"Die Krebs-Mafia"

"Die Krebs-Mafia"

Ein Gespräch mit dem Autor Niklas Schenck

Jochen Erdmenger / Onlinefassung: Axel Weber   14.11.2017 | 15:25 Uhr

Der Fall des Bottroper Apothekers, der in 62.000 Fällen falsche Krebsmedikamente gemischt haben soll, hat in Deutschland hohe Wellen geschlagen. Die Journalisten Oliver Schröm und Niklas Schenk haben sich mit dem Fall eingehend auseinandergesetzt. Über "Die Krebs-Mafia" berichtet Niklas Schenck im Gespräch mit SR 2 KulturRadio.

Der Bottroper Apotheker Peter S. soll über Jahre hinweg in seinem eigenem Labor, in dem er Krebsmedikamente herstellte, hygienische Vorschriften massiv missachtet haben. Dies ist einer der Vorwürfe, den Journalist und Autor Niklas Schenck im Gespräch mit SR 2 KulturRadio gegen den Medikamentenhersteller erhebt. Peter S. sei einer von nur 200 Apothekern in Deutschland, die Krebsmedikamente selbst herstellen dürfen. Nun steht er vor Gericht.

Millionen-Schaden für die Krankenkassen

Bei 50 Medikamenten aus Peter S. Labor sei inzwischen gesichert, dass eine Unterdosierung der Wirkstoffe stattgefunden habe, erklärt Schenk: Lediglich 20 bis 80 Prozent der nötigen Wirkstoffe seien eingekauft worden, die eigentlich hätten beigemischt werden müssen. "Man spricht von einem Schaden für die Krankenkassen von 56 Millionen Euro", erklärt Schenk. Viel wichtiger sei aber der Schaden für die Patienten.

Fehlanreize für Ärzte und Apotheker

In seinem Buch, das er gemeinsam mit Journalistenkollege Oliver Schröm geschrieben hat, zeigt Schenk ganze Strukturen und Systeme auf, die sich am Handel und an der Verschreibung von Krebsmedikamenten bereichern.

Zum Buch:

Oliver Schröm, und Niklas Schenck: Die Krebsmafia
Kriminelle Milliardengeschäfte und das skrupellose Spiel mit dem Leben von Patienten

Bastei Lübbe
280 Seiten, 20,00 Euro
ISBN: 978-3-7857-2607-5


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Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Nachmittag" vom 14.11.2017 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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