"Von nächtlichen Besuchern und gruseligen Morden"

"Von nächtlichen Besuchern und gruseligen Morden"

Ein Besuch bei der Bestsellerautorin Dolores Redondo

Jochen Marmit   28.05.2017 | 14:25 Uhr

Dolores Redondos Finale der Trilogie „Der nächtliche Besucher“ führt zurück zur Wurzel zahlreicher, unentdeckter Morde und Tötungen - in ein kleines mythenumranktes Tal im nördlichen Baskenland. Es wird zum Schauplatz grausamer Vorgänge. Die Rede ist vom Baztán-Tal, am Fuße der Pyrenäen, nicht weit vom Jakobsweg, nördlich von Pamplona. Jochen Marmit war vor Ort und hat sich mit der Bestseller-Autorin Dolores Redondo über ihre Bücher und die Rolle des Tals unterhalten.

Krimitipp

SR 3-Krimitipp: "Der nächtliche Besucher"
Audio [SR 3, Jochen Marmit, 18.03.2017, Länge: 03:14 Min.]
SR 3-Krimitipp: "Der nächtliche Besucher"
"Der nächtliche Besucher" von Dolores Redondo begibt sich die baskische Ermittlerin Amaia Salazar auf die Spur von Ritualmorden. Der Krimi ist eine geschickt konstruierte Verflechtung von Mythologie und wahren Begebenheiten.

Dolores Redondo
"Der nächtliche Besucher"

Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-17479-9
Erscheinungsdatum: 13.01.2017
TB, 559 Seiten
Preis: 11,00 Euro

E-Book: 8,49 Euro

Rezension

„Der nächtliche Besucher“ heißt Inguma in der Glaubenswelt baskischer Mythologie. Er ist der Dämon, der „den Atem schlafender Babys trinkt“. Geschwätz oder nicht – die Ermittlerin Amaia Salazar findet heraus, dass nicht nur ein Kleinkind im Baztán-Tal den plötzlichen Kindstod gestorben ist – und dass die Gräber leer sind. Bald ist klar: Es stecken noch mehr Menschen hinter den ritualisierten Tötungen. Auch ihre eigene Familie ist wie schon in den beiden Krimis zuvor in die Geschehnisse verstrickt. Endlich wird aufgeklärt, wer der große Unbekannte hinter den Vorgängen im Baskenland ist und ob die so unnachgiebige Ermittlerin Amaia Salazar ihren Schwächen erliegt oder doch die Fälle lösen kann.

Packend ist vor allem das Porträt der Ermittlerin, geschickt konstruiert sind die Verflechtungen von Mythologie und wahren Begebenheiten. Und wie immer im Zentrum steht das Tal und sein Fluss – ein packendes vorläufiges Finale. Denn die Fortsetzung ist schon in Arbeit bei Dolores Redondo.

Quelle: Jochen Marmit

Die Autorin

Die Autorin Dolores Redondo (Foto: Alfredo Tudela)

Dolores Redondo (geboren 1969 in San Sebastián) ist innerhalb von drei Jahren zum Bestseller und Shooting Star in Spanien aufgestiegen. Zunächst wollte sie Juristin werden, brach das Studium aber ab, jobt in Restaurants, eröffnete selbst eines, fing dann an zu schreiben. Sie hat sich in das Baztán-Tal verliebt und einen wahren Fall von Kindestötung im nordöstlichen Baskenland recherchiert. Daraus ist seit 2012 die Triologie um die Ermittlerin Amaia Salazar entstanden.

„Das Echo dunkler Tage“ und „Die vergessenen Kinder“ wurden bereits in über 30 Ländern veröffentlicht, der dritte Teil „Der nächtliche Besucher“ liegt nun in Deutsch vor. Die gesamte Triologie wird gerade verfilmt, Teil eins lief Anfang März 2017 in den spanischen Kinos an. Dolores Redondo versteht es, eine spannende Polizeikrimireihe über drei Etappen zu konstruieren. Gleichzeitig entlarvt sie die familiären Strukturen der Baztán Gemeinschaft, positiv wie negativ. Das Ganze wird dann vermischt mit der Mythologie und Historie des Tals.

Redondo hat sich nach dem ganzen Trubel um die Baztán-Triologie einem neuen Roman gewidmet und mal wieder einen großen Erfolg eingefahren: Mit dem Buch „Todo esto te daré“ hat sie den Premio Planeta 2016 gewonnen. Hierbei reichen die AutorInnen unter falschem Namen ein Manuskript ein und eine unabhängige Jury entscheidet über die literarischen Qualitäten. Nach Bekanntgabe ist das Buch natürlich auf Platz eins der spanischen Bestseller Listen eingestiegen. Wir dürfen auf die deutsche Übersetzung gespannt sein.

Qelle: Jochen Marmit

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Canapé" vom 28.05.2017 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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