Die deutsche Nationalflagge - für viele ein Symbol der persönlichen Identität (Foto: SR)

"Unsere Identität ist nicht nur ein historisches Erbe"

Ein Gespräch mit dem Kulturwissenschaftler Philipp Felsch über den Identitätsbegriff

Audio: Kai Schmieding / Onlinefassung: Doreen Dyckerhoff   05.01.2017 | 08:55 Uhr

Auf der Suche nach einer eigenen Identität muss man sich weder einer kollektiven Norm noch einem historischen Erbe fügen, meint Prof. Philipp Felsch. Der Kulturwissenschaftler sieht in Antworten des Identitätsbegriffs vielmehr mögliche "Projekte". Ein SR 2-Interview.


Zurzeit hat die Gesellschaft ein verstärktes Identitätsbedürfnis, meint der Psychologe und Kulturwissenschaftler Philipp Felsch vom Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt Universität in Berlin. Viele flüchteten sich in eine kollektive Identität - in eine "Kulturnation", die sich vor dem Anderen fürchte. Die philosophische Strömung des Humanismus hat seiner Ansicht nach für Diskriminierung einerseits und Verflüssigung der Unterschiede andererseits gesorgt.

Im Gespräch mit dem Kulturwissenschaftler Philipp Felsch
Mediathek: Interview
Im Gespräch mit dem Kulturwissenschaftler Philipp Felsch
[Kai Schmieding für SR 2 KulturRadio, Der Morgen, 5. Januar 2017, Länge ca. 5:03 Min.]

Während beispielsweise Donald Trump auf eine weiße Identitätspolitik ziele, welche anderen Menschen einen Opferstatus aufzwinge, stecke auch Deutschland in Identitätsfragen fest, meint Felsch. Doch die Antworten würden sich nicht zwingend in einer historischen Identität finden, sondern es gebe durchaus Spielraum, um eine eigene Identität zu schaffen, die viele Aspekte individuell berücksichtige.

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