DIW-Chef Fratzscher für Eurozonen-Reform: "Das muss im kommenden halben Jahr gelingen"

"Das muss im kommenden halben Jahr gelingen"

Ein Interview mit dem Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Prof. Marcel Fratzscher zu den Reformplänen der EU-Kommission

Peter Weitzmann   06.12.2017 | 17:45 Uhr

Die EU-Kommission plant eine Reform der Eurozone. Zentrale Vorhaben sind ein gemeinsamer Währungsfond und die Einführung eines europäischen Finanzministers. Im SR 2-Interview spricht sich der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Prof. Marcel Fratzscher klar für eine Reformierung aus.

Der Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und Professor für Makroökonomie an der Berliner Humboldt-Universität, Marcel Fratzscher, hat die Reformpläne der EU- Kommission für die Eurozone als „absolut richtigen Schritt“ begrüßt. Allerdings sei Eile geboten: „Das muss im kommenden halben Jahr gelingen. Und es kann auch nur gelingen mit einer deutsch-französischen Partnerschaft“, erklärte Fratzscher im Interview mit SR 2 KulturRadio. Denn „in zwei oder drei Jahren ist der Zug abgefahren“, so Fratzscher.

Reformen auch im deutschen Interesse

Es gehe darum, „dass man sich hier besser abspricht und dann ein europäischer Finanzminister auch darauf hinwirkt, dass sich Länder an die gemeinsamen Regeln halten“. Auch die Wandlung des Europäischen Stabilitätsmechanismus zu einem Europäischen Währungsfonds sei „absolut sinnvoll. Es ist ja in gewisser Weise schon ein Armutszeugnis, dass eine so reiche Region wie Europa hier auf Expertise von einem internationalen Währungsfonds angewiesen ist“, so der Ökonom.

Fratzscher kritisierte, auch Deutschland sehe häufig Europa als Sündenbock: „ Wir tun das sehr gerne: klagen, dass die Fehler alle in Brüssel liegen und bei der europäischen Kommission, aber letztlich werden die Sünden und die Regelverstöße ja von den nationalen Regierungen begangen, auch von der Bundesregierung“.

Mehr Einfluss auf die nationalen Regierungen, um Regeln einzuhalten, das liege auch im deutschen Interesse, so Prof. Marcel Fratzscher.


Über dieses Thema wurde in der Sendung "Bilanz am Abend" vom 06.12.2017 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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