Annäherung zwischen Nord- und Südkorea: "Nicht nur Show"

"Nicht nur Show"

Ein Interview mit Eric Ballbach vom Institut für Korea-Studien der FU Berlin zur Annäherung von Nord- und Südkorea

Katrin Aue   12.02.2018 | 15:55 Uhr

Die verfeindeten Länder Nord- und Südkorea, die sich offiziell im Kriegszustand befinden, signalisieren Annäherung. Die Olympischen Spiele hätten dazu "sicherlich den Rahmen geboten", erklärt Eric Ballbach von der FU Berlin im SR 2-Interview mit Katrin Aue. Eine Lösung der nordkoreanischen Nuklearfrage sei das aber noch lange nicht, dazu bedürfe es auch des Dialogs mit den USA. Die Annäherung sei jedoch ein "wichtiger Schritt zur Deeskalation".

Eric Ballbach (Foto: FU Berlin)
Eric Ballbach

In den vergangenen Monaten habe sich die politische Lage in Nordkorea von allen Seiten zugespitzt, so Eric Ballbach vom Institut für Korea-Studien der FU Berlin. Dazu beigetragen hätten natürlich die unzähligen Raketentests und der erneute Nukleartest auf nordkoreanischer Seite. Aber auch die Rhetorik aus Washington von US-Präsident Donald Trump sei "sicherlich nicht dazu geeignet" gewesen, diesen Konflikt zu entschärfen.

Kalkül gegen Sanktionen

Hinter der neuerlichen Annäherung der beiden Länder stecke auch Kalkül, nicht nur von Nordkorea, wo man die "Druckpolitik" mit den zahlreichen Sanktionen abschwächen möchte, sondern auch von Südkorea und den USA. Jedes Land versuche in so einer Situation immer "das Beste für sich herauszuholen", so Ballbach.

Mehr als Propaganda

Der Korea-Experte erklärt weiter, dass es Kim Jong-un bei den Olympischen Spielen zwar auch darum gehe, "wirkungsmächtige Bilder für die interne Propaganda" zu bekommen, etwa durch die nordkoreanischen Jubelgruppen in den Stadien (siehe Foto oben), aber man dennoch nicht behaupten könne, dass alles nur Show sei. Denn sonst hätte Nordkorea nicht Kim Yong-nam, das nominelle Staatsoberhaupt des Landes, also den Präsident des nordkoreanischen Parlaments, geschickt. Es handelt sich dabei um den ersten Besuch eines Vertreters der Kim-Familie in Südkorea seit 1953.

Der Besuch sei eine wichtige Gelegenheit, "den innerkoreanischen Dialog zu entwickeln", so Ballbach, und somit ein "ganz, ganz wichtiger Schritt zur Deeskalation" des Konflikts. Dennoch solle man diesen Dialog nicht überbewerten, da für eine Lösung noch viele potentielle Fallstricke existierten, meint Ballbach.

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Bilanz am Abend" vom 12.02.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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