es gegen das breit aufgestellte rot-gelb-braune Oppositionsteam auf das parlamentarische Spielfeld gehen soll. Aber Jogi wäre nicht Jogi, hätte er nicht noch einen Trumpf im Ärmel: Auf der Ersatzbank zappeln bereits Schwesig, Schäfer-Gümpel und Nahles – sofort einsetzbar, wenn nur erst der Trainer ihres Heimatvereins, der ihnen einen Bann auferlegte, der Schulz, gefeuert ist. Aber reicht das, um wieder Weltmeister zu werden oder droht der Absturz in der Vorrunde? Schaun wir mal.

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Morgen" vom 21.11.2017 auf SR 2 KulturRadio berichtet.


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