Péter Nádas - Aufleuchtende Details (Foto: Buchverlag)

Péter Nádas: "Aufleuchtende Details", Teil 2

Lesung und Gespräch, Gesprächspartner: Jörg Plath

Mitschnitt der Lesung vom 16. November 2017 in der Akademie der Künste in Berlin.  

Sendung: Dienstag 13.02.2018 20.04 bis 21.00 Uhr

Über den Inhalt

Während Nádas' Mutter am 14. Oktober 1942 in Budapest mit der Straßenbahn zur Entbindung fährt, liquidiert ein Einsatzkommando das Getto in Mizocz, Anne Frank zeichnet das Gewicht jedes Familienmitglieds auf, Jan Karski übermittelt aus einem französischen Internierungslager in den Pyrenäen der polnischen Exilregierung Nachrichten des Widerstands, und Viktor Klemperer erhält in Dresden kein Brot. Jedes Ereignis, so Nádas, wirke auf alle anderen Ereignisse ein – ob in der Politik oder der privaten Lebensgeschichte. Es sind jene Momente, die Geschichte fassbar machen und Erinnerung konstituieren – eben die "aufleuchtenden Details".

Deren weitgespannten Verflechtungen folgen Nádas' Memoiren nicht chronologisch, sondern assoziativ. Durch jede einzelne Episode zieht sich die geheime Frage: Wie bin ich zu dem geworden, der ich bin, wenn jede persönliche Erinnerung, jede Prägung, untrennbar mit Geschichte verstrickt ist? In die finsteren Tiefen des 20. Jahrhunderts wirft, so Nádas, auch die europäische Aufklärung kaum noch Licht. Und so erzählt dieses Buch nicht zuletzt davon, wie Identität unter schwierigen Bedingungen wächst, während sie sich permanent im Strom der Zeit zu verlieren droht.

Über den Autor

Der ungarische Erzähler Péter Nádas gehört zu den bedeutendsten Autoren unserer Zeit. Sein gewaltiges Romanwerk hat er nun durch seine Lebenserinnerungen ergänzt. 1942 in Budapest geboren, ist er Fotograf und Schriftsteller. Bis 1977 verhinderte die ungarische Zensur das Erscheinen seines ersten Romans "Ende eines Familienromans" (dt. 1979). Sein "Buch der Erinnerung" (dt. 1991) erhielt zahlreiche internationale Literaturpreise. Nádas wurde unter anderem mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur (1991), dem Kossuth-Preis (1992), dem Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung (1995), dem Franz-Kafka-Literaturpreis (2003) sowie dem Verdienstorden der Republik Ungarn ausgezeichnet. 2014 wurde ihm der Würth-Preis für Europäische Literatur verliehen. Péter Nádas lebt in Budapest und Gombosszeg.


Anschließend, gegen 20.40 Uhr:

ZeitschriftenLese
von Michael Braun


Vorschau

In "Literatur im Gespräch" am Dienstag, 20. Februar:

Sibylle Knaus: "Der Gott der letzten Tage"
Lesung und Gespräch, Gesprächspartner: Ralph Schock


Literatur im Gespräch

Dienstags von 20.04 bis 21.00 Uhr auf SR 2 KulturRadio

Ein Forum für literarische Texte, die im Gespräch sind oder durch die Sendung ins Gespräch gebracht werden sollen.

Es handelt sich um Romane, Erzählungen, Essays oder Gedichte, die veröffentlicht oder noch unveröffentlicht sind. Die Sendung will Autoren von "draußen" ins Land und Autoren aus dem Land nach draußen vermitteln. Zu hören sind Studiogespräche sowie Mitschnitte öffentlicher Lesungen von bekannten und unbekannten Schriftstellern, von Nobelpreisträgern wie (wenn sie interessant sind) von Autoren, die ihre Bücher im Selbstverlag herausbringen. Die Autoren sind in der Regel deutschsprachig.

Aus rechtlichen Gründen können wir die Sendung leider nicht zum Nachhören anbieten.

Redaktion: Tilla Fuchs

Kontakt: literatur-im-gespraech@sr.de

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