Volker Weiß über NPD, Pegida, AfD und die "Neue Rechte"

Volker Weiß über NPD, Pegida, AfD und die "Neue Rechte"

Tilla Fuchs / Onlinefassung: Martin Breher   13.03.2017 | 10:45 Uhr

Das eben erschienene Buch „Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes“ von Volker Weiß ist nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2017. Im SR 2-Interview mit Tilla Fuchs spricht er über Strukturen und Zielgruppen der "Neuen Rechte" und deren Problem mit der Presse.

Der NPD-Parteitag in Saarbrücken

Am Samstag hat sich die NPD in Saarbrücken zu ihrem Bundesparteitag getroffen. Veranstaltungsort war das Saarbrücker Schloss, eigentlich ein zentraler Ort des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Vor dem Schloss gab es dementsprechend eine große Protestbewegung. Diese richtete sich nicht nur gegen die NPD, sondern ganz allgemein gegen die rechte Szene, die in den letzten Jahren immer stärker geworden ist.

Der Autor und Historiker Volker Weiß hat diese Szene gründlich analysiert und ein Buch darüber geschrieben. Sein gerade erschienenes Werk „Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes“ ist nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2017.

Die "Neue Rechte" und die Medien

Über die Recherchen zu seinem Buch sagt Volker Weiß im SR 2-Interview:

In einem Milieu, das nicht unwesentlich von Zensurvorwürfen lebt, ist die eigene Praxis gegenüber der Presse traditionell wenig transparent.

Das sei nicht nur bei der NPD so – die bei ihrem Parteitag der Presse keinen Zutritt gewährte – sondern auch bei anderen Veranstaltungen aus der rechten Szene gängige Praxis, etwa bei dem von Frauke Petry (AfD) organisierten Treffen der Fraktion „Europa der Nationen und der Freiheit“ (ENF) vor kurzer Zeit in Koblenz. Auch dort seien nur „parteikonforme Meiden“ zugelassen worden, meint Weiß.

Auch bei der Pegida-Bewegung sei es ähnlich, dort hätten sowohl der Deutsche Journalistenverband als auch "Reporter ohne Grenzen" Angriffe auf Journalisten beklagt, und diese seien „nicht nur verbal geblieben“.

"Die breit gefächerte Rechte"

Die Unterschiede zwischen den heutigen Gruppierungen lägen einerseits in den Zielgruppen, andererseits in der Struktur. AfD und NPD als Parteien stünden neben Basisbewegungen wie Pegida, die ein breiteres und unbestimmbareres Spektrum hätten als die Parteien. Weiter meint Weiß:

Die AfD zielt eher auf ein seriöseres Publikum, gibt sich doch sehr viel Mühe auch bürgerlich zu erscheinen, die NPD kokettiert natürlich immer wieder auch mit dem Outlaw-Image.

Die „Rhetorik einer Fundamentalopposition“, wie sie die NPD pflege, sei aber auch bei der AfD anzutreffen. Auch oder gerade weil die Parteien bei den Wahlen in Konkurrenz zueinander stünden.

Björn Höcke wäre ein Beispiel dafür, der sich auch hinsichtlich seiner vergangenheitspolitischen Haltung kaum von NPD-Politikern unterscheidet.  

Die von der AfD immer wieder selbst betonte Differenz zur NPD schwinde immer mehr, je näher man die Personen betrachte. In mehreren Fällen der „Neuen Rechten“ gäbe eine „ausgesprochenen Nähe zu NPD-Protagonisten“.

Was tun?

Zur Bekämpfung der rechten Szene seien unterschiedliche Dinge notwendig. Dazu gehörten unter anderem sozialpolitische Maßnahmen, damit nicht „große Teile der Bevölkerung“ abgehängt würden, aber auch eine klare Benennung von Herkunft und Inhalten der Parteien und das „nicht-durchwinken“ unter dem Begriff „konservativ“ – denn das seien die „Neuen Rechten“ nicht.

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