Prof. Thorsten Faas: "Umfragen ad absurdum geführt"

"Umfragen ad absurdum geführt"

Eine Analyse zur Landtagswahl im Saarland von dem Politikwissenschaftlers Prof. Thorsten Faas der Uni Mainz

Interview: Jochen Marmit / Onlinefassung: Martin Breher   27.03.2017 | 10:25 Uhr

Die Umfragen kurz vor der Wahl, die eine Möglichkeit für eine Koalition aus SPD und Linken sahen, hätten letztendlich dazu geführt, dass diese Koalition nicht zustande kommen konnte, erklärt Prof. Thorsten Faas. Die Wähler würden auf Umfragen reagieren und ihre Wahl nochmal überdenken.

Es war spannend, weil wir tatsächlich nicht wussten, wie sich die Wählerinnen und Wähler im Saarland am Ende entscheiden würden, ob sie sich vielleicht auf der Zielgerade nochmal umentscheiden würden.

Genau das sei auch passiert, erklärt der Politologe Professor Thorsten Faas. Es habe einen „Sog hin zu einer beliebten Amtsinhaberin“ gegeben. Der "Schulz-Zug" sei zweigleisig gefahren, erläutert Faas. Zuerst habe er die Partei in eine Situation gebracht, in der es überhaupt möglich war, über bestimmte Koalitionsmöglichkeiten nachzudenken, also Große Koalition oder Rot-Rot. Dann am Schluss habe dieser Effekt aber nicht mehr geholfen, da sei es den Saarländern primär darum gegangen, die beliebte Ministerpräsidentin im Amt zu halten.

Warum lagen die Umfragen daneben?

Die Umfragen hätten bei FDP, AfD und Grünen gar nicht so schlecht gelegen, meint Faas. Ein „vermeintliches Problem“ habe es allerdings bei CDU und SPD gegeben.

Eines darf man mit Blick auf die Umfragen eben nie vergessen: Die geben einen bestimmten Zwischenstand zu einen bestimmten Zeitpunkt vor der Wahl wieder, aber natürlich können die Menschen auf diese Umfragen auch reagieren und damit auch nochmal Änderungen im Wahlverhalten oder im Wahlergebnis produzieren.

Damit würden die Umfragen sich selbst ad absurdum führen, meint Faas. Und genau diesen Effekt habe man bei der Landtagswahl 2017 auch wieder erlebt.

Kriterium: Sicherheit und Unsicherheit

Ein Kriterium für die Wahl der CDU sei auch die damit verbundene Klarheit einer (großen) Koalition gewesen. Die möglichen SPD-Wähler hätte eine Unsicherheit erwartet, für welche Koalition die Partei sich später entscheiden werde, da die Umfragen plötzlich auch ein rot-rotes Bündnis aus SPD und Linken als Option und mögliche Alternative zur Großen Koalition prognostizierten.

CDU war sehr präsent im Land

Die Wahlbeteiligung ist im Vergleich zur letzten Wahl deutlich gestiegen. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis lag sie bei 69,7 Prozent, vor fünf Jahren hatten sich nur 61,6 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt. Die meisten Nichtwähler konnte die CDU für sich gewinnen, was Prof. Thorsten Faas folgendermaßen erklärt:

Die CDU – sie war sehr präsent im Land. Man hat ja auch auf der Zielgeraden nochmal sehr, sehr viele Haustürbesuche gemacht. Und wir wissen, dass dieses Instrument funktioniert.

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