Downing Street in London (Foto: SR / Christine Hoffmann)

Brexit ja, Brutalscheidung nein

Ein Interview mit Europarechtler Prof. Thomas Giegerich, Universität des Saarlandes

Audio: Jochen Marmit / Onlinefassung: Rick Reitler   18.01.2017 | 07:50 Uhr
Im Gespräch mit Prof. Thomas Giegerich
Mediathek: Interview
Im Gespräch mit Prof. Thomas Giegerich
[Jochen Marmit für SR 2 KulturRadio, Der Morgen, 18. Januar 2017, Länge ca. 5:33 Min.]


Die freie Wahl des Wohnorts in Großbritannien dürfte für Kontinentaleuropäer bald Geschichte sein. Der Saarbrücker Europarechtler Prof. Thomas Giegerich von der Universität des Saarlandes glaubt nicht daran, dass die britische Premierministerin Theresa May von diesem zentralen Punkt des Brexit abrücken wird. Eine Niederlassung auf der Insel als Unternehmer werde "wahrscheinlich noch möglich sein", "ein Zutritt zum britischen Arbeitsmarkt nach Vorstellung von Theresa May nicht", sagte Giegerich im Gespräch mit SR 2 KulturRadio. "Das hängt eben vom Inhalt dieses geplanten Freihandelsabkommens ab". Und dieses von London angestrebte Freihandelsabkommen bedeute lediglich, "dass es keine Zölle geben wird", erläuterte Giegerich, "andere Hindernisse sind nicht auszuschließen".

Großbritannien unter Druck

Trotzdem besteht seiner Ansicht nach auch nach Mays Bekenntnis zum einem "hard Brexit" kein allzu großer Grund zur Sorge: Er glaubt, dass beide Seiten in den nächsten beiden Jahren schon aus Eigeninteresse vernünftige Kompromisse schließen werden: "Ich glaube nicht, dass man es auf eine Brutalscheidung anlegt auf einer der beiden Seiten", stellte Giegerich klar, "es wird allerdings ein wenig gepokert werden bis zum Schluss." Großbritannien halte dafür das etwas schwächere Blatt auf der Hand: "Wenn das Verfahren nach Artikel 50 eingeleitet ist, dann treten nach zwei Jahren die Veträge für das Vereinigte Königreich außer Kraft".

Hintergrund

Nach der Rede der britischen Premierministerin Theresa May (Foto: dpa) vom 17. Januar ist klar: Das Vereinigte Königreich will bis 2019 "hart" aus der EU austreten und außerdem den europäischen Binnenmarkt verlassen. Stattdessen soll der Waren-, Kapital- und Dienstleistungsaustausch über den Ärmelkanal auf der Grundlage eines neuen Freihandelsabkommens geregelt werden.


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