SaarArt 11 - Fazit und Ausblick: In Zukunft Doppelspitze und Konzentration auf Saarbrücken

Fazit der SaarArt11: Nächstes Mal mit Doppelspitze und Konzentration auf Saarbrücken

Ein Kommentar von Barbara Renno mit Ausblick auf die SaarArt12

  02.07.2017 | 15:40 Uhr

Rund 25.000 Besucherinnen und Besucher an zwölf saarländischen Spielorten – das ist die vorläufige, statistische Bilanz der elften Landeskunstausstellung. Aber hat sich der beträchtliche Aufwand für den Ausweichspielort in den Burbacher aw-Hallen tatsächlich gelohnt? Hat das auf einen Kurator zugeschnittene Format nicht stark Patina angesetzt? Und kommen die ausgestellten Künstlerinnen und Künstler überhaupt auf ihre Kosten? SR 2-Kulturredakteurin Barbara Renno zieht für uns eine Bilanz der SaarArt11. Dazu ein Ausblick auf die nächste Landeskunstausstellung im Jahr 2021.

Über Sinn und Zweck der SaarArt11 wurde in den letzten Wochen viel und teils heftig diskutiert. Nach knapp zweimonatiger Ausstellungsdauer kursieren Vorschläge aller Art: Von einem Startgeld für die berufenen Künstler, wie es die aktuelle Documenta zum ersten Mal praktiziert hat, über die Reduzierung der vielen Spielorte im ganzen Land, die derzeit sowieso einer Art natürlichem Schwund unterliegen, über die Installierung eines Auswahlgremiums, nachdem lange Jahre jeweils ein Kurator das alleinige Sagen und die Arbeit hatte, bis hin zur unbedingt ausbaufähigen Kunst-Vermittlung.

Der Wunsch nach kultureller Bildung

Da lohnt es sich genauer hinzuschauen und festzustellen: Das Publikum ist offensichtlich interessiert an fundierter Vermittlung. Besonders gut besucht waren während der SaarArt11 die Kuratorenführungen, die Werkräume und Workshops für fast alle Altersgruppen und die Runden, in denen über Kunst, Ausbildung, Kunstmarkt und Situation der Künstler gesprochen wurde. Diesen Schwung gilt es mitzunehmen, da ist noch viel Luft nach oben. Gar nicht angenommen wurden die Bus-Shuttle-Angebote zwischen den einzelnen Ausstellungsorten – das Publikum möchte selbstbestimmt seiner Wege gehen.

Das Problem mit dem Kuratorenmodell

Das Kuratorenmodell ist an seine Grenzen gestoßen: Auch wenn die noch amtierende Kuratorin – Cornelieke Lagerwaard – einen höchst professionellen Job gemacht hat, darf man sich nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass der viel zu viele administrative und infrastrukturelle Anteile hatte. Es kann nicht sein, dass eine Kuratorin samt Assistenz, Ausweichspielorte wie die aw-Hallen suchen, ertüchtigen und auch noch in Schuss halten muss.

Zumal jeder Kurator erst seine eigene Infrastruktur aufbauen muss, um überhaupt arbeiten zu können. Warum jedes Mal ein neues Portal im Netz aufbauen, statt die Arbeit der Vorgänger zu nutzen und darauf aufzubauen? Das kostet unnötig Zeit, Geld und Nerven. Da bedarf es dringend kontinuierlicher Strukturen, zumal es seit knapp einem Vierteljahrhundert ein Institut für aktuelle Kunst im Lande als An-Institut der Hochschule der Bildenden Künste Saar gibt, die unter anderem ein digitales Künstlerlexikon pflegen. Synergieeffekte dringend erwünscht.

Die Zukunft: Eine Doppelspitze

Kurz vor Ende der SaarArt11 hat nun der zuständige Minister für Bildung und Kultur, Ulrich Commerçon, Konsequenzen gezogen und die Marschrichtung für den neuen Turnus vorgegeben: Für die 12. Ausgabe der Landeskunstausstellung 2021 wird es eine Doppelspitze geben. Neben dem Vorstand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, Roland Mönig, soll eine zweite, externe Kuratorin bestellt werden. Die Doppelspitze soll gleichberechtigt agieren, den Blick von innen garantieren und den von außen wagen, um einen lebendigen Diskurs über Kunst, Künstler und Qualitätsmaßstäbe im Land zu installieren.

Konzentration auf die Landeshauptstadt

Die SaarArt12 wird konzentriert in der Landeshauptstadt Saarbrücken stattfinden – an ganz unterschiedlichen Spielorten, aber mit dem unumstrittenen Mittelpunkt Moderne Galerie. Die verfügt bekanntlich über die beste museale Infrastruktur des Landes. Und steht mit ihrem Erweiterungsbau und der Neugestaltung des Vorplatzes unmittelbar vor einem großen Relaunch. In vier Jahren muss der gelungen sein – mit einer aufregenden Neu-Präsentation der Sammlung, anregenden Wechselausstellungen und vor allem mit einer gut aufgestellten und auf der Höhe der Zeit agierenden Kunst-Vermittlung, die selbstverständlich und kontinuierlich Angebote für Alle macht.

Die ministeriellen Vorschläge werden zu heftigen Diskussionen führen und wenn alles gut läuft, alle mitziehen und im konstruktiven Austausch bleiben, werden sie Teil der Lösung und nicht Teil des Problems sein. Dann kann die Neujustierung, ganz im Sinne der kulturellen Bildung, die ja derzeit ganz hoch im Kurs steht, fruchtbar gelingen – für Publikum, Künstler und Macher.


Rückblick:

Dossier
Alles zur SaarArt11
In ihrer elften Ausgabe zeigte die Landeskunstausstellung Werke von rund 90 renommierten Künstlern und Künstlerinnen an 12 Ausstellungsorten im Saarland, sowie in der Saarländischen Galerie in Berlin. SR 2 KulturRadio begegnete an zwei Orten ausgewählten Künstlern der Saarart11 und stellte diese vor. Ein Überblick.


Über dieses Thema wurde in der Sendung "Canapé" vom 02.07.2017 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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