"So nah am Ohr"

"So nah am Ohr"

Ein Interview mit dem Musik- und Medienwissenschaftler Dr. Golo Föllmer

Kai Schmieding / Onlinefassung: Martin Breher   13.02.2018 | 12:51 Uhr

Zum Welttag des Radios erklärt der Medienwissenschaftler Dr. Golo Föllmer die Stärken und Schwächen des Mediums: Obwohl Radio "so nah am Ohr" sei, dadurch Vertrauen zu den Hörern schaffe und gleichzeitig durch die Bandbreite an Themen das Ausbrechen aus der eigenen Filterblase ermögliche, müsse sich das Medium verändern, denn gerade jüngere Menschen forderten eine stärkere Möglichkeit der Personalisierung von Inhalten.

Die Stärken

Der Musik- und Medienwissenschaftler Dr. Golo Föllmer sieht in dem Medium Radio viele Stärken: Die Möglichkeit, Radio nebenbei konsumieren zu können; die "Nähe am Ohr" durch die direkte Ansprache über die Stimme, die ein großes Vertrauen schaffe; die Einfachheit des Mediums, also dass Radio einen Menschen "überall hin begleiten kann"; und die Chance des Ausbruchs aus einer möglichen eigenen Filterblase, also dass man im Radio eben auch Dinge höre, von denen man bis dahin geglaubt habe, dass sie einen gar nicht interessieren ("ungesuchte Funde").

Die Schwächen

Auch wenn das Konzept Radio alle Menschen anspreche, seinen insbesondere die jüngeren Personen einen anderen Medienkonsum gewohnt. Diese Zielgruppe sei stärker daran gewöhnt, dass man Inhalte personalisieren könne, also die Möglichkeit habe, etwa einen Inhalt überspringen zu können oder einen anderen Inhalt nochmal hören zu können oder Inhalte mit anderen Leuten teilen bzw. "sharen" zu könne. An dieser Stelle müsse sich das Radio umbauen, so der Medienwissenschaftler, doch das passiere seiner Ansicht nach im Moment noch "zu langsam und zu zögerlich und zu wenig erfindungsreich".

Der Blick in die Glaskugel

Föllner ist der Meinung, dass in zehn Jahren "bestimmt 50 Prozent der Inhalte nicht mehr reguläres Live-Linear-Radio sein werden, sondern sehr viel personalisierte, gesuchte Inhalte." Dazu gebe es medientechnisch viele unterschiedliche Konzepte, die im Moment in der Entstehung seien.

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Morgen" vom 13.02.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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