"Alle plappern das munter nach, was vom Mainstream vorgekaut wird"

"Alle plappern munter nach, was vom Mainstream vorgekaut wird"

Ein Gespräch mit dem Kabarettisten Detlev Schönauer zu seinem Bühnenprogramm "Doppelhirn"

Kai Schmieding / Onlinefassung: Rick Reitler   04.10.2017 | 07:40 Uhr

In seinem aktuellen Bühnenprogramm "Doppelhirn" nimmt der Kabarettist Detlev Schönauer ("Jacques Bistro") vor allem den augenscheinlichen Verfall des deutschen Bildungswesens aufs Korn. Kurz vor seinem Saarbrücker Tourneeauftakt am Freitagabend hat er mit SR 2-Moderator Kai Schmieding über Facebook, Flüchtlinge und über fehlenden "Macher" in der Politik gesprochen.

"Mein Eindruck ist tatächlich, dass die Bildung verkommt." Im SR 2-Interview sparte der Kabarettist Detlev Schönauer nicht mit Kritik am gegenwärtigen Zustand der deutschen Wissens-, Medien- und Politiklandschaft. "Wenn unser Bildungsminister die Anforderungen ans Abitur schon senken, will, weil ihm die Leistungen zu stark abgenommen haben, dann spricht das Bände", sagte Schönauer im Gespräch mit SR 2-Moderator Kai Schmieding.

"Es werden vorgestanzte Meinungen übernommen"

Kabarettist Detlev Schönauer  (Foto: Pressefoto)
Der Kabarettist Detlev Schönauer (Pressefoto)

Gute Beispiele für den Niedergang der Bildung sieht Schönauer nicht nur in Fernsehformaten wie der "Dschungelshow" oder "Bauer sucht Frau", sondern auch im politischen Diskurs über die Flüchtlingskrise oder im Begriff "Flüchtlinge" selbst: "Es wird nur noch pauschalisiert, es werden unreflektiert vorgestanzte Meinungen übernommen und nachgeblökt - und das passiert auf beiden Seiten", gab Schönauer zu bedenken. "Jemand, der zum Beispiel vom Kosovo oder aus Nordafrika kommt, weil er sich hier ein besseres Leben erhofft, ist kein Flüchtling, den unser Grundgesetz ausdrücklich schützt. Er ist ein Wirtschaftsmigrant, aber Flüchtling klingt halt schöner. Alle plappern das munter nach, was vom Mainstream vorgekaut wird", kritisierte Schönauer. Auch auf der "anderen Seite" sei es "ganz genauso: Da wird verallgemeinert und der Untergang des Abendlandes heraufbeschwört, nur weil so'n paar fanatische Idioten unschuldige 'Nichtgläubige' töten."

Für die überraschten Reaktionen mancher Politiker nach dem starken Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl hat Schönauer ebenfalls eine Erkenntnis parat: "Dadurch ist jetzt nix mehr mit 'weiter so'. Schon am Wahlabend, nach der ersten Prognose, da meinen plötzlich viele der etablierten Politiker: 'Huch, wir müssen wohl mehr auf die Ängste der Bürger hören und die ernster nehmen'. Das ist ja 'ne Wahnsinnserkenntnis! Hätten die die Ängste der Bürger früher ernster genommen, dann gäb's auch gar keine AfD im Bundestag." Er persönlich sei sich im Übrigen sicher, dass sich die AfD bald selbst demontiere: "Das war mit allen rechten Gruppierungen immer so, da hab' ich gar keine Angst."

"Mir fehlen so Macher"

Eher pessismistisch sei er dagegen, was die zurzeit anvisierte Jamaika-Koalition im Bundestag angehe: "Unsere Politiker heute sind doch mehr eitle Besserwisser, die dringenden Problemen durch salbungsvolles Geschwätz aus dem Weg gehen oder das schön in die nächste Legislaturperiode verschieben", schimpfte Schönauer. "Es wird viel zu viel parteiintern gestritten, es wird viel zu viel geschwätzt und viel zu wenig getan - und ich fürchte, das bleibt so." Ihm fehlten "die Macher - so Leute wie Helmut Schmidt oder Wehner, Strauß oder Kohl, die ihre Wähler und ihren Auftrag ernst genommen haben."

Dummes Facebook?

Auch wenn einschlägige Kommentare zu politischen Themen auf Facebook nicht immer fundiert seien, weigert sich Schönauer, das soziale Netzwerk in Gänze zu verteufeln: "Facebook macht nicht dumm - hilft aber vielen, ihre Dummheit überall bekannt zu machen."

Schönauers aktuelles Tourneeprogramm: "Doppelhirn"

Premiere: Freitag, 6. Oktober 2017, 20.00 Uhr
Congresshalle Saarbrücken
[Weitere Informationen unter www.schoenauer.de]

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Morgen" vom 4. Oktober 2017 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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