Fastnacht als "Kitt für das soziale Gefüge"?

Fastnacht als "Kitt für das soziale Gefüge"?

Ein Interview mit der Kultursoziologin Yvonne Niekrenz

Kai Schmieding   12.02.2018 | 11:44 Uhr

Die Kultursoziologin Yvonne Niekrenz aus Rostock sagt "Karneval ist Kitt für das soziale Gefüge". Sie hat intensive Feldforschung betrieben, sich verkleidet ins Getümmel gestürzt und mit Menschen gesprochen, die auf der Straße, in Sälen oder auf Partys Fasching, Karneval oder Faasenacht feiern. Im SR 2-Interview spricht sie über ihre Ergebnisse.

Kultursoziologin Yvonne Niekrenz (Foto: dpa)
Kultursoziologin Yvonne Niekrenz

Beim Feiern entstünden "rauschhafte Vergemeinschaftungen", also ein sehr intensives Zusammengehörigkeitsgefühl, das voraussetze, das Leute vor Ort zusammenkommen, und das dazu führe, dass es zu einem "Überschwang im Hinblick auf Konventionen" komme, etwa dass man sich nicht mehr sieze sondern duze. Dies gelte aber auch für andere Konventionen aus dem Alltag, die im Karneval ihre Gültigkeit verlieren würden, so die Kultursoziologin Yvonne Niekrenz im Gespräch mit SR 2-Moderator Kai Schmieding. Durch den Karneval, also den festgelegten kalendarischen Termin, werde dieser Ausbruch aus dem Alltag "ein Stück weit legitimiert".

Dieser Ausflug in die "Außeralltäglichkeit" führe die Notwendigkeit des Alltags vor Augen, denn irgendwann sehne man sich dann wieder nach dem Alltag, so Niekrenz im SR 2-Interview. Deswegen sei Karneval bzw. der temporäre Ausbruch aus dem Alltag "Kitt für das soziale Gefüge".

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Morgen" vom 12.02.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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