Der Berliner Breitscheidplatz nach dem Terror-Anschlag vom 19. Dezember 2016 (Foto: picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)

Terror-Experte warnt vor "Bunkermentalität"

Ein Gespräch mit ARD-Terror-Experte Holger Schmidt

Audio: Kai Schmieding / Onlinfassung: Rick Reitler   20.12.2016 | 08:25 Uhr

Bei dem Attentatsverdächtigen vom Berliner Breitscheidplatz handelt es sich nach Recherchen des rbb wohl um einen 23-jährigen Flüchtling aus Pakistan, der kurz vor Silvester 2015 über Passau nach Deutschland gereist und hier bereits mit kleineren Delikten aufgefallen war. Das hat der ARD-Terrorexperte Holger Schmidt im Gespräch mit SR 2 KulturRadio bestätigt.

"Mit Gelassenheit sehen"

Auch wenn am terroristischen Hintergrund des Anschlags kein ernsthafter Zweifel mehr bestehen könne, warnte Schmidt die deutschen Politiker, nun eine "Bunkermentalität" für die hiesigen Weihnachtsmärkte zu fordern: "Dann bekommen wir Zustände, die eigentlich nichts mit dem zu tun haben, warum man auf einen Weihnachtsmarkt geht und warum wir so leben, wie wir leben." Für ihn sei "eigentlich der beste Rat, das möglichst mit Gelassenheit zu sehen und möglichst stoisch darauf zu reagieren". Er vermute allerdings, dass "die Politik Zeichen setzen" wolle und "dass man irgendwie sich genötigt fühlt, heute Maßnahmen zu verkünden, um nicht den Eindruck der Untätigkeit zu erwecken."

Im Gespräch mit ARD-Terror-Experte Holger Schmidt
Mediathek: Interview
Im Gespräch mit ARD-Terror-Experte Holger Schmidt
[Kai Schmieding für SR 2 KulturRadio; Der Morgen, 20. Dezember 2016, Länge ca. 4:59 Min.]


Hintergrund

Ein LKW-Fahrer hat am Montag Abend in Berlin auf dem Weihnachtsmarkt rund um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche mindestens zwölf Menschen getötet und 48 verletzt. Die Polizei geht von einem Anschlag aus. Ein Verdächtiger wird bereits vernommen. Das Motiv ist noch unklar.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Innensenator Andreas Geisel wollen um 13.00 Uhr eine Pressekonferenz geben. Dort soll die Öffentlichkeit über den Stand der Ermittlungen unterrichtet werden.


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SR 2-Reporterin Katrin Aue war wenige Stunden nach dem Anschlag auf den Weihanchtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz vor Ort und erlebte eine fast unwirkliche Szenerie: ein Riesenaufgebot von Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen, stille Passanten - und all das im Schein der Weihnachtsmarktbeleuchtung.

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