Betonsperren weden auf dem Dresdener Weihnachtsmarkt aufgebaut (Foto: picture alliance / dpa / Arno Burgi)

Minister für mehr Schutz auf Weihnachtsmärkten

Ein Gespräch mit dem saarländischen Innenminister Klaus Bouillon

Audio: Karin Mayer / Onlinefassung: Rick Reitler   20.12.2016 | 12:00 Uhr

Im Gespräch mit Innenminister Klaus Bouillon
Mediathek: Interview
Im Gespräch mit Innenminister Klaus Bouillon
[Karin Mayer für SR 2 KulturRadio; Bilanz am Mittag, 20. Dezember 2016, Länge ca. 4:29 Min.]

"Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass es einen absoluten Schutz gibt. Wir können nur versuchen zu verhindern." Der saarländische Innenminister Klaus Bouillon will die Weihnachtsmärkte Deutschlands nach dem Terror-Anschlag von Berlin noch stärker schützen lassen. Ein Aus ist für ihn keine Option. Und damit steht er offenbar nicht allein: Auch die Innenminister der übrigen Bundesländer wollten die Weihnachtsmärkte - den vom Breitscheidplatz nach einer kurzen Pause - unbedingt weiter laufen lassen, bestätigte Bouillon. "Wir können nicht kapitulieren vor Terrorismus, das wäre das Ende unseres gesellschaftlichen Lebens", stellte der Christdemokrat klar.

Maßnahmenpaket beschlossen

Einig seien sich die Inneminister auch darüber geworden, dass die ohnehin bereits hohe Zahl von Schutzbeamten auf den Weihnachtsmärkten noch weiter verstärkt - und noch stärker bewaffnet werden solle. "Einzelne Streifen" wolle man sogar mit Maschinengewehren ausrüsten. Auch bessere Absperrungen hätten die Innenminister beschlossen, um zu verhindern, dass "Fahrzeuge in Menschenmengen fahren". Was diese Schutzmaßnahmen beträfe, sei sein Ministerium "bereits im Gespräch mit den Kommunen und mit Veranstaltern". Mit all diesen Mitteln würden er und seine KollegInnen nun "überall vorgehen".

Terrorismus statt Krieg

Verbal will Bouillon dagegen abrüsten: Er kündigte an, ab sofort den Begriff "Krieg" vermeiden zu wollen und stattdessen lieber von Terrorismus zu sprechen. Noch wenige Stunden zuvor hatte er von einem "Kriegszustand" gesprochen, den "einige Leute, die immer nur das Gute sehen, nicht sehen möchten“.


Hintergrund

Ein LKW-Fahrer hat am Montagabend in Berlin auf dem Weihnachtsmarkt rund um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche mindestens zwölf Menschen getötet und 48 verletzt. Die Polizei geht von einem Terror-Anschlag aus. Ein 23-jähriger Mann aus Pakistan wurde festgenommen. Allerdings gibt es bei den Sicherheitsbehörden mittlerweile Zweifel, ob er wirklich der Fahrer des Lkw war.


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