Wenn der Globus ächzt

Gegensteuern - für künftige Generationen!

Ein Interview mit Germanwatch-Sprecher Stefan Küper

Stephan Deppen / Onlinefassung: Rick Reitler   02.08.2017 | 12:45 Uhr

Mensch und Maschine verbrauchen mehr Rohstoffe, als dem Planeten Erde gut tut. Dabei ist nicht nur der Rückgang der Ressourcen das Übel, sondern auch die Folgen des Raubbaus und Vernichtens für Natur und Gesundheit insgesamt. Am "Erdüberlastungstag" hat SR 2 KulturRadio mit Stefan Küper, dem Sprecher der Umweltorganisation Germanwatch, u. a. über die Gefahren der Übernutzung, über das Sankt-Florians-Prinzip und über die Folgen für spätere Generationen gesprochen.

Aktion zum "Erdüberlastungstag" am 2. August 2017 in Berlin (Foto: picture alliance / dpa / Paul Zinken)
Aktion zum "Erdüberlastungstag" am 2. August 2017 in Berlin

Der Erdüberlastungstag zeigt "den Tag, an dem alle nachhaltig nutzbaren Ressourcen für dieses gesamte Jahr aufgebraucht sind", erklärte Küper im Gespräch mit SR 2 KulturRadio: "Also von heute bis zum Ende des Jahres leben wir quasi auf Pump und die Zeche dafür zahlen irgendwann mal die nachfolgenden Generationen." Das Problem sei, dass die "gravierenden Folgen" der Erdüberlastung normalerweise nicht schon heute oder morgen, sondern nur "schleichend" zu spüren seien. Bereits jetzt aber könne man beispielsweise anhand des Klimawandels und der "extremen Wetterereignisse" nicht nur in Deutschland merken, "dass wir eine Grenze des Planeten dabei sind zu überschreiten".

Privatleute und Politiker gefragt

Um das St.-Florians-Prinzip auszuhebeln und das Ruder herumzureißen, setzt Küper auf eine Kombination aus eigener, individueller Tatkraft und neuen politischen Vorgaben: "Wir haben in einigen Wochen Bundestagswahl, und da wird auch darüber entschieden, welche Parteien denn mit welchen Konzepten zur Senkung des Ressourcenverbrauchs gewählt werden." Jeder Einzelne selbst könne mit gutem Beispiel vorangehen, indem er schon jetzt seine Gewohnheiten umstelle - also weniger oder gar kein Fleisch mehr esse, weniger oder gar kein privates Auto mehr fahre, Öko- statt Atom- oder Kohlestrom beziehe.

Mit Verzicht haben derartige Umstellungen für Küper nichts zu tun: Indien oder Marokko seien ganz im Gegenteil gute Beispiele für die Vorteile einer "irre boomenden Solarindustrie", die nicht nur Kosten senke, sondern auch neue Arbeitsplätze schaffe. "Viele dieser Länder erkennen langsam, das ist für uns nicht Verzicht, das ist für uns eher 'ne Chance." Eine Chance, die im Übrigen auch Hilfe durch Deutschland verdient habe, so die Forderung des Germanwatch-Sprechers.

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Am 2. August ist Erdüberlastungstag. Er soll weltweit vor unserem zu hohem Ressourcen-Verbrauch warnen und darauf aufmerksam machen, wie verschwenderisch der Mensch mit der Natur umgeht. In Saarbrücken konnte man sich deshalb sogar ausrechnen lassen, was man selbst zu diesem Wahnsinn beiträgt. SR-3-Reporterin Nadja Dominik hat sich mal schlau gemacht, wie das geht.

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 02.08.2017 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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