Gift, Goethe und Gutrune: Pharmazie in der Kunst

Pharmazie in der Kunst

Zur Jahrestagung der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft in Saarbrücken

Milan Procyk   27.09.2017 | 15:30 Uhr

Gift, Goethe und Gutrune: Im Rahmen der größten deutschen Pharmazeuten-Konferenz hält Prof. Hans H. Maurer am Freitag an der Saarbrücker Uni einen Vortrag über Liebestränke und Hexensalben in Wagners Götterdämmerung, Goethes Faust und anderen Werken. Insgesamt 400 Experten werden zur Tagung in der Landeshauptstadt erwartet.

Gift, Goethe und Gutrune
Liebestränke und Giftmischerei spielen in der Kulturgeschichte eine große Rolle. In Wagners Götterdämmerung verfällt Siegfried ganz plötzlich der Gutrune und wendet sich von der noch kurz zuvor heißgeliebten Brünnhilde ab, Grund dafür ist ein Liebestrank. Im Faust "fliegt" der Protagonist mit Mephisto in der Walpurgisnacht zum Blocksberg, was aber keinesfalls den Flugfertigkeiten des Faust zuzuschreiben ist - das meint zumindest derToxikologe Hans H. Maurer. Er ist überzeugt, dass Goethe seinem Helden Halluzinogene Drogen verabreicht hat.

Den Freitagmittag des 29. September gilt es sich für Kulturinteressierte freizuhalten: Der emeritierte Homburger Toxikologe Professor Hans H. Maurer spricht ab 13.45 Uhr an der Saarbrücker Uni über die Rolle der Pharmazie in der Kunst (Günter-Hotz-Hörsaal, Gebäude E 2.2). Sein Vortrag "Love potions and witch ointments in art, literature and opera" behandelt die Rolle von Liebestränken und Hexensalben in Wagners Götterdämmerung, Goethes Faust und anderen Werken.

Lob für Gastgeber Saarbrücken

Den Rahmen für Maurers Vortrag bildet die Jahrestagung der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft. Rund 400 Wissenschaftler aus Europa, den USA und Japan kommen dafür diesmal an die Universität des Saarlandes. Der Präsident der Gesellschaft, der Tübinger Professor Stefan Laufer, sagte im Vorfeld über das Treffen, es sei "einerseits eine Leistungsschau, was die wissenschaftliche Pharmazie macht, andererseits aber auch eine Möglichkeit der Darstellung des Standortes". Außerdem sei der Tagungsort Saarbrücken "ein kleiner, feiner, absolut qualitätsbewusster Standort". Dabei stand Saarbrücken als Lehr- und Forschungsort für Pharmazeuten vor zwei Jahrzehnten noch vor dem Aus: Auf Empfehlung des Wissenschaftsrats sollte der hiesige Lehrstuhl für Pharmazie geschlossen werden.

Aus Kleinem entstand Großes

Alexandra Kiemer, Mitglied des Organisationskomitees der Tagung und pharmazeutische Biologin an der Saar-Uni, glaubt, dass das drohende Ende im Nachhinein einen positiven Einfluss hatte: "Aus diesem schockierenden Erlebnis heraus hat sich die Pharmazie dann - nachdem beschlossen wurde, sie nicht zu schließen - ganz hervorragend entwickelt. Die Anzahl der Professoren und Gruppenleiter ist stark gestiegen in den letzten zehn Jahren. Also ist hier in der Pharmazie, wie das saarländische Motto besagt, etwas ganz Großes aus dem Kleinen entstanden."

Die Vorträge der Tagung sind übrigens nich nur für Fachleute interessant. Am Samstag, 30. September, findet der Tag der Offizinpharmazie statt. Dieser ist nicht nur für Offizinpharmazeuten - also Apotheker -, sondern auch für Ärzte gedacht. Spannend für die breite Öffentlichkeit könnte aber vor allem Hans H. Maurers Vortrag zur Pharmazie in der Kunst sein.


Die Veranstaltung in Kürze:

26. bis 29. September 2017: Jahrestagung der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft
Universität des Saarlandes, Saarbrücken

Freitag, 29. September 2017, 13:45 Uhr: Vortrag
"Love potions and witch ointments in art, literature and opera" von Professor Hans H. Maurer
Universität des Saarlandes, Günter-Hotz-Hörsaal, Gebäude E 2.2

30. September 2017: Tag der Offizinpharmazie
Universität des Saarlandes, Günter-Hotz-Hörsaal, Gebäude E 2.2

Weitere Infos:

https://www.dphg.de/aktivitaeten/tagungen/jahrestagung2017/#.WcuU7jVBqig

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Nachmittag" vom 27. September 2017 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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