Willi Graf (Foto: Fotoarchiv Anneliese Knoop-Graf)

Wird Willi Graf selig gesprochen?

  28.12.2017 | 12:49 Uhr

Der von den Nazis ermordete Widerstandskämpfer und Saarbrücker Ehrenbürger Willi Graf wird möglicherweise selig gesprochen. Wie die Erzdiözese München und Freising mitteilte, sollen Theologen und Historiker eine entsprechende Prüfung vornehmen.

Wie die Süddeutsche Zeitung erstmals am Mittwoch berichtete, will die Kirche in einer Voruntersuchung prüfen, ob die Möglichkeit einer Seligsprechung besteht. Um das herauszufinden, werden sich Theologen und Historiker mit dem Leben und den Schriften Grafs befassen. Danach folge gegebenenfalls die Eröffnung eines Seligsprechungsprozesses, so die Erzdiözese München und Freising.

Ein Seligsprechungsverfahren kann von einer Diözese oder einem Orden initiiert werden und dauert mehrere Jahre. Nach Angaben der Erzdiözese steht am Ende die Seligsprechung durch den Papst. Um selig gesprochen werden zu können, muss der Kandidat wegen seiner religiösen Überzeugungen gewaltsam getötet worden sein, besonders tugendhaft gelebt oder sein Leben aus religiösen Motiven für andere geopfert haben.

Ehrenbürger von Saarbrücken

Willi Graf wäre am 2. Januar 100 Jahre alt geworden. Er wuchs in Saarbrücken auf und schloss sich als Medizinstudent der Münchner Widerstandsgruppe "Weiße Rose" an. Im Oktober 1943 wurde er hingerichtet und auf dem Friedhof am Perlacher Forst im Landkreis München bestattet.

Drei Jahre später wurden seine sterblichen Überreste auf Wunsch seiner Familie exhumiert, nach Saarbrücken überführt und am 4. November auf dem Alten Friedhof St. Johann in einem Ehrengrab beigesetzt. Nach ihm wurden deutschlandweit mehrere Schulen benannt. In Saarbrücken gibt es zum Beispiel die Willi-Graf-Schulen, ein Schulverbund aus Gymnasium und Realschule. Am 12. Oktober 2003 wurde Willi Graf posthum zum Saarbrücker Ehrenbürger ernannt. Die Landeshauptstadt hat auf ihrer Internetseite eine ausführliche Biografie von Willi Graf bereitgestellt.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 28.12.17 berichtet.

Artikel mit anderen teilen