Ein "Höhepunkt im Festkalender" der Linksextremen

"Besser reden als nicht reden"

Der Würzburger Medienhistoriker Prof. Peter Hoeres über den G20-Gipfel in Hamburg

Jochen Erdmenger / Onlinefassung: Rick Reitler   07.07.2017 | 08:25 Uhr

Sind Millionen Euro verschlingende, meist fruchtlose Konferenzen wie der G20-Gipfel in Hamburg überhaupt noch zeitgemäß? Ja, meint der Würzburger Medienhistoriker Prof. Peter Hoeres: Immmerhin gehe es um vertrauensbildende Maßnahmen auf internationaler Ebene. SR 2 KulturRadio hat mit ihm u. a. über Grundregeln der Diplomatie, linksextremen Widerstand und die Rolle der Medien gesprochen.


"Was in Bewegung kommt, ist tatsächlich, dass die Vertreter der Staaten, die Staats- und Regierungschefs sich kennenlernen, ins Gespräch kommen, auch in vertrauliche Gespräche". Für den Würzburger Medienhistoriker Prof. Peter Hoeres ("Außenpolitik und Öffentlichkeit") geht es beim G20-Gipfel in Hamburg ebenso wie bei anderen internationalen Treffen weniger um konkrete Ergebnisse als um Diplomatie und "vertrauensbildende Maßnahmen". Aus seiner Sicht sei der G20-Gipfel deshalb "nicht überflüssig".

Die Momente hinter den Kulissen

"Jeder Gipfel ist ein Medienspektakel", räumte Hoeres im Gespräch mit SR 2 KulturRadio ein. "Es gibt die 'Familienbilder', es gibt die Krawalle drumherum, es gibt Trump, der - so das Kalkül der Medien - sich sicher wieder daneben benehmen wird."

Für wichtiger und interessanter als das, was den Fernsehzuschauern präsentiert werde, halte er allerdings jene Momente, die hinter den Kulissen stattfänden: "Je mehr Transparenz da ist, desto größer werden auch wieder diese arkanen, geheimen Räume und diese vertraulichen Gespräche". Von daher werde sich auch in Hamburg wieder die "Grundregel der Diplomatie" bewahrheiten, nach der es besser sei, "zu reden als nicht zu reden" - und zwar unabhängig von irgendwelchen Beschlüssen oder Verträgen. "Dafür sind diese Gipfel auch nicht da", stellte Hoeres fest.

Ein "Höhepunkt im Festkalender" der Linksextremen

Die möglichen positiven Effekte eines Gipfels rechtfertigten letztlich auch die Kosten, die zur Ausrichtung aufgebracht werden müssten, meint Hoeres. Diese Millionensummen seien zudem weniger den Organisatoren und Spitzenpolitikern selbst als vielmehr den Sicherhitsauflagen geschuldet: "Die Kosten entstehen im Wesentlichen durch die Mobilisierung der linksextremen Szene, für die das also sozusagen seit Jahren vorgeplant ein Höhepunkt ist in ihrem Festkalender." Die Staaten aber repräsentierten "viel, viel mehr Menschen als diese kleine Minderheit".

Hintergrund

Stellvertreter der 20 wirtschaftsstärksten und mächtigsten Staaten beraten sich am 7. und 8. Juli zusammen mit Unterhändlern der Zentralbanken und des internationalen Währungsfonds auf dem G20-Gipfel in Hamburg über Fragen der Gesundheits- und Klimapolitik, verhandeln über die Zukunft der Globalisierung und der internationalen Handelspolitik - kurz: Es geht um nichts weniger als um die Zukunft der Weltgemeinschaft. Das Politspektakel wird den Steuerzahler rund 130 Millionen Euro kosten.

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Morgen" vom 07.07.2017 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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