Wissenschaftler demonstrieren bei "March for Science"

Dr. Tanja Gabriele Baudson über den "March for Science"

Interview: Holger Büchner / Onlinefassung: Sandra Sudmöller   21.04.2017 | 11:59 Uhr

Die Freiheit von Forschung und Wissenschaft gerät überall in der Welt immer stärker unter Druck. Beim "March for Science" demonstrierten Forscher und Bürger am 22. April in Deutschland und vielen anderen Ländern gegen wissenschaftsfeindliche und antidemokratische Tendenzen. Wir haben mit der Mit-Organisatorin und empirischen Bildungsforscherin Dr. Tanja Gabriele Baudson von der TU Dortmund über die Beweggründe und Ziele von "March for Science" gesprochen.

Tanja Gabriele Baudson betont vor allem den Charakter der Veranstaltung als einen Solidaritätsmarsch für die freie Wissenschaft, nicht als eine reine Lobesveranstaltung, der sich an die Gesamtbevölkerung richtet. Es handle sich um einen Appell an alle Menschen, denen die Unterscheidung zwischen wissenschaftlich fundierten Ergebnissen und Meinungen wichtig sei, insbesondere vor dem Hintergrund der Vertrauenskrise, mit der sich die Forschung konfrontiert sieht.

Populismus & alternative Fakten

Insbesondere durch den Erfolg populistischer Gruppierungen im In- und Ausland lasse sich eindeutig eine Notwendigkeit eines Bekenntnisses für die Relevanz der Wissenschaft herleiten. Diese stellten eine ernstzunehmende Bedrohung für die freie Wissenschaft dar, da sie mit alternativen Fakten einen unseriösen Gegenpol zu fundierten Forschungsergebnissen darstellten. Würden diese “alternative Fakten“ nun als ernstzunehmende, gleichberechtigte Diskursgrundlage angesehen, werde die Existenzgrundlage von Instituten und Universitäten gänzlich infrage gestellt, so Tanja Gabriele Baudson.

Populismus ist letzten Endes eine unzulässige Vereinfachung. Auch Wissenschaftsjournalismus impliziert notwendigerweise immer Vereinfachung, weil die Methoden komplex sind, mit denen Wissenschaftler arbeiten.  Das Problem beim Populismus ist, dass es eine unzulässige Vereinfachung ist, und dass diese im Sinne von politischen Agenden benutzt wird.

Insbesondere Donald Trump sieht Baudson als Negativbeispiel dafür an. Der US-amerikanische Präsident stelle seit Beginn seines politischen Karrierezugs Geisteswissenschaften und Künste infrage, drohe mit Mittelkürzungen und verleugne mitunter den Klimawandel. Dies seien „alles Disziplinen, die beim Erreichen politischer Ziele unbequem werden können“, folgert Baudson.

Die Situation in Deutschland

In Bezug auf die Situation unabhängiger Forschung in Deutschland bemängelt sie vor allem die teilweise finanzabhängigen Methoden, mit denen wissenschaftliche Befunde bewertet werden. Wichtig sei neben dem öffentlichen Bewusstsein für die Relevanz der Wissenschaft auch eine unabhängige Finanzierung und politischer Zuspruch.

Ich denke ein Grundproblem ist, dass der Prozess des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinnes der Bevölkerung oft nicht immer klar ist. Da müssen Wissenschaft und das Bildungssystem stärker Hand in Hand arbeiten.“

Der „March for Science“

Der “March for Science” findet am 22. April in Städten auf der ganzen Welt statt. Unter anderem auch in Trier. Beginn ist dort um 13.00 vor der Porta Nigra.

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Morgen" vom 21.04.2017 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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