Hass im Netz nach dem Verkehrschaos in Saarbrücken

Wie umgehen mit Hass im Netz?

Uli Hauck / Onlinefassung: Martin Breher   18.10.2017 | 12:45 Uhr

Am Dienstag sorgte die Sperrung der A6 in Höhe der Fechinger Talbrücke für ein Verkehrschaos in und um Saarbrücken. Grund dafür war ein 71-jähriger Mann, der von der Brücke in den Tod springen wollte. In den sozialen Medien schlug ihm daraufhin viel Hass entgegen. Im SR 2-Interview erklärt Prof. Schwab von der Uni Würzburg, wie damit umzugehen ist.

Verhandlungen mit der Polizei und mit einem guten Freund des 71-jährigen Mannes, der auf der Brücke stand, waren über 17 Stunden erfolglos. Erst gegen 4.20 Uhr in den Morgenstunden gab der Mann auf und kletterte vom Geländer zurück auf die Fahrbahn. Bis dahin hatte sich lange Staus im Saarbrücker Stadtgebiet gebildet. Inzwischen wurde der Verursacher in einer psychiatrischen Klinik in Saarbrücken untergebracht.

Die Polizei ging mit den Gründen erst sehr spät an die Öffentlichkeit, um keine Gaffer anzulocken und die Entscheidung des Mannes nicht zu beeinflussen. In den sozialen Medien gab es viel Kritik, weil viele Verkehrsteilnehmer über Stunden im Stau standen. Dort war zum Beispiel zu lesen: "Das dumme Arschloch soll endlich springen, damit die Beamten ihren Feierabend bekommen."

Weniger Hemmungen im Netz

Prof. Frank Schwab von der Uni Würzburg erklärt solche Aussagen damit, dass "bei der Nutzung computervermittelter Kommunikation sozialer Medien bestimmte Kontrollmechanismen schwächer sind". Das habe mit der – zumindest gefühlten – Anonymität im Netz zu tun, und mit der fehlenden direkten Rückmeldung. Außerdem gebe es durch diverse Gruppen in den sozialen Medien auch den Anreiz, sich gegenseitig zu überbieten. Schwab erklärt weiter:

Die Leute meinen ja auch, sie befinden sich in einem rechtsfreien Raum. Das ist eine Fehleinschätzung, da gilt das Recht genauso wie auf der Straße oder in der Kneipe.

Anzeige und Widerspruch sinnvoll

Schwab meint, es sei durchaus sinnvoll, in solchen Fällen Anzeige zu erstatten. Auch könne es helfen, solche Meinungen direkt zu kommentieren und versuchen einen "anderen Gruppenbezug" herzustellen, etwa durch den Hinweis, dass die Leute oder deren Bekannte vielleicht selbst in eine ähnliche Situation kommen könnten.

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 18.10.2017 auf SR 2 KulturRadio berichtet.


Hintergrund:

Panorama
Rettungseinsatz auf A6 erfolgreich
Die A6 in Höhe der Fechinger Talbrücke ist wieder offen für den Verkehr. Sie war bis in die Nacht wegen eines Rettungseinsatzes der Polizei gesperrt. Die Sperrung hatte gestern zu einem Verkehrschaos im Großraum Saarbrücken geführt.

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