Martin Wehrle: "Das Zeitalter der Zurüchaltenden hat begonnen"

Martin Wehrle: "Das Zeitalter der Zurüchaltenden hat begonnen"

Interview: Holger Büchner / Onlinefassung: Sandra Sudmöller   21.04.2017 | 15:24 Uhr

Karriere-Coach Martin Wehrle plädiert in seinem neuen Buch "Der Klügere denkt nach" für ein Ende der reinen Ellbogengesellschaft. Der Autor bedauert, dass in der Berufswelt und insbesondere in den Chefetagen mehr Temperament automatisch bessere Aufstiegschancen bedeute. Das Zeitalter der Zurückhaltenden müsse und werde kommen.

In seinem Buch stellt Karriere-Coach Martin Wehrle Beispiele vor, wie auch Firmen allmählich umdenken. Denn die Lauten seien nicht unbedingt die Produktiven:

Wer macht denn in den Firmen die Arbeit? Das sind die Leute, die still und leise in ihrem Büro sitzen und sich auf die Arbeit und nicht aufs Selbstvermarkten konzentrieren.

Diese stellten immerhin 40-50 Prozent der deutschen Bevölkerung dar. Ruhigere Mitarbeiter könnten vor allem mit Sorgfalt und hoher Empathie punkten. Zusätzlich seien negative Erfahrungen mit extrovertierten Mitarbeitern für potentielle Arbeitgeber durch die sozialen Medien mittlerweile einfach zu recherchieren. Davon profitierten zurückhaltende Bewerber, auch in Führungspositionen, wie unter anderem der Erfolg von Kanzlerin Angela Merkel beweise.

Arbeit im Kopf

Die Arbeit findet an einem Ort statt, da haben Sie als Chef gar keinen Zutritt dazu - und das ist der Kopf des Mitarbeiters. Was da drin passiert an Ideen, das werden Sie nie erfahren, es sei denn Sie hören gut zu, Sie bauen eine Beziehung zu diesem Mitarbeiter auf.

Es sei an der Zeit, ein ausgeglichenes Verhältnis in Firmen zu schaffen, meint Wehrle. Sein aktuelles Buch heißt „Der Klügere denkt nach“.

Auf einen Blick

Martin Wehrle
„Der Klügere denkt nach: Von der Kunst, auf die ruhige Art erfolgreich zu sein“

Preis: 15 Euro
Verlag: mosaik / Random House

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Der Morgen" vom 21.04.2017 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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